Captatio benevolentiae
Rhetorische Figur, bei der gleich mit dem Einstieg das Wohlwollen/die Sympathie/die Gunst der Zuhörer bzw. Leser erreicht (erworben, errungen, erschlichen) werden soll. Bei Buchlesungen, Wahlansprachen usw. als „Anschleimphase“ apostrophiert
Beispiel:
- Meine sehr geehrten Damen und Herren, die ich Sie mit vollem Recht als die Verständnisvolleren dieses Themas ansehen möchte.
- Lieber Leser! Verzeih, dass ich so vertraulich zu Dir spreche, aber wir sind ja unter uns. (Kierkegaard)
- Allerliebstes Geburtstagskind…
Cäsar
Sein vollständiger Name war Gaius Julius Caesar. Als Titel wurde sein Name Ceasar an weitere römische Herrscher weitergegeben. Der römische Staatsmann, Feldherr und Autor wurde 101 v. Chr. geboren. Nach seiner Ernennung zum Diktator wurde er am 15. März 44 v. Chr. ermordet (Attentat u.a. durch Brutus und Cassius).
Er wurde nicht zuletzt auch als Redner bekannt, dessen Fähigkeiten z.B. Cicero schmeichlerisch lobte. Einige Reden wurden schriftlich überliefert und mussten über viele Generationen an Gymnasien „eingepaukt“ werden.
Cato
Sein vollständiger Name war Marcus Porcius Cato Censorius, genannt Cato der Ältere. Er lebte von 234 v. Chr. bis 149 v. Chr. als römischer Feldherr, Geschichtsschreiber, Schriftsteller und Staatsmann.
Als entschiedener Befürworter der Zerstörung Karthagos beendete er angeblich jede (viele) seiner Reden im Senat mit den Worten „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.“ – „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“
Charaktere
griech. – das Eingeprägte
Individuelle Prägung und Gesamtheit der wesensbestimmenden Züge von Persönlichkeiten in ihrem Denken, Fühlen und Handeln und so z.B. auch als Redner oder Gesprächsteilnehmer.
Nach Hippokrates wird der Charakter vor allem durch die Ausprägung und Mischung von Temperamenten bestimmt.
– Choleriker (leicht erregbarer, oft jähzorniger und aggressiver Typ)
– Sanguiniker (heiterer, lebhafter Typ)
– Melancholiker (schwermütiger, in sich zurückgezogener Typ)
– Phlegmatiker (körperlich träge, geistig bedachtsamer Typ)
Eine wissenschaftliche Begründung dieser vulgärmaterialistischen Bezeichnungen sind weitgehend überholt. Sie können aber als Orientierung im kommunikativen Training noch durchaus hilfreich sein.
Charisma
griech. – Gnadengabe, ein Geschenk der Götter“
Charismatische Persönlichkeiten können andere Menschen, nicht zuletzt durch ihr rhetorisches Vermögen, in ihren Bann ziehen.
Oft werden in diesem Zusammenhang Qualitäten, die über erkennbare intellektuelle und sprachliche Fähigkeiten hinausgehen, als Offenbarung einer begnadeten Persönlichkeit vermutet und nachgesagt.
Beispiele für charismatische Redner:
- Jesus Christus,
- Martin Luther,
- Ferdinand Lassalle,
- Winston Churchill, John F. Kennedy, Barack Obama
Kennzeichen:
- Authentizität, Überzeugtheit von der Sache
- selbstbewusstes Auftreten
- klare, plausible Argumente
- begeisternde Publikumszuwendung
- Nachhaltigkeit und Popularität der Sprache
Eine umfangreiche Sammlung mit historischen Beispielen und Vergleichen dazu ist „Mythos Redemacht“.[1]
Chiasmus
griech. chi – Buchstabe X
Rhetorische Figur durch Kreuzstellung (spiegelbildlich) von Wörtern bzw. Wortgruppen mit oft gegensätzlicher Bedeutung: x1y2/x2y2
Beispiele:
- Es wird viel Gutes über sein neues Buch gesprochen. Aber was gut daran ist, ist nicht neu, und was neu ist, ist nicht gut.
- Konzert für Trompete und Orgel – das Instrument der Könige und die Königin der Instrumente treffen sich.
- Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben (Goethe)
Cicero
Sein vollständiger Name war Marcus Tullius Cicero, Politiker, Anwalt, Schriftsteller, Philosoph. Er lebte von 106 v. Chr. bis 43 v. Chr. Und gilt als der berühmteste Redner Roms.
Überliefert sind zahlreiche Schriften, Briefe und politische Reden sowie Rhetorik-Lehrbücher wie u.a. De inventione, De oratore, Partitiones oratoriae, Brutus, Orator, Topica[2]
Code/Codieren
Entsprechend dem Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation (Shannon/Weaver) verstehen wir darunter die Umsetzung gedanklicher Inhalte in empfängerorientierte Zeichen durch
- Lautsprache (Worte, Sätze, Stimme),
- Schriftsprache (Buchstaben, Zeichen),
- Körpersprache (Gestik, Mimik, Motorik) oder
- digitale Impulse (0 – 1) – Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten (Watzlawick)
Der Sender hauptverantwortlich, optimal und empfängerbezogen zu kodieren. Durch Metakommunikation und Rückmeldungen zur Verständlichkeit sind laufende Optimierungen und Korrekturen möglich.
Beispiele:
- Was haben Sie gerade gesagt?
- Was ist unter … zu verstehen?
- Bitte sagen Sie es noch einmal auf Deutsch.
Common knowledge
Kommunikationspartner haben gemeinsames (Vor-) Wissen. Dieser oft spieltheoretischer Ansatz bedeutet: Alles wissen, dass es die anderen auch alle wissen.[3] Das ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, gemeinsam Lösungen zu finden oder sich voneinander abzugrenzen.
Vor allem in grundsätzlichen Konfliktsituationen (z.B. in Kriegen) versuchen einzelne Seiten das zu umgehen. Der Grieche Aischylos (524 – 456 v. Chr.) erkannte dazu: „Was im Krieg zuerst stirbt, ist die Wahrheit.“ Lüge, Verstellung und Desinformation gehören zum Krieg ebenso wie Tot und Gewalt. Friedensverhandlungen beginnen dort, wo Common knowledge hergestellt wird.
Correctio
lat. correctio – Berichtigung, Verbesserung
Diese rhetorische Stilfigur entsteht durch die Korrektur zur Verbesserung und Erweiterung einer Aussage. Es ist nicht zuletzt ein Suchen nach dem besseren Ausdruck.
Bespiele:
- Es war so schön. Ach, was sage ich: Es war wunderschön!
- Du bist die Beste. Nein: die Allerbeste.
- Diesen Turm, dieses nie dagewesene Bauwerk, nennt die Bibel den Turmbau zu Babel.
Contradictio in adjecto
lat. für Widerspruch in sich selbst
Dieses Stilmittel, nutzt vor allem einn Widerspruch zwischen einem Substantiv und seinem Adjektiv.
Beispiele:
- Stummer Schrei – bezieht sich wohl eher auf den Gesichtsausdruck, der für ein Schreien typisch ist.
- Eiskalte Sonne – über einer Schneefläche erscheint die Sonne so grell, dass sie kalt zu sein scheint
- Riesenzwerg – unter den Zwergen erscheint der größte wie ein Riese
Conversio
lat. conversio – Umkehr, Wiederholung von Worten
Rhetorische Stilfigur: Wiederholung eines Wortes am Ende eines Satzes zur Sinnverstärkung und ausdrücklichen Eindringlichkeit.
Beispiele:
- Gehen wir jetzt auf den Berg hinauf, gehen wir!
- Verwundert es? Verwundert es Dich?
- Man muss essen, um zu leben, und nicht leben, um zu essen. (Sokrates)
Crescendo
lat. crescendo – wachsend
In der Musik handelt es sich um eine immer lauter werdende, im Klang anschwellend, Vortragsweise. Auf die Rhetorik übertragen heißt das,
- stimmliche Spannungen und Verläufe aufzubauen (Stimmhöhe, Stimmkraftansatz, Lautstärke, Tempo usw.),
- in vielfältiger Weise auch körpersprachlich intensiv zu werden und
- das Publikum inhaltlich von Höhepunkt zu Höhepunkt zu führen.
Wir sprechen in diesem Zusammenhang von stimmlichen Verläufen und Rhythmen, Satzmelodien oder Akzenten.0
[1] Göttert, Karl-Heinz: Mythos redemacht. Eine andere Geschichte der Rhetorik. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2015
[2] Cicero: Orator. Der Redner. Reclams Universal Bibliothek, Stuttgart 2004
[3] Rieck, Christian: Spieltheorie. Eine Einführung. Christian Rieck Verlag, Eschborn 2022, S. 147 ff.
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