Vorwort  und Vorbemerkungen                                                                                                                                             

Rhetorische und methodische Grundbegriffe in alphabetischer Folge       

A – Aller Anfang kommt vor dem Erfolg                                   

 B – Besser ist es, wenig zu reden, als viel zu schweigen     

 C – Charisma lebt nicht zuletzt durch Rhetorik

D – Dialog ist nicht alles, aber ohne Dialog wird nichts

E – Errare humanum est – Irren ist menschlich

F – Freie Rede – Redefreiheit

G – Galletti sei Dank, denn keiner ist perfekt

H – Hic Rhodos, hic salta!

I – Im Anfang war das Wort

J – Jeder Zoll ein König

K – Kategorisch-imperative Rhetorik?

L – Links, wo das Herz ist

M – Münchhausen ist unter uns

N – Nomen est omen

O – Omnia mea mecum porto – Alles, was mir gehört, trage ich bei mir

P – Parkinson´s Gesetz in der Rhetorik

Q – Quintilian – lebt er noch?

R – Regeln lernen und dann vergessen

S – Sokrates bewies, dass es nicht nur dumme Fragen gibt

T – Theorie und Praxis

U – Umgangsformen – nicht umgehen

V – Vorsicht! Vorurteile!

W – Was soll denn das?

X – X-mal probiert und immer noch nicht gekonnt

Y – Yin und Yang

Z – Zwischenrufe sind angemessen erlaubt Literaturhinweise und Ratschläge zum Training

Vorwort

Es handelt sich bei diesem Büchlein nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung auf der Grundlage von Forschungen. Meine Absicht besteht darin, Rednern verschiedener Couleur, Lehrenden oder Lernenden Hinweise für ihre rhetorische Kommunikation zu geben. Dazu habe ich in pragmatischer Weise Stichwörter zusammengetragen, die ich in den 40 Jahren meiner Lehrtätigkeit angetroffen habe und die ich weiterempfehlen kann. Kritiken, Korrekturen und weitere Ideen sind deshalb sehr willkommen.

Die relativ umfänglichen Literaturangaben sind als Anregungen für das weitere Selbststudium gedacht.

Die Kapitelüberschriften sollen darauf hinweisen, dass wir im Leben nicht alles zu ernst nehmen dürfen.

Die Begriffsbestimmung für die Rhetorik erscheint als umfangreiche, komplizierte Gemengelage. Hohe Kunst? Verachteter Wechselbalg? Charismatisches Geschenk? Manipulative Technik? Leeres Stroh? Ich würde meinen Gegenstand lieber als Rhetorische Kommunikation bezeichnen, die das Ziel verfolgen kann, die Beziehungen zwischen uns Menschen zu optimieren.

Vorbemerkungen zur rhetorischen Kommunikationstheorie

Kommunikation hat die Menschen erst zu dem gemacht, was sie sind: vernunftbegabte, sozial handelnde Wesen. Mit der Entwicklung von Sprache ergaben sich menschenspezifische Möglichkeiten und Beziehungen. Seit der Antike, und insbesondere im Mittelmeerraum, entstand eine unbewusste und dann zunehmend bewusste „Kunst“ durch den bewussten Sprachgebrauch (Homo rhetoricus) oder einfacher gesagt: die Rhetorik.[1]

Über 2.500 Jahre haben sich Praxis und Theorie der zwischenmenschlichen Kommunikation vervollkommnet. Zur direkten verbalen und nonverbalen Kommunikation am selben Ort und zur gleichen Zeit kamen Mittel wie die Zeichen- und Schriftsprache, optische Signalübertragung, Drucktechnik, Telegrafie, Radio und Fernsehen und die elektronische (digitale) Kommunikation. Mittlerweile sprechen wir davon, durch die digitale Revolution in einem Informationszeitalter zu leben und künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben spielt.[2]

Bei aller Technisierung unseres Lebens wird allerdings die direkte Kommunikation, d.h. zur selben Zeit und am gleichen Ort, das Primat gegenüber der technisch vermittelten behalten, auch wenn mit zunehmender Digitalisierung und sogar künstlicher Intelligenz immer neue Formen entwickeln lassen.

Die Rhetorik wird nach wie vor und von vielen für ein geheimnisumwittertes Wunderwerk gehalten. Allerdings beschäftigen sich noch viel zu wenige ernsthaft damit, denn sie ist das Produkt mehrerer Wissenschaftsdisziplinen, deren Erkenntnisse wir uns mühselig aneignen müssen.

Mitunter versteht man darunter die allgemeine Art und Weise, wie sich Menschen bewusst oder unbewusst als Sprecher ausdrücken. Dann heißt es vielleicht „offizielle Rhetorik“ oder „Trump´s Rhetorik“ oder „Kriegsrhetorik“ o.ä.

Nicht selten wird der Begriff Rhetorik pejorativ ausgelegt, d.h. verschlechternd oder missbilligend, als ob sie so eine Art Schwarze Kunst wäre, nur um andere zu betrügen und Gedanken zu verdrehen. Sicher gibt es Teilgebiete und Bestandteile, die dafür geeignet sind: Eristik, Sophisterei oder Rabulistik. Diktatoren haben damit manipuliert. Aber darauf lässt sie sich nicht allein reduzieren.

Und warum schreibst Du nun auch noch über Rhetorik? Ist es nicht genug? So viele haben sich daran versucht, nur nicht ich? Aber wie viele haben meine Rhetorik-Seminare besucht, und ich habe sie nie wieder getroffen?

Die Rhetorik ist die Theorie und die Kunst des Redens. Unser Kunsterzieher an der „Penne“[3], Siegfried Fischer, definierte Kunst als die Triade von Kennen, Können und Künden. Ja, das trifft auch voll und ganz auf die Redekunst zu. Und Stephen King, einer der meistgelesenen Schriftsteller unserer Zeit, vertrat eine Meinung, die ebenfalls dorthinein passt:

„Die Verteilung von Talent und Kreativität lässt sich, wie in anderen Bereichen auch, bei Schriftstellern mittels einer Pyramide darstellen. Die Basis wird von den schlechten Schreibern [resp. Rednern] gebildet.“ [4]

Und er stellte zwei Thesen auf, die auf den Schriftsteller wie auf den Redner passen:

„Erstens: um gut zu schreiben [zu sprechen], muss man die Grundlagen beherrschen (Wortschatz, Grammatik, Stilistik) … Zweitens: Zwar kann man aus einem schlechten Schriftsteller [Redner] keinen passablen und aus einem guten Schriftsteller [Redner] kein Genie machen, doch es ist mit sehr viel harter Arbeit, Hingabe und Unterstützung im richtigen Moment durchaus möglich, von einem passablen, zu einen guten Autor [Kommunikator] zu werden.“ [5]

Manche halten sich für intellektuelle, und damit auch für rhetorische, Naturtalente. Natürlich gibt es diese, aber gewiss in deutlich geringerer Zahl als angenommen. Wir unterliegen da nicht selten der Selbsttäuschung.

Die Rhetoriker im antiken Athen oder Rom haben bereits gewusst, dass nichts von nichts kommt, und dass der wirkungsvolle Redner (Rhetor) in der Regel viel Training und fleißige Vorbereitung braucht.[6] Die Regeln und Techniken der Rhetorik wurden bereits damals weitgehend ausgearbeitet und über drei Jahrtausende in ähnlicher Weise gelehrt und angewendet. Geändert hat sich der Blick auf die Bedingungen unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Wir sprechen davon, dass wir im Zeitalter der Kommunikation leben, in dem Informationen zur mächtigsten Produktivkraft geworden sind. Die Kommunikation hat zwar den Werdegang des Homo sapiens immer essentiell begleitet. Aber mit der Digitalisierung und Globalisierung haben sich die weitreichendsten Veränderungen im menschlichen Leben ergeben. Und in diesem Rahmen hat auch die Rhetorik eine umfassendere Bedeutung erlangt. Trotz aller technischen Fortschritte ist die rhetorische Kommunikation, d.h. der direkte sprachbasierte Informationsaustausch zwischen Menschen, durch nichts zu ersetzen. Meinten wir früher damit die menschliche Kommunikation zur selben Zeit und am selben Ort, ergeben sich mit den medialen Fortschritten enorme Veränderungen.

Die zunehmend beschleunigte Entwicklung vom Buchdruck über die elektronische Ton- und Bildübertragung hin zum Internet hat regelrecht neue Welten eröffnet. Selbst die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, z.B. Texterstellung mit ChatGPT, haben längst Einzug in die Rhetorik gehalten.

Davon wurde auch die Rhetorik beeinflusst, die sich von der „schönen Kunst“ hin zur Optimierung der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt. Sie ist quasi neu in Mode gekommen. In Antike und Mittelalter gehörte sie zum den Septem Artes Liberales, den sieben freien Künsten für die gesellschaftlich Privilegierten. Da ging es hauptsächlich um Form und Inhalt. Später wurde sie deutlicher auf die Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet und letztlich standen mehr die Ziele gegenüber konkreten Zielgruppen in ihrem Fokus. Und damit verstärkte sich auch die Gefahr des Missbrauchs als Persuasion und als politische Manipulation. Deshalb wird Rhetorik auch heute noch häufig verfremdet verstanden und gebraucht. Und das nicht nur im Zusammenhang mit Wahlkampf und Fake News der Medien, Finanzgeschäft oder Ehebruch. Beeindruckende Beispiele sind u.a. die permanenten Verstöße gegen die Zehn Gebote der Bibel. Auch die Demokratie, die anfangs als Herrschaft des Volkes, vielleicht auch als Diktatur des Proletariats verstanden werden sollte oder die zu hinterfragende Losung „Wir sind das Volk“ verweisen auf viele Widersprüche im Zusammenhang mit der Rhetorik.

Seit 35 Jahren beschäftige ich mich ernsthaft mit Rhetorik. Die viele Vorträge, Seminare und Redeauftritte waren für mich Gelegenheiten des rhetorischen Lernens. Aber ich fühle mich immer noch wie der Student Wagner, den Goethe im „Faust“ sagen ließ: „Allein der Vortrag macht des Redners Glück; ich fühl es wohl, noch bin ich weit zurück.“

Mein kleines Büchlein soll so etwas wie ein Wimmelbuch sein, ein Sammelsurium von Fachworten und Ideen zur Rhetorik. Es erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Tiefe oder gar Vollständigkeit. Der Leser soll wie beim Domino Stein an Stein setzen. Man lernt nie aus.

Die Gleichbehandlung der Geschlechter wird im Artikel 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland garantiert. Um Gleichstellung zu realisieren, ist der Sprachgebrauch ein relevanter Faktor.[7] Die Umsetzung (Gendern) ist gegenwärtig noch in einer intensiven, allerdings auch sehr widersprüchlichen Diskussion.

Um Übertreibungen, Verkomplizierungen und Banalisierungen zu vermeiden, habe ich mich jedoch in meinen Texten vorwiegend auf das funktional Erforderliche beschränkt. Zudem ist durch die Vielzahl der Zitate aus älteren und aktuellen Quellen eine Einheitlich nicht möglich.


[1] Kopperschmidt, J.: Rhetorische Anthropologie. Studien zum Homo rhetoricus. Wilhelm Fink Verlag, München 2000

[2] Hawking, S.: Kurze Antworten auf große Fragen unserer Zeit. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018, S. 185 f.

[3] Damals: Erweiterte Oberschule Grimma, seit 1990 wieder Gymnasium St. Augustin, ganz früher seit 1650 Landes- und Fürstenschule St. Augustin, die Rhetorik recht breit in ihrem Canon (Septem Artes Liberales) ausestreut hatte. Vgl. Arnhardt, Gerhard; Reinert, Gerd-Bodo: Die Fürsten und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma. Lebensweise und Unterricht über Jahrhunderte. Beltz Wissenschaft. Deutscher Studienverlag, Weinheim und Basel 2002

[4] King, Stephen: Das Leben und das Schreiben. Wilhelm Heye Verlag, München 2011, 171 f.

[5] Ebenda

[6] Unterscheide: Rhetoriker (Lehrender, Trainer) und Rhetoren (Redner), aber auch Orator (Cicero: Der Redner)

[7] DUDEN. Die deutsche Rechtsschreibung. 28. Auflage, Berlin 2020, S. 112 ff.

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