Dialog ist nicht alles, aber ohne Dialog wird nichts

Daktylus

griech. – Finger

Für diese lyrische Figur ist ein dreisilbiger Versfuß typisch, der aus einer betonten Silbe und zwei nachfolgenden betonten Silben entsteht – jam-da-dam

Beispiele:

  • Ännchen von Tharau ist´s, die mir gefällt.
  • Heute back ich, morgen brau ich

Vergleichbare lyrische Figuren stellen Jambus und Trochäus dar.

In der Rhetorik wurden lyrische Figuren gern genutzt, um Textstellen originell und einprägsam zu gestalten.

Debatte

lat. battuere – sich [mit Worten] schlagen, heftige, zielgerichtete Diskussion

Sie gilt als die Königsdisziplin der Rhetorik und Debattieren kann auch mit „Wortschlacht“ übersetzt werden.[1]

Beispiele:

  • Jugend debattiert – bundesweit ausgerichteter Schülerwettbewerb im Debattieren. Verbindet Vorbereitung der Lehrerinnen und Lehrer mit dem Training der Schüler im Unterricht und der zielgerichteten Auswahl der Besten für die Ausscheide auf Landes- und Bundesebene
  • Parlamentarische Debatte (Plenum)
  • Unterrichtsdiskussion
  • Podiumsdebatte
  • Talk show

Ablauf der Wettbewerbe in Jugend debattiert[2]

Zur Debatte werden Themen formuliert, dazu Fragen gestellt und nach festgelegten Regeln beantwortet. Sie ergeben sich meistens aus dem Leben der eilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Nach der Bekanntgabe der Themen erfolgt eine interne Vorbereitung in den sich gegenüberstehenden Gruppen. Debattiert wird jeweils zu viert: Zwei Personen antworten mit „Ja“ und sprechen sich für das Gefragte aus („pro“), zwei antworten mit „Nein“ sprechen sich gegen die Maßnahme aus („contra“):

  1. In der Eröffnungsrunde beantwortet jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer in zwei Minuten die Streitfrage aus der eigenen Sicht.
  • Die Freie Aussprache dauert zwölf Minuten. Hier werden weitere Argumente gebracht und miteinander abgeglichen.
  • In der Schlussrunde hat jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer noch einmal eine Minute Zeit, die Streitfrage ein zweites Mal zu beantworten: diesmal im Lichte all der Argumente, die sie bzw. er gehört hat.

Eine Jury achtet auf die Einhaltung der Regeln. Die Auswertung erfolgt nach vorgegebenen Maßstäben.

Deklamation

lat. declamatio – Vortrag

In der römischen Antike dienten Deklamationen zunächst dazu, literarische Werke und Gerichtsfälle vorzutragen. Sie wurden nicht zuletzt für die rhetorische Schulung genutzt, aber dann auch zunehmend als Schaureden zur Unterhaltung eines Publikums und zur öffentlichen Meinungsbildung.

Dabei waren zwei Formen zu unterscheiden:

  • Controversiae: forensische Deklamation durch Simulieren von Gerichtsreden und

Suasoriae: Beratungsreden zu politischen, künstlerischen, mythischen und historischen Themen.[3]

Beispiel:

  • Deklamationen zum Tyrannenmord (deklamatorisches Gesetz über Tyrannenmord) im Zusammenhang mit der Ermordung von Gaius Iulius Caesar am 15. März 44 v. Chr. in Rom[4]
  • In entfernter Weise, mit anderen Zielen und in historisch ganz anderen Kontexten erinnern auch die stalinistischen Schauprozesse in Sowjetrussland oder die Hochverratsprozesse der deutschen Nationalsozialisten in den 1930er Jahren daran.

Deklamieren

lat. – declamatio, vortragen

Früher wurden im Rhetorik-Unterricht überwiegend Übungsreden wortwörtlich und mit Pathos vorgetragen.

Deklamationen erfolgen heute noch als Kunstformen auf der Theaterbühne, in Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie in Filmen.

Vor allem im Deutschunterricht werden Texte (Gedichte, Zitate usw.)  kunstgerecht deklamiert bzw. rezitiert. Ziel ist nicht zuletzt die Ausprägung von Sprachgefühl und das Üben von Intonation (Rhythmus, Stimmhöhenverlauf, Akzentuierung).

Demokratie und Rhetorik

In der Antike (Sizilien, Griechenland, Rom) prägte sich seit ca. dem 6. Jahrhundert vor Chr. eine Kommunikationsweise heraus, mit der sich das Volk (griech. demos) in kleineren oder größeren Siedlungsgemeinschaften verständigte und gemeinsame Lösungen bei Problemen aushandelten, was dann zunehmend für das Staatswesen aufgewertet wurde (Bürgerrechte und -pflichten, Gerichtswesen, Verwaltung).[5]

Noch in der heutigen Zeit kann man vielerorts von Politischer Rhetorik[6] sprechen. Allerdings wirkt sie auch in vielfältiger Form innerhalb von und zwischen Machtstrukturen. Von Demagogie spricht man im Zusammenhang mit Volksverführung und -aufwieglung.

Im Zusammenhang mit den modernen Massenmedien→ (Druck, Rundfunk, Fernsehen, Social Media usw.) haben sich vielfältige und komplexe Möglichkeiten und Zusammenhänge ergeben.[7]

Eines der wichtigsten Prinzipien der Demokratie ist das der Redefreiheit.[8] Die zwischenmenschliche Kommunikation ist multimedial und kosmopolitisch (ubiquitär) und wird mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz (KI, AI) immer noch komplexer.[9][10]

Definition

lat. definire – begrifflich abgrenzen

Möglichst genaue Bestimmungen von Begriffen[11]  werden vor allem in Fachsprache benötigt. Analoge Ausdrucksweisen sind ausdeutbar, mitunter auch widersprüchlich, und deshalb für Definitionen eher ungeeignet. Digitale Ausdrucksweisen sind eindeutig und deshalb eher für Definitionen zu gebrauchen.

Beispiele:

  • Eichen können manchmal echte Riesen sein. – analog, metaphorisch
  • Diese Eiche ist mit 40 Metern Höhe sehr groß für ihre Art. Eichen sind in meiner Wohnumgebung etwa 30 – 40 Meter so groß.

Variante des Vorgehens beim Definieren:        

  • Begriff
  • Oberbegriff (z.B. durch Einordnung in ein Fachgebiet)
  • Darstellung der Eigenschaften, Bestandteile usw. des Begriffes
  • Unterbegriffe
  • Konsequenzen (Folgen, Anwendungen, Tendenzen)

Definitionen finden wir vorrangig in Fach- oder Wörterbüchern sowie Lexika. Sie sind wichtig für logische Darstellungen und exakte Ausdrucksformen.

Beispiel:

  • Ein Quadrat ist eine geometrische Figur (Geometrie – Gebiet der Mathematik …). Es ist ein Viereck, dessen Seiten alle gleichlang sind und von rechten Winkeln eingeschlossen werden. Das heißt auch, dass die gegenüberliegenden Seiten jeweils parallel sind. Wir treffen in der Praxis relativ oft Quadrate an wie z.B. bei den Seiten eines Würfels, beim Grundriss mancher Zimmer, beim Zuschnitt dieses Fensters da drüben oder … Um Quadrate herzustellen, z.B. beim Basteln mit Papier oder Holz, müssen wir ganz genau messen und zuschneiden oder falten.
  • Ein Kreis ist eine ebene geometrische Figur. Er wird definiert als die Menge aller Punkte einer Ebene, die den gleichen Abstand zu einem bestimmten Punkt dieser Ebene (dem Mittelpunkt) haben. Der Abstand der Kreispunkte zum Mittelpunkt ist der Radius oder Halbmesser des Kreises; er ist eine positive reelle Zahl. Der Kreis gehört zu den klassischen und grundlegenden Objektiven der euklidischen Geometrie.

Deklamation

Im eigentlichen Sinne wird darunter der kunstgerechte Vortrag verstanden.

Im antiken Rom entstand aus der Hervorhebung der Deklamation im Rahmen der Rhetorik als Form der Bildung auch ein Forum der öffentlichen, gesetzesbezogenen Meinungsbildung. Dabei spielten u.a. die öffentlichen Auseinandersetzungen mit Tyrannenmorden eine besondere Rolle. (Gesetzesdeklamation).[12]

Beispiel:

  • Deklamation zur Ermordung Caesars als Tyrannen (Attentat unter Beteiligung von Casius, Brutus u.a. 44 v. Chr.)

Deliberative Rhetorik[13]

lat.: genus deliberativum – Beratungsrede, gesetzgebende Redekunst

Sie ist eine der drei von Aristoteles beschrieben Arten der Rhetorik[14]:

Gerichtsrede (genus iudicale), Beratungsrede (genus deliberativum) und Lobrede (genus demonstrativum)

Deliberation = Austausch von Informationen und Argumenten zur kollektiven Ideen- und Entscheidungsfindung.

Deliberative Rhetorik stellt potenzielle zukünftige Ergebnisse gegenüber, um Unterstützung oder Widerstand für eine bestimmte Aktion oder Politik auszudrücken.  In der deliberativen Rhetorik wird anhand von Beispielen aus der Vergangenheit argumentiert, um zukünftige Ergebnisse vorherzusagen und zu veranschaulichen, dass eine bestimmte Politik oder Maßnahme in der Zukunft entweder schädlich oder vorteilhaft sein wird.  Sie unterscheidet sich von der deliberativen Demokratie, einer Form des Regierungsdiskurses oder einer Regierungsinstitution, die der öffentlichen Debatte Vorrang einräumt.

Aristoteles schlug vor, dass Form und Funktion von Reden durch die möglichen Redeziele geprägt werden, und klassifizierte drei verschiedene Arten von Reden, um eine Reihe von Zwecken zu veranschaulichen: forensische, epideische und deliberative.  Deliberative Reden sind solche, die für eine Vorgehensweise plädieren, [d.h.  „abwägen“ oder „überlegen“].

Deliberative Rhetorik ist vor allem in der politischen Debatte relevant, da sich der „politische Redner mit der Zukunft beschäftigt: Es geht um Dinge, die in der Zukunft getan werden sollen, zu denen er rät, dafür oder dagegen.“ 

Demokratische Rhetorik

griech. demos – Volk, gratos – Macht, Gewalt

Demokratie ist das politische Prinzip, nach dem das Volk durch freie Wahlen an der Machtausübung im Staat teilnimmt und (im Idealfall) ein adäquates Regierungssystem akzeptiert, in dem die vom Volk gewählten Vertreter die Herrschaft ausüben (parlamentarische Demokratie). Sie setzt dazu die Mitsprache großer Teile der Bevölkerung in unterschiedlichen Formen voraus.

Ursprungsland der Demokratie ist hauptsächlich das antikesGriechenland. Platon und Aristoteles kritisierten allerdings die Demokratie, rechtfertigten sie aber auch als Reaktion auf die Herrschaft der Tyrannen. [15]

Volksmund: Demokratie wird von den Demokraten getragen und von den Demagogen zertreten.

In der modernen Demokratie unserer Zeit werden zunehmend mündige und mündliche Bürger gefragt (Wahlen, Wahlkampf, Öffentlichkeitsarbeit). Deshalb sind auch Prinzipien wie Würde des Menschen, Gleichheit, Freiheit von Meinung, Presse und Lehre im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verankert.[16]

Einen wichtigen theoretischen Beitrag zur Demokratie erarbeitete Niklas Luhmann mit seiner Systemtheorie.[17]

Redefreiheit[18] und öffentlicher Dialog[19] sind in einer Demokratie besonders wertvoll und schützenswert.

Demosthenes von Athen[20]

Der wohl bedeutendste Redner der Antike lebte von 384 bi s 322 v. Chr. Für den Gymnasialunterricht wurde er noch lange durch die Legenden zu seinem rhetorischen Versagen in seinem ersten Gerichtsprozess und sein anschließendes selbstverordnetes Sprechtraining (Kieselsteine im Mund, Atemübungen, Deklamationen) bekannt.

Als Politiker und tragische Figur im Freiheitskampf der griechischen Stadtstaaten gegen Makedonien profilierte er sich vor allem in der Auseinandersetzung mit den mazedonischen Gegnern König Philipp II. und Alexander dem Großen, die mit seinem Suizit endete.

Etwa 60 seiner Reden und weitere Schriften (Proömien – Redeeinleitungen) sind als Corpus Demosthenicum erhalten geblieben wie z.B. die Kranzrede oder die Pilippinischen Reden.

Didaktik

Lehre vom Lehren und Lernen (Unterrichtsslehre, Bestandteil des Pädagogik-Studiums). Zu unterscheiden sind eine Reihe von Fachdidaktiken (z.B. Didaktik des Mathematikunterrichts, Fremdsprachendidaktik).

Rhetorik kann man gewissermaßen auch als eine Didaktik des Sprechens ansehen. Dabei stehen vor allem die Relationen von Ziel/Zielgruppe, Inhalten, Methodik, Bedingungen und Ergebnissen in der Betrachtung.

Vgl. ZIMBE-Formel

Dialekte

Sprachlicher Normalfall – sprachliche Varietäten, die in bestimmten Regionen des Sprachgebiets [u.a. innerhalb der deutschen Sprache] verwendet werden und sich innerhalb der Geschichte ergeben haben

Oberbegriff für verschiedene Volkssprachen und Mundarten (Schwaben Franken, Bayern Thüringer, Sachsen, Rheinländer, Österreicher, Steirer, Kärntner usw.)[21]

Mit Luthers Bibelübersetzung (ins Meißnische Kanzleideutsch) wurden Voraussetzungen für eine deutsche Einheitssprache (Hochdeutsch) entwickelt

Dialekte enthalten auch Soziolekte (Jugendsprache, Fachsprachen, Gaunersprache usw.)

Für die Rhetorik sind Dialekte (Nutzung, Vermeidung) vor allem wichtig, um

  • für alle Anwesenden optimal verständlich zu sein,
  • Identifikation oder Zugehörigkeit herzustellen (Kennedy: Ich bin ein Berliner.)

Dialekträume der Gegenwart sind vor allem:

  • Niederdeutsch (schließt Südniederfränkisch, Ostfriesisch, Holsteinisch, Schleswigisch, Ostmärkisch Platt ein)
  • West – Ost – Mitteldeutsch (schließt z.B. Thüringisch und Sächsisch ein)
  • Oberdeutsch (schließt Alemannisch, Schwäbisch, Ostfränkisch, Nordbairisch, Mittelbairisch ein)
  • Österreichisch (Variante des Deutschen, das Amtssprache ist)
  • Schweizerdeutsch (Schwyzerdütsch: hunderte von Mundarten)

Einige Sächsische Mundarten[22] (geschätzt 25) sind

  • Nordosterländisch (Halle,Torgau)
  • Südwestosterländisch (Leipzig)
  • Südostosterländisch (Wurzen)
  • Nordmeißnisch (Oschatz, Riesa, Döbeln)
  • Westmeißnisch (Borna)
  • Ostmeißnisch (Dresden)
  • Westlausitzisch (Kamenz)
  • Neulausitzisch (Hoyerswerda, Bautzen)
  • Oberlausitzisch (Neugersdorf, Zittau)
  • Ostlausitzisch (Görlitz)
  • Vorerzgebirgisch (Chemnitz)
  • Westerzgebirgisch (Zwickau)
  • Vogtländisch (Plauen)

Dialektik

lat. (ars) dialectica – Disputierkunst, Gesprächslehre

Einerseits findet Dialektik Anwendung als Methodik der Philosophie. Andererseits wurde sie bereits in der antiken Rhetorik als Lehre vom Gespräch angesehen.

In der Philosophie:

  • Schon in der antiken Philosophie war die Dialektik eine Lehre für methodisches Vorgehen. Vgl. Heraklid (540 – 480 v. Chr.) u.a. – Logos als Prinzip der Welt
  • In der europäischen Philosophie (seit dem 18. Jahrhundert): Lehre von den Gegensätzen in den Dingen und Beziehungen[23]:
  • Hegel (1770 -1831) bezeichnete sie als die der Metaphysik entgegengesetzte Methode der Erkenntnis und der Selbstbewegung der Welt.
  • Marx/Engels (1818 – 1883 bzw. (1820 -1894) formulierten den dialektischen Materialismus als Wissenschaft von den allgemeinsten Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, Gesellschaft und des Denkens

Dialektische Gesetze[24]:

a) Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative,

b) Einheit und Kampf der Gegensätze,

c) Negation der Negation

In der Rhetorik:

  • Als Gesprächslehre prägt sie die Befähigung, in Gesprächen, Diskussionen, Verhandlungen usw., die durch Rede und Gegenrede der Gesprächspartner gekennzeichnet sind, zu überzeugen bzw. einen Konsens herzustellen:

Aristoteles: Gegenüberstellung von Rhetorik (Redelehre) und Dialektik (Logik, Gesprächslehre)

Sokrates/Platon: durch Rede und Gegenrede zur Wahrheit (Mäeutik – Hebammenkunst)

  • Eristische Dialektik – seit der Antike als die hohe Schule des Streitgespräches gepflegt
  • Jesuitische Dialektik – durch Jesuiten (katholische Ordnungsgemeinschaft, insbesondere in Auseinandersetzung mit der Reformation methodisch weiterentwickelt, in straff organisierten Formen geführt zur Missionierung und Ausprägung einer elitären Geisteshaltung ihrer Mitglieder.
  • Arthur Schopenhauer arbeitete die Eristische Dialektik, indem er 38 Kunstgriffe[25] beschrieb, d.h. Techniken und Methoden der zielgerichteten und kunstfertigen Überrede-/Überzeugungskunst.
  • Wird heute noch, nicht immer seriös, verbreitet und bewusst angewandt.[26]

Die verschärft kämpferische Form wird als Polemik (rhetorische Kampfkunst) bezeichnet und erhält dabei häufig eine negative (pejorative) Wertung. Und diesem Zusammenhang wird auch der Ausdruck Schwarze Rhetorik verwendet.[27]

Aristoteles trennte Rhetorik und Dialektik methodisch voneinander.

Dialog

griech. dialogos – Unterredung, Gespräch, Zwiegespräch, Wechselrede; dia – durch, hindurch, logos -Wort

Ggs.: Monolog – Selbstgespräch, aber auch Trialog (zu dritt) oder Polylog (z.B. Podiumsgespräch, Talkshow)

Der Dialog ist Grundprinzip menschlicher Kommunikation (Rückmeldung, Feedback) und Voraussetzung für jegliche Kooperation (Sender-Empfänger-Modell). Dialog ist vor allem Gespräch, aber auch im weiteren Sinne ein angemessenes Unterbrechen einer Rede durch Gegenrede.

Von jeher galt der Dialog höchste Erscheinungsform der Demokratie, was allerdings immer auch durch die jeweiligen Klassenverhältnisse ermöglicht oder eigeschränkt wurde

Methoden:

  • Informationsaustausch in Alltag, Beruf usw.
  • Massenmedien (vom Buchdruck bis zum Internet)
  • Gespräch mit Frage-Antwort-Verhalten  in unzerscshiedlichen Formen
  • Diskussion, Disput, Debatte

Polemik gilt als die schärfte Form des Dialogs in der Gesellschaft. Während sie anfänglich als rhetorische Kampfkunst mit weitgehend fairen Mitteln geführt wurde, fanden im Verlauf der Zeit auch immer mehr scharfe und unfaire Mittel in der Polemik Anwendung. Deshalb wird sie heute semantisch oft pejorativ (negativ, verschlechternd, abwertend) ausgedeutet.

Dialogismus

Diese rhetorische Figur entsteht, wenn ein Redner Fragen an sich selbst richtet, um sie dann auch selbst zu beantworten. Damit soll Skepsis bei Publikum abgebaut und eine weitere Argumentation zielgerichtet vorbereitet werden.

Vgl. auch Hypophora

Beispiele:

  • Da frage ich mich, ob es das sein kann. Nein, das kann es nicht sein, nie und nimmer.
  • Wie kann es denn jetzt weiter gehen? Ich glaube, es geht bergan.
  • Wer kann das wissen? Ich sehe, Sie schweigen. Nur die Regierung kann und muss es wissen.

Digitalisierung

Zwischenmenschliche Kommunikation bedient sich stets analoger und digitaler Modalitäten. Dieses Axiom Watzlawicks sollte uns heute fast banal erscheinen, ist es aber praktisch nicht. Unser Denken erfolgte immer zuerst analog, d.h. beschreibend, vergleichend, abwägend zwischen wahr und falsch.[28] Beispielsweise das Zählen (Zahlen sind digital) lernten die Menschen wohl erst danach. Digitales Denken begann vielleicht erst mit Fingerzeichen (engl digit – Finger) oder Trommelrhythmen zur Informationsübertragung.

Beispiele:

  • Als Mittagsstunde bezeichnete man z.B. den Zeitpunkt, an dem die Sonne am höchsten steht – viel später nannte man es 12 Uhr.
  • Mit Kerben in Stöcken oder Knuten in Stricken symbolisierte man Zahlenmengen.
  • Aus Bilderschriften und Symbolen (Hieroglyphen) entstanden Buchstaben (Alphabet, griech. alpha, beta usw.), die erst in Laut- und Wortverbindungen zu analogen Aussagen wurden. Auf alphabetischer Grundlage entwickelte Johann Guttenberg gegen 1452 den Buchdruck (lat. typus – Druckbuchstabe, digital).  

Digital ist also alles, was sich eindeutig beziffern lässt. Damit kamen Universalität, Vereinbarkeit, Differenzierung und Gleichzeitigkeit in die kommunikative Welt. „Die Digitalisierung ist ein theoretisches Konzept, das wir in eine analoge Praxis hineinlesen wollen.“ [29]

„Nur im menschlichen Bereich finden beiden Kommunikationsformen Anwendung. Die volle Bedeutung dieser Tatsache ist derzeit nur unbedeutend geklärt… Andererseits gibt es ein weitetes Gebiet, in dem wir uns fast ausschließlich nur der analogen Kommunikationsformen bedienen, die wir von unseren tierischen Vorfahren übernommen haben.“

Beispiele:

  • Körpersprache (Mimik, Gestik Motorik…),
  • nonverbale und paraverbale Ausdruckmittel,
  • bildliche und grafische Darstellungen.

Aus rhetorischer Sicht macht es sich oft erforderlich, digitale Informationen in analoge zu übersetzen und umgekehrt.

Beispiele:

  • London ist hat eine Fläche von 1.572 km². Das ist etwa die doppelte Größe der Hansestadt Hamburg. In der Ost-West-Ausdehnung ist London etwa 50 km und in der Nord-Süd-Ausdehnung etwa 30 km groß. Mit rund 9 Mio Einwohnern ist es nach Moskau und Istanbul die drittgrößte Stadt Europas.
  • Ich bin 1,73 m groß. Die Durchschnittsgröße der männlichen Erwachsenen in Deutschland liegt bei 1,78 Metern. Damit bin ich 5 cm kleiner. Frauen hingegen sind statistisch gesehen 1,68 Meter groß und ich bin somit 5 cm größer. Ist das praktisch von Bedeutung? Nein.
  • Die Kreiszahl Pi beträgt etwa 3,14. Das heißt, der Umfang eines Kreises mit einem Durchmesser von 1,0 Meter umfasst 3,14 Meter.

Als Digitalisierung bezeichnen wir aber auch den Prozess, der über die Jahrtausende durch technische Errungenschaften ermöglicht wurde und uns mit der Erfindung digitaler Rechentechnik, der Schaffung weltweiter Netze (www) und der Künstlichen Intelligenz in eine digitale Revolution geführt hat.[30]

Neben der bewussten Umsetzung sprachwissenschaftlicher Grundlagen nutzt die Rhetorik auch die digitalen Möglichkeiten (PC-Programme, Technik zur Bildprojektion und Tonübertragung usw.) für die Optimierung unserer Kommunikation.

Diminutiv

Rhetorische Figur durch Verkleinerung, Verniedlichung.

Diminutive haben oft eine liebevolle, verniedlichende oder verkleinernde bzw. verkindlichende Bedeutung. Diese Formen werden oft verwendet, um eine gewisse Zuneigung, insbesondere zu Personen, auszudrücken. Sie können aber auch spöttisch oder provozierend wirken.

Beispiele:     

  • Röschen, Blümchen, Pferdchen
  • Da ist schon ein schönes Sümmchen zusammengekommen.
  • Väterchen (Vati, Papa), Mütterchen (Mutti, Mama)

Direkte Rede

Die Aussagen von (prominenten oder bekannten) Personen werden als rhetorischen Figuren genutzt Im Gegensatz zur geschriebenen Kommunikation, bei der die direkte Rede symbolisch gekennzeichnet wird (Anführungs- und Ausführungszeichen, sogenannte Gänsefüßchen), sollte sie gesprochen ebenfalls erkennbar gemacht werden

Beispiele

  • Herr Maier sagte mir gestern, dass er …
  • Frau Maier meinte hingegen <<Nein. Nicht mit mir!>>
  • Der Chef hat hervorgehoben, und ich zitiere jetzt:<<Pünktlichkeit ist mehr als eine Tugend.>

Vgl. auch Stilfigur Zitieren, Zitat

Diskussion

Gruppengespräch (Erörterung, Aussprache, Meinungsaustausch)

Lat.: discutere –  eine Sache zerlegen, zerteilen, im Einzelnen durchgehen.

Diskussionen liegen aus formeller Sicht zwischen Streit (spontan, polemisch, emotional, oft weniger formell) und Debatte (planmäßig, nach bestimmten Regeln).

Beispiele:

  • Unterrichtsdiskussion,
  • Podiumsdiskussion,
  • Kontroverse.

Disposition

Arbeitsschritt der Rhetorik: Anordnung der Gedanken und des Stoffes nach bestimmten Gesichtspunkten (Chronologie, Funktionalität, inhaltliche Struktur nach  Größe, Bedeutung usw.

Beispiele:

  • These – Argumentationen für bzw. gegen die These Abschluss – Appell
  • Einleitung – Hauptteil mit Kapiteln – Schluss
  • Fakten (in medias res – ohne Vorspann zur Sache) – Zusammenfassung/Fazit

Doppelbelegung

Sprachliche Ausdrücke haben häufig Doppelsinn, d.h. ein- und dasselbe Wort kann unterschiedlich ausgedeutet werden (Polysem). Das kann oft zur Belebung des sprachlichen Ausdruckes genutzt werden. Allerdings treten damit auch Widersprüche und Missverständnisse auf.

Ein deutliches Beispiel dafür ist der Ausdruck „Rhetorik“:

  • Seit der Antike wird darunter die Redekunst verstanden.
  • Als eine der Septem Artes Liberales war sie Bestandteil im Lehrkanon des frühen Hochschulwesens (Grammatik, Logik Rhetorik usw.).
  • Allerdings wurde daraus auch eine negative (pejorative) Ausdeutung abgeleitet, indem leeres Geschwätz und Eristik (Kunst der Wortverdreherei) damit bezeichnet wurden.
  • Rhetorik taucht in den öffentlichen Medien oft in ideologisierender Weise auf wie z.B.  durch Ausdrücke wie „Kriegsrhetorik“ oder „Trumps Rhetorik“ auf.

Drach, Erich

Der Germanist und Begründer der Sprechwissenschaft/Sprecherziehung lebte von 1885 bis 1935 in Deutschland. Mit der Wiederentdeckung des argumentativen 5-Satzes (Aristoteles) entwickelte er eine Methode für die Ausbildung von Schauspielern.[31]

  • Mit Aufrufen eines Stichwortes mussten spontan fünf Schwerpunkte, Aspekte oder Schlussfolgerungen entwickelt werden.
  • Wenn sie nach argumentativen Gesichtspunkten weiter sortiert werden (Syllogismus), können sie Logik und Nachhaltigkeit des Zusagenden unterstützen.
  • Auf einem Notizzettel lassen sie sich so gut sammeln, weiter bearbeiten und für die freie Rede abrufen.

Dreisatz-Schema

Redegliederung in drei Schritten (vgl. auch Fünfsatz-Schema)

Beispiele:

  • Einleitung + Hauptteil + Schluss
  • Argument + Gegenargument + Fazit
  • Anfang + Verlauf = Folge/Resultat

Eignet sich hervorragend für rhetorisches Training (Stichwort – Nennen Sie dazu drei weitere Stichwörter oder Gedanken) oder für das spontane Verhalten im Rahmen eines Gespräches. einer Debatte usw. (Ich zähl´ mir´s an den Knöpfen ab…)

Dysphemismus

griech. – negative, herabsetzende Umschreibung für ein neutrales oder positives Wort. Diese sprachliche Technik, kann absichtlich dazu führen, eine Person, eine Sache oder eine Idee tendenziell zu beschreiben.

Beispiele:

  • Nigger (Ausdruck der Rassendiskriminierung in den USA)
  • Itzig (ehrabschneidendes, antisemitisches Kollektivum für Juden im 3. Reich)
  • Putin-Versteher (Totschlagargument in der aktuellen politischen Debatte)[32]

Im Gegensatz dazu steht der Euphemismus (Beschönigung).

Dystopie

griech. – Fehllagerung, in der Literatur negative Utopie

Eine Erzählung (Narratio) suggeriert einen schlimmen Ausgang. Sie soll vor allem vor den möglichen Folgen bestimmter gesellschaftlicher, politischer oder technologischer Entwicklungen warnen.

Beispiele:

  • George Orwell: 1984 – stellt eine Gesellschaft dar, in der die Regierung die totale Kontrolle über das Leben der meisten Menschen hat.
  • Aldous Huxley: Schöne neue Welt – prophezeit eine Zukunft der gesellschaftlichen Beherrschung
  • Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – reiche Eliten manipulieren die Mehrheit durch Unterhaltung mit brutalen Spielen
  • Cixin Liu: Trisolaris-Trilogie: Schürt Ängste vor außerirdischen Zivilisationen

[1] Blum, Christian: Debattieren. Die Königsform der Rhetorik erlernen. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2007

[2] https://www.jugend-debattiert.de

[3] Lendon, Jion Edward: Rhetorik. Macht. Rom. Die Kraft der Redekunst im Imperium Romanum. Wbg Edition, Darmstadt 2023, S. 58 ff.

[4] Ebenda S. 50 ff.

[5] Ueding, G.: Moderne Rhetorik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag, München 2009

[6] Nohlen, D.; Grotz, F. (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik. Zentralen der politischen Bildung/ C. H. Beck Verlag, München 2015, S. 497 ff.

[7] Pörksen, B.; Schulz von Thun, F.: Due Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik. Carl Hanser Verlag, München 2020

[8] Ash, T. G.: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. Carl Hanser Verlag, München 2016, S. 33

[9] Precht, R. D.: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens. Goldmann Verlag, München 2020

[10] Lenzen, M.: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken. C. H. Beck Verlag/ Zentralen für politische Bildung, München 2020

[11] Rettler 2018, S. 20

[12] Lendon, Jon Edward: Rhetorik – Macht – Rom. Die Kraft der Redekunst im Imperium Romanum. Wbg Edition Darmstadt 2023, S. 58 ff.

[13] https://en.wikipedia.org/wiki/Deliberative_rhetoric (14.03.2024)

[14] Göttert, Karl-Heinz: Einführung in die Rhetorik. W. Fink Verlag, München 1991, S. 17

[15] Massing, P.; Breit, G.; Buchstein, H.: Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart. Texte und Interpretationshilfen. Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 2017

  • Platon, S. 34 ff.
  • Aristoteles, S. 44 ff.
  • Cicero, S. 52 ff.
  • Machiavelli, S. 85
  • Hobbes, S. 91 ff

[16] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (1949), Textausgabe, Bonn 2010

[17] Luhmann, N.: Die Politik der Gesellschaft. Frankfurt a.M. 2000

[18] Ash, Timothy Garton: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. Hanser Verlag, Carl Hanser Verlag, München 2016

[19] Pörksen, Bernhard; Schulz von Thun, Friedemann: Die Kunst des Miteinanderredens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik. Carl Hanser Verlag, München 2020

[20] Lehmann, G. A.: Demosthenes von Athen. Ein Leben für die Freiheit. Biographie. C. H. Beck Verlag, München 2004

[21] Schmitz, C. M.; Weiss, E. W. (Hrsg.), Sprache. Ein Lesebuch von A bis Z. Deutsches Hygienemuseum, Dresden 2016, S. 73 ff.

[22] Bergmann, G.: Kleines Sächsisches Wörterbuch. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1986

[23] Buhr/Kosing: Kleines Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie. Dietz Verlag, Berlin 1974

[24] Kleines Philosophisches Wörterbuch…, S. 60f.

[25] Schopenhauer, A.: Die Kunst, Recht zu behalten. In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt. Herausgegeben von Franco Volpi. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1995

[26] Rieck, Christian: Die 346 Strategeme der Krise. Christian Rieck Verlag, Eschborn 2020

[27] Bredemeier, K.: Schwarze Rhetorik. Macht und Magie der Sprache. Orell Füssli Verlag, Zürich 2022

[28] Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation.  Verlag Hans Huber, 1969, S. 61 ff.

[29] Geier, F.; Rosengrün, Sebastian: Die 101 wichtigsten Fragen Digitalisierung. Verlag C. H. Beck, München 2023, S. 20 F.

[30] Rosengrün, Sebastian; Geier, Fabian: Digitalisierung. Die 101 wichtigsten Fragen. C. H. Beck Verlag, München 2023, S. 20 ff.

[31] Drach, E.: Redner und Rede. Methodisches Hilfsbuch für Übungen in freier Rede, Verhandlungs- und Versammlungstechnik. Berlin, 1932

[32] Jemanden zu verstehen heißt noch  lange nicht, ihn zu akzeptieren oder zu unterstützen.

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