Backchanneling
Die Interaktion zwischen Sender und Empfänger erfolgt durch Informationsübertragungen auf unterschiedlichen Kanälen. (vgl. Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver).
Wenn das auf zwei Kanälen gleichzeitig erfolgt, nennt man das Backchanneling: Beispiel: Während der Sender z.B. spricht, gibt der Empfänger spontan sowie mehr oder weniger unterschwellig Rückantworten, die auf dem gleichen (verbal) oder anderen Kanälen (nonverbal, paraverbal) erfolgen können. So etwas kann die ablaufende Kommunikation maßgeblich fördern oder nachteilig beeinflussen.
Beispiele:
- verbal: Empfänger reagiert mit „Richtig“, „o.k.“, „a-ha“, „Wirklich?“, erstauntes „Wow“ usw.
- nonverbal: Empfänger lacht, legt Stirn in Falten, stimmt zu durch „h-m“, signalisiert durch Fehlatmung (z.B. „ä“) usw.
In der Politik versteht man unter Backchanneling, wenn direkte Informationen über nichtoffizielle Kanäle oder durch nicht autorisierte Vertreter ausgetauscht werden.
Beispiele:
- Parallel zur Vorbereitung von Wahlen passiert irgendetwas, das nicht direkt damit zu tun hat (z.B. Attentat).
- Scheinbar unabhängig von einem bevorstehenden Ereignis sammeln oder verbreiten Medienvertreter Informationen, ggf. verdeckt.
- In einer Talkshow werden Meinungen ausgetauscht und im Hintergrund werden auf einer Projektionsfläche Bilder angezeigt.
Ballade
Literarische Gattung, längere Gedichtform, die meist einen dramatischen Konflikt enthält
Beispiele:
- Goethe: Erlkönig
- Schiller: Der Handschuh
Für die Rhetorik eignen sich Balladen oft wegen ihrer strengen Gliederung und ihres pathetischen Ablaufes als Übungsgrundlagen.
Befehl
Bewusst kurze und strikte Handlungsanweisung (Unternehmensführung, Militär, Programmieren)
Beispiele:
- Ruhe! Jetzt spreche ich! Zuhören!
- Setzen! Bücher auf Seite 7 öffnen!
- Einfügen! Löschen!
Begriff
Sprachlicher Ausdruck mit hohem Verallgemeinerungsanspruch (nachgeordnet: Ausdruck, Wort). Aristoteles sagte von Sokrates, dass er der erste gewesen sei, der nicht nur danach fragte, woraus etwas geworden sei, sondern danach, wie etwas wesentlich ist.
Kant differenzierte zwischen Anschauungen und Begriffen.
In einem Begriff wird ein bestimmter, gegebener Gegenstand bzw. eine Klasse von Gegenständen widergespiegelt. Dazu kann eine Definition notwendig sein.
„Ein Begriff ist eine grundlegende Einheit des Denkens und der Sprache. Er repräsentiert eine abstrakte Idee, ein Konzept oder eine exakte Vorstellung. Hier sind einige wichtige Aspekte, die den Begriff charakterisieren:
- Abstraktion: Ein Begriff ist eine abstrahierte Darstellung von etwas. Er ermöglicht es uns, komplexe Realitäten zu vereinfachen und zu kategorisieren. Zum Beispiel ist der Begriff “Baum” eine Abstraktion, die verschiedene Arten von Bäumen zusammenfasst (Beispiele, Ausdrücke, Erläuterungen).
- Allgemeinheit: Begriffe sind allgemein und können auf verschiedene konkrete Dinge oder Situationen angewendet werden. Wenn wir von “Freiheit” sprechen, bezieht sich dies nicht auf einen spezifischen Fall, sondern auf ein universelles Konzept.[1]
- sprachliche Repräsentation: Begriffe werden in der Sprache ausgedrückt. Wörter wie “Liebe”, “Gerechtigkeit” oder “Demokratie” sind Beispiele für Begriffe.
- Kognitive Funktion: Begriffe sind grundlegend für unser Denken. Sie ermöglichen es uns, Informationen zu organisieren, zu analysieren und zu zieren.
- Definition: Begriffe können definiert werden, um ihre Bedeutung klarer zu machen. Eine Definition legt fest, was ein bestimmter Begriff umfasst und was nicht.
In der Philosophie spielen Begriffe eine zentrale Rolle bei der Untersuchung von Fragen wie “Was ist Wahrheit?”, “Was ist Gerechtigkeit?” und “Was ist das Gute?”. Philosophen analysieren und hinterfragen Begriffe, um tiefere Einsichten zu gewinnen und unser Verständnis der Welt zu erweitern.“[2]
Den Begriffen nachgeordnet gibt es eine Vielzahl von Worten und Ausdrücken, die jedoch weniger genau bestimmt und einheitlich verwendet werden müssen. Die Eloquenz (Beredsamkeit, Sprachgewandtheit) eines Menschen hängt einerseits von der Vielfalt, andererseits von der Genauigkeit der von ihm verwendeten Begriffe, Worte und Ausdrücke ab.
Mit dem Wort Begriff wird der Bedeutungsinhalt einer Bezeichnung oder Vorstellung angesprochen. (Logik) [3]
Die Abgrenzung von Begriffen gegenüber Wörtern oder Ausdrücken als äußerlichen sprachlichen Einheiten und zu Auffassungen oder Vorstellungen als innerlichen rein gedanklichen Einheiten ist jedoch im Alltagsgebrauch und in verschiedenen Fachsprachen – je nach Perspektive – oft unscharf. [4] Nach richtiger Betrachtungsweise ist „Begriff“ gerade nicht das Wort, sondern das von einem Wort Gemeinte, ein Gedankengebilde.[5]
Beispiele:
- „Merkel ist die größte Spalterin in der deutschen Geschichte. Wann wird dieses Wesen endlich entsorgt.“ [6]
- „Spalterin“: Vorwurf einer angeblich schädlichen Politik, ohne Verweis darauf; was sie in der deutschen Geschichte spalten könnte – pars pro toto → (Argumentation, mit der ein Teil für die Ausdeutung eines Ganzen genutzt wird)
- Im Wesen: zynische, verächtliche Charakterisierung einer Persönlichkeit – falsche, pejorative Verwendung des Begriffes Wesen
- „entsorgt“ – wird Müll, Abfall, Gift – Übertragung auf eine Person ist entwürdigend
Wir finden im Alltag, in der Politik oder in der Kunst eine Vielzahl von Fällen, in denen nachlässig oder absichtlich falsch mit Begriffen umgegangen wird. In der Medienpraxis spricht man dann häufig von Fake News.
Je klarer die Begriffsbestimmung im jeweiligen Kontext, desto verständlicher können die darauf aufbauenden Formulierungen (Worte, Ausdrücke) sein.
Begrüßung
Durch Grußformeln und/oder Körpersprache wird Kontaktaufnahme begünstigt bzw. gesteuert. Die Art und Weise der Begrüßung richtet sich nicht zuletzt nach dem Rollenverständnis, d.h. ob sich die Kommunikationspartner gleichberechtigt (symmetrisch) und ungleich (komplementär) verhalten.
Begrüßungen sind in diesem Sinne Form der gegenseitigen Anerkennung (Ich bin o.k. – Du bist o.k.). Entlang der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich bestimmte Normen, Stile und Traditionen herausgebildet. Normalerweise wird ein Feedback erwartet. Als typische Ich-Botschaft sind viele Varianten möglich.[7]
Grundsätzliche Formen:
- Willkommens- oder Begegnungsgruß (z.B. Guten Tag, Herr Meier!)
- Grußübermittlung (z.B. Grüßen Sie Frau Otto von mir!)
- Beginn einer Textübermittlung (z.B. Liebe Kundinnen und Kunden…)
- Abschluss, Abschiedsgruß (z.B. Und damit verabschiede ich Sie…)
Fragen:
- Wer grüßt wen (zuerst oder nachgeordnet, Rangfolge)?
- Welche Ansicht wird damit verfolgt? (Kontaktaufnahme, Aufmerksamkeit)
- Welche Reaktion erfolgt daraufhin? (Freude, Erwiderung, Ablehnung)
Begrüßungen erfolgen oft auch mit körpersprachlichen Zusammenhängen:
- Hände reichen o.ä.
- Zuwinken und andere Gesten
- Kopfbedeckung abnehmen (meist veraltet)
- militärische Grußerweisung (Hand zur Kopfbedeckung)
Beispiele:
- Hallo! Hi! Ahoi! Moin! (ugs.)
- Guten Tag, Frau Meier!
- Grüß Gott!
- Grüß´ Dich, Heidi!
- Auf Wiedersehen!
- Tschüss! – mglw. abgeleitet von Adios (span.) oder Adieu (franz.) zu Gott
Beispiel
lat. exemplum
Beispiele, Vergleiche und Analogien sind häufig genutzte rhetorische Figuren. Sie dienen dazu, Sachverhalte zu veranschaulichen und verständlich zu machen, Emotionen zu zeigen, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede aufzudecken usw.
In der induktiven Logik sind Beispiele (Tatsachen, Thesen, Fakten, Analogien) Voraussetzungen für die Argumentation.
Ausführliche Darstellungen zum Umgang mit Beispielen finden wir bereits bei Aristoteles[8]: Syllogismen (logisches Schlussverfahren, Argumentation) bauen häufig auf Beispielen auf, um überzeugend vorzugehen.
Belaga
Rhetorik spielt auch im Islam eine bedeutende Rolle. Dort ist sie als Belaga (türk. belagat[9] – Beredsamkeit, Rhetorik)[10] bekannt und findet vor allem in der arabischen Literatur und im islamischen Recht Anwendung. Sie entwickelte sich als eigenständige Disziplin vor allem in Verbindung mit der Interpretation religiöser Texte, insbesondere dem Koran.
Dazu entstand im 13. Jahrhundert der Talkhis al miftah,[11] der als eine der meistkommentierten und diskutierten Publikationen in der arabischen Welt gilt. Er beinhaltet u.a. Techniken und Theorien, die sich mit der Schönheit und Klarheit der Sprache beschäftigen.
Beleidigung
In unserer Kommunikation kommt es bedauerlicherweise nicht selten auch zu Kränkungen und Verunglimpfungen von Personen oder Personengruppen.
Bei öffentlichen Reden (Parlament) und Gesprächen (talk shows, Interviews) sollten Beleidigungen vermieden werden. In gegebenen Fällen schreitet ein Moderator (Präsidium) dagegen ein.
Im Deutschen Pressekodex (berufsethische Grundsätze des Deutschen Presserates) wird sich ausdrücklich gegen Beleidigungen, Schmähungen, Rassismus usw. ausgesprochen.[12]
In der aktuellen Alltagssprache wird dazu mitunter der Ausdruck hating (engl. – hassen, verabscheuen) gebraucht.
Beispiele:
- Sie Trottel!
- Leute wie Sie kann ich nicht ausstehen!
- Was Sie da sagen, ist dumm!
In der parlamentarischen Praxis (Landtag, Bundestag) sind Beleidigungen als Verstöße gegen die Debattenkultur verpönt und werden geahndet (Ordnungsrufe, Wortentzug, Sitzungsausschluss).[13]
Bericht
journalistische Textsorte, die sachlich und möglichst vollständig schriftlich oder mündlich über den Anlauf eines Ereignisses informiert. Im Interesse von Verständlichkeit und Konzentration können Berichte z.B. nach W-Fragen gegliedert werden: Wo? Was? Wann? Wer? Wie? Warum? Welche Folgen?
Beispiele:
- Medienmeldungen
- Projektbericht
- Zeugenaussage vor Gericht
Bergpredigt
lat. oratio montan, auch als „Bergrede“ bekannt[14]
Ein ganzer Textabschnitt im Neuen Testament (Evangelium des Matthäus 5-7) bezieht sich auf die Rede, in der Jesus von Nazareth seine Lehre verkündet und den in der Tora offenbarten Willen Gottes neu ausdeutet.
Vgl. auch „Feldrede“ im Lukas-Evangelium (Lk 6,17–49)
Die Überlieferung hat das Christentum sowie auch nichtchristliche Denker und andere Religionen maßgeblich beeinflusst.
Die Bergpredigt gilt für viele auch heute noch als die Rede der Reden, sowohl durch die ethische Aktualität des Inhalts als auch durch die zeitlose Methodik (Rhetorik).
Predigt = Verkündung des Wortes Gottes, lat. praedicare – öffentlich ausrufen, verkünden, aussagen
Bewerten und Beurteilen
Bewerten dient der quantitativen Einschätzung von Leistungen (nach Anzahl, Zensuren, Stufen, Wertmaßstäben). Voraussetzung ist, dass die Kriterien dafür weitgehend eindeutig sind. Deshalb ist es z.B. schwierig, in einem Rhetorik-Seminar Zensuren zu geben.
Beurteilen ist das überwiegend qualitative Einschätzen von Personen und ihrem Verhalten (z.B. Vortrags- oder Gesprächsweise).
Diese Unterscheidung ist u.a. wichtig in der Pädagogik und in der Personalführung. Für die Rhetorikausbildung gibt es verschiedene Modelle, um Kompetenzen annähernd objektiv zu beschreiben.
Beispiele:
- Netzdiagramm (Performance-Tabelle): Die individuelle Redefähigkeit erkennen[15]
- Softskills Rhetorik (eigene Variante)
- Kriterien-Tabelle (Variante)
| Zielgruppengerechter Inhalt (20 Punkte) | Rhetorisches Vermögen (60 Punkte) | ||||
| interessant, plausibel | 10 | Persönlichkeitsausstrahlung | 10 | ||
| Praxisrelevant, korrekt | 10 | Verständlichkeit | 10 | ||
| Freier/ gebundener Vortrag | 10 | ||||
| Dialog/Diskussionsfähigkeit | 10 | ||||
| Schriftliche Konzeption (20 Punkte) | Medieneinsatz/Präsentation | 10 | |||
| Zeitplanung | 10 | Zielrealisierung | 10 | ||
| Gliederung | 10 | ||||
| Anmerkungen | |||||
| Gesamtpunkte/Note | 100 | ||||
Bild
Sprachliche Bilder bzw. bildhafte Darstellungen sind Stilmittel, die vor allem der Veranschaulichung und Emotionalisierung von Darstellungen dienen.
Im Volksmund heißt es: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Damit sind verbale und mimische Ausdrücke, aber auch grafische Darstellungen gemeint.
Beispiele:
- Allegorie (Sinnbild, Gleichnis), lat. allegoria: anderssagen: Amor – der römische Gott der Liebe, dessen treffender Pfeil das Verlieben versinnbildlicht
- Symbol: Der treffende Pfeil Amors versinnbildlich den Vorgang des Verliebens.
- Methapher: verbindet unterschiedliche Betrachtungsbereiche miteinander: Schmetterlinge im Bauch – das Gefühl des Verliebtseins
Bilderlyrik
Reim und optische Gestaltung werden miteinander verbunden; in der Rhetorik natürlich eher selten. Dort geht es dafür mehr um die Bildhaftigkeit des sprachlichen Ausdrucks.
Beispiele:
Christian Morgenstern, Der Trichter
Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u.s.
w.
Christian Morgenstern, Fisches Nachtgesang
Blablamat
Hiermit wird in satirische Weise darauf aufmerksam gemacht, dass wir überzogene semantische Konstruktionen (Komposita) meiden bzw. hinterfragen sollten.
Das wird auch akademisch-bürokratischer Stil oder Imponier-Jargon genannt.[16] Als Satire wird es auch „Halbautomatisches Schnellformulierungssytem nach Philip Broughton“ [17]genannt. In der Tabelle springt man von Spalte zu Spalte und wechselt dabei ständig die Zeilen. Es entstehen meist Sinnlosigkeiten, die aber nur allzu leicht hingenommen werden.
| konzentrierte | Führungs- | -struktur |
| integrierte | Organisations- | -flexibilität |
| permanente | Identifikations- | -ebene |
| systematisierte | Drittgenerations- | -tendenz |
| progressive | Koalitions- | -programmierung |
| funktionelle | Fluktuations- | -konzeption |
| orientierte | Übergangs- | -phase |
| synchrone | Wachstums- | -potenz |
| qualifizierte | Aktions- | -problematik |
| ambivalente | Interpretations- | -kontingenz |
Im Zusammenhang damit ist auch die Erscheinung der Bläh-Sprache zu sehen, gegen die sich schon Goethe wandte. Gegenmittel: Sinnhaftigkeit hinterfragen und alles, was nicht unbedingt nötig ist, streichen.
Blackout
engl. – Aussetzer, Geistesabwesenheit, Erinnerungslücke
Durch übermäßigen Stress (Lampenfieber), Überkonzentration, Ermüdung oder Ablenkung durch Störungen (z.B. Zwischenruf) kann es während einer Rede oder in einer Prüfung zu Aussetzern kommen. Man hat das Gefühl, nichts mehr vom dem zu wissen, was vorher völlig klar war oder man vorbereitet hatte. Das passiert jedem, immer mal wieder. Oft fällt es dem Publikum nicht einmal auf, wenn man selbst bewusst darauf reagiert (z.B. kurze Pause, um sich neu zu sammeln) oder wenn es eine insgesamt gute Kommunikation war.
Was kann man dagegen tun?
Beispiele:
- Den Vorgang stoppen, sich gegebenenfalls entschuldigen und nach erneuter Konzentration wieder starten. Eventuell die Nase putzen, die Brille reinigen oder kurz husten.
- Die/eine geeignete Stelle in den Notizen suchen, um fortzusetzen.
- Die Karten, Zettel oder die PowerPoint-Charts durchblättern und einen neuen Ansatz finden.
- Pause einlegen: „Moment, bitte – ich würde nur mal schnell das Fenster öffnen.“
- Eingestehen: „Jetzt habe ich den Roten Faden verloren… Wo war ich zuletzt?“
- Auf Zwischenrufe eingehen: „Sie haben ja Recht… Aber da muss ich fragen, was Sie damit meinen…“
- Kontaktfrage: „Wer von Ihnen hat dazu eine Frage? Wer möchte sich zwischenzeitlich dazu äußern?
Bläh-, Füll- und Flickwörter
Bedeutungsleere, überflüssige, klischeehafte oder scheinbar modische Wörter gehören zu den häufigsten Stilprobleme unserer Sprache. Schon Goethe kämpfte dagegen[18] und wir scheinen heute immer noch machtlos dagegen zu sein.
Beispiele:
- eigentlich: „Eigentlich wollte ich nur sagen…“
- sozusagen: „Das ist sozusagen das Beste daran.“
- irgendwie: „Das war irgendwie komisch.“
- tatsächlich: „Tatsächlich ist es so, dass…“
- im Grunde genommen: „Im Grunde genommen ist das nicht nötig.“
- quasi: „Das ist quasi dasselbe.“
- eben: „Das ist eben so.“
- natürlich: „Natürlich ist das wichtig.“
- wirklich: „Das ist wirklich interessant.“
- ein bisschen: „Das ist ein bisschen schwierig.“
Sie zu streichen bedeutet in der Regel keine Einbuße an Verständlichkeit, sondern eher ihre Verbesserung.
Blase bzw. Filterblase
Im Zusammenhang mit der Systemtheorie und digitalen Vernetzungen (Webseiten, Communities, Virtual reality) usw.) ist eine Blase (Filterblase, Echokammer) ein virtueller Raum, in dem bestimmte Menschen relativ begrenzt miteinander kommunizieren. Dieser Begriff aus der Medienwissenschaft bezeichnet den Effekt, der auftritt, wenn Menschen ständig in einem engen kommunikativen Umfeld (in relativ geschlossenem System) kooperieren.
Filterblasen entstehen oft durch eingeengte und einseitige Kommunikation auf immer denselben Kanälen (TV- und Rundfunk-Sender, Serien, Werbung, Boulevardpresse, Fake News usw.)
Blickkontakt
Ein wichtiges Moment der körpersprachlichen (nonverbalen) Kommunikation ist der gegenseitige, sensible Blick der Kommunikationspartner in die Augen/das Gesicht. Sie erzeugen dynamische Sehereignisse wie z.B. Sympathie, Liebe, Gleichgültigkeit, Frage oder Hass.
Als rhetorischer Wirkungsfaktor in Rede und Gespräch oft sehr bedeutsam:
- Transport von Gefühlen (Vertrauen, Skepsis, Aggression)
- Augenlider (geöffnet, gesenkt)
- Pupillen (Erweiterung, Verengung – nur selten bewusst wahrnehmbar
- Blickrichtung
Rhetorik verlangt nicht zuletzt ein zweckmäßiges Verhältnis von Ablesen und Blick ins Publikum (zum Gesprächspartner).
Thesen (Volksmund):
- Die Augen sind die Fenster zur Seele.
- Wer wegschaut, tritt zurück.
- Eine häufige Begrüßung im afrikanischen Stamm der Zulu heißt “Sawubona” und das bedeutet etwa “Ich sehe dich und ich schätze dich“.
Vermeiden oder Abbrechen des Blickkontaktes kann heißen:
- etwas zu verbergen
- mangelndes Selbstbewusstsein, Unsicherheit, Lampenfieber
- Desinteresse an der Sache oder am Partner
Zu intensiver Blickkontakt kann führen zu
- Verunsicherung
- Gefühl der Beeinflussung
- Indiskretion, Provokation, Aversion
Lesetechnik beim Sprechen sowohl bei freier/Stegreif-Rede als auch die abgelesener Manuskriptrede, d.h. Verhältnis von Orientierung am Text bzw. an Stichworten und dem kontaktfördernden Blick ins Publikum (Volksmund: den Onkel Otto finden)
Vorgang der Lese-Sprech-Technik:
- optische Aufnahme der Notiz (colon – griech., übertragen als Sprechabschnitt im Atemrhythmus→)
- Herstellung des Blickkontaktes zum Partner/Publikum und (zeitversetzter) Beginn des Sprechens
- Fortsetzen des Sprechens bei gleichzeitig weiterem Lesen bzw. Sprechpause zur weiteren optischen Aufnahme
- Blickkontakt und zeitversetztes weiteres Sprechen usw.
- Empfehlung: Bearbeitung des Textes durch abgegrenzte/hervorgehobene Sprechabschnitte/Sinnblöcke/zu betonende Wörter und Wortgruppen (colon), ähnlich wie bei Gedichten
- Beispiel:
Vom Eise befreit/
Sind Strom und Bäche/
durch des Frühlings holden,/ belebenden Blick. //
Vom Tale grünet Hoffnungsglück//
Bligger
Im deutschen Mittelalter wurden Personen dieses Namens (z.B. Bligger von Steinach, 12./13. Jahrhundert) mehrfach in der Literatur genannt. Sie traten an fürstlichen Höfen und in der Begleitung von drei Kaisern (Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI. und Otto IV) als Minnesänger auf. Bis ins 15. Jahrhundert stand Minne für poetische Erinnerung, Andenken und Zuneigung (ritterliche Liebeslyrik).
Von einem Bligger sind zwei Minnelieder in der Weingartner Liederhandschrift und Teile des Codex Manesse überliefert. Manche Lokalhistoriker sehen ihn im Zusammenhang mit dem Nibelungenlied, was jedoch nicht eindeutig beweisbar ist.
In ihrer Zeit waren die Minnesänger ein wichtiger Berufsstand für die literarische Erarbeitung und sprecherisch-musikalische Verbreitung von aktuellen und historischen Informationen, d.h. für die öffentliche Kommunikation mit den spärlichen Medien ihrer Zeit. Mit ihren narrativen Darstellungen verbanden sie damit Hochkultur mit Volkskultur.
Beispiel (Autor nicht eindeutig nachgewiesen):
„Uns ist in alten mæren wunders vil geseit,
von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.“[19]
Bloggen
Internet-Publikation, engl. Wortkreuzung aus Web und Log – Ähnlich wie beim Logbuch in der Seefahrt oder einem Tagebuch (franz Journal) wird hier auf einer Webseite eine Art aktueller Reminiszenz geführt. Sachverhalte werden meist chronologisch abwärts aus der Ich-Perspektive protokolliert („gepostet“).
Unter Nutzung von Illustrationen, Kommentierungen und Verlinkungen schafft Bloggen (Blogging) vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und führt, je nach Professionalität, bis in die formelle Nähe einer Internetzeitung (Blog-Content).[20]
Im Vordergrund steht, neben dem individuellen und kollektiven Sammeln und Sortieren von Ideen, die zeitnahe, dialogische und vernetzende Informationsübertragung
Blogs eignen sich gut für die Kooperation zur Texterstellung.
Bildbruch
Diese sprachliche Erscheinung wird auch als Stilblüte bezeichnet. Es kommt, meistens unbewusst und aus Versehen, zur Konstruktion eines sprachlichen Bildes, das im Widerspruch zur objektiven Erscheinung oder Logik steht (vgl. auch Katachrese). Der oft versehentlichen, manchmal auch humoristische gewollte Patzer eines Redners führt zu Spaß im Publikum.
Beispiele:
- Zwei nimmermüde Hände haben aufgehört zu schlagen. Die Mutter war´s, was braucht´s der Worte mehr. (gefunden als Todesanzeige in einer Zeitung)
- Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. (satirisch gewollter Bildbruch)
Prof. Johann Georg August Galletti (1750 – 1828) galt als der Vater der „Katheterblüte“. Seine Studenten sammelten seine sprachlichen Schnitzer in der „Gallettiana“, wobei nicht immer klar war, ob es sich dabei weniger um Versprecher als vielmehr um „Verdenker“ handelte.[21]
Bonmot
franz. bon – gut, mot -Wort
Geistreiche Äußerungen, rhetorische Zuspitzung, humoristische Wendung, witzige Einfälle, Scherzworte, scharfsinnige Sentenzen oder Aperçu gehören zum Zuckerguss der Rhetorik.
Beispiele:
- Alle Lehrer behaupten, ihr Unterrichtsfach wäre das wichtigste. Der Unterschied zu mir besteht darin, dass es für mein Fach stimmt.
- Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.
Buddhistisches Argumentiertraining
Es gibt eine über 1000jährige Tradition buddhistischer Mönche, die zunächst als Mediations- und Aufmerksamkeitstraining gedacht war. In neuerer Zeit gibt es aber auch Tendenzen des Missbrauchs. Eine Form des extremistischen Rassismus und der antiislamische Propaganda ist die „Bewegung 969“ in Myanmar. Typisch dafür sind Hasspredigten gegen Muslime.[22]
Es gibt keine offizielle oder systematisierte Form eines „Argumentiertrainings“ im klassischen Sinne, aber in bestimmten Ländern wurden rhetorische Strategien und Narrative von radikal-buddhistischen Gruppen verwendet, um antimuslimische Stimmung zu verbreiten.
[1] Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“
[2] Copilot (KI, 07.02.204, 18:20)
[3] Wikipedia
[4] Rettler, 2018, S. 17
[5] Ebenda, S. 18
[6] Losung auf einer Pegida-Veranstaltung, Dresden 20. 10. 2019
[7] DUDEN. Der Deutsch-Knigge. DUDEN Verlag, Mannheim 2008, S. 39 f.
[8] Aristoteles: Rhetorik.
[9] https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung-2/t%C3%BCrkisch-deutsch/belagat
[10] https://de.langenscheidt.com/tuerkisch-deutsch/belagat
[11] Internet Archive: Digital Library of Free & Borrowable Texts, Movies, Music & Wayback Machine
[12] https://www.presserat.de/files/presserat/dokumente/download/Pressekodex2017light_web.pdf (13.03.2024)
[13] Vgl. Schöne, Helmar; Heer, Sebastian: So arbeitet der Sächsische Landtag. Kürchners Politikkontakte. Rheinbreitbach 2020, S. 80
[15] Vgl. Flume, Peter: Karrierefaktor Rhetorik. Rudolf Haufe Verlag, Freiburg i. Br. 2005, S. 13 ff.
[16] Schneider, Wolf: Deutsch fürs Leben. Was die >Schule zu lehren vergaß. Wunderlich Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2022, S. S. 33
[17] Schneider, Wolf: Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. Goldmann Verlag, Hamburg 1984, S. 27
[18] Goethe, Johann Wolfgang von: Zeitschrift Über und Altertum, 1817, drittes Heft, S. 52 – 54 (zitiert nach Schneider, Wolf, Deutsch für Profis. S.122)
[19] Nibelungenlied. Strophe 1
[20] Rorig, Daniela: Texten können. Das neue Handbuch für Marketer, Texter und Redakteure. Rheinwerk Verlag, Bonn 2020, S. 325 ff.
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