Errare humanum est – Irren ist menschlich

Echo-Kammer

Dieser Begriff stammt aus der modernen Medien -Theorie und geht davon aus, dass man Menschen in einem metaphorischen Raum isolieren und manipulieren kann, wenn man ihre mediale Umgebung entsprechend verändert, einengt oder kanalisiert – annähernd optisch vergleichbar mit Seifenschaum.

In einer sgn. Echokammer werden für eine Menschengruppe Informationen immer in der gleichen Weise produziert und weitergegeben. Es entsteht ein zunehmend homogener Kreis an Nutzern, wenn Menschen immer nur denselben Zeitungen lesen, Radio- oder Fernsehsender empfangen oder Internetkanäle und -plattformen nutzen. Sie befinden sich dann quasi in einer Informationsblase. Vor allem die Nutzer sozialer Netzwerke befinden sich oft in einer bequemen Informationsblase.[1]

Mögliche Folgen/Merkmale:

  • Die meisten Informationen und Meinungen und die eigenen Überzeugungen stimmen scheinbar überein.
  • Algorithmen filtern und sortieren Inhalte so, dass nur relevante und bevorzugte Informationen angezeigt werden (Filterblasen).
  • Andere Meinungen und Kritiken werden nur selten zugelassen, sondern ignoriert.
  • Die ständigen Bestätigungen bestimmter Ansichten führen zu stärkeren Überzeugungen und verzerrten Wahrnehmungen, gegebenenfalls sogar zu Radikalisierungen.

Ellipse

griech. elleipsis – Auslassung, math.: Kegelschnitt, geschlossene ovale Kurve

Als rhetorische Figur wird ein Satz unvermittelt abgebrochen, wobei die ausgelassene Passage sich jedoch sinngemäß als Wahrscheinlichkeitsschluss bzw. Plausibilität weiterdenken lässt.

Die Nutzung einer Ellipse wirkt leidenschaftlich, manchmal aber auch hektisch.

Beispiele:     

  • Wir wollen morgen nach Leipzig […fahren].
  • Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt…
  • Was [… bedeutet das]?

Empathie

Für die Rhetorik ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen, Gefühle, Gewohnheiten, Motive anderer Menschen einzufühlen und sich im Verhalten darauf einzustellen ganz besonders wichtig.

Empathisch vorzugehen ist eine wichtige kommunikative Voraussetzung zur Zielgruppenbestimmung, für die zwischenmenschliche Zuwendung sowie für eine differenzierte Reaktion auf Kommunikationspartner.

Beispiele:

  • Sie erscheinen mir sehr aufgeregt. Bitte setzen Sie sich erst einmal.
  • Darf ich Ihnen dazu eine ganz persönliche Frage stellen?
  • Ich kann Sie gut verstehen. Das Problem kenne ich aus eigenem Erleben.

Emphase

 griech. emphasis – Verdeutlichung, mit Nachdruck

Rhetorische Figur, bei der Silben, Worte und Satzteile durch phonetische Betonung (Lautstärke, Verzögerung, Stimmkraft) hervorgeheben werden

Beispiele:     

  • Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein. (Goethe: Faust I, 1808)
  • Das ist unglaublich!
  • Er ist ein wahrer Held!

Enthymem

griech. enthymema – Erwogenes, Beherzigtes, Argument, Wahrscheinlichkeitsschluss[2]

Aristoteles bezeichnete es als das Kernstück der Argumentation (Syllogismus, Deduktion) und eine Verbindung zur Dialektik.

Beispiel:

  • Erste Prämisse (Obersatz): Alle Menschen sind sterblich.
  • Zweite Prämisse (Untersatz): Sokrates ist ein Mensch.
  • Schlussfolgerung: Also ist auch Sokrates sterblich

Epilog

griech. epilogos – Nachrede, Abschluss, im Gegensatz zu Prolog

Schlusswort am Ende eines literarischen Werkes. Im Drama wird ein Epilog an das Publikum gerichtet, um Beifall oder nachdrückliches Denken zu initiieren.

In der Rhetorik mit dem Schluss (Fazit) vergleichbar.

Beispiele:

  • Epilog im Himmel (Goethe: Faust II)
  • Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen. Der Vorhand zu und alle Fragen offen (Brecht, der gute Mensch von Sezuan)
  • Ich komme zum Schluss: …

Epipher

griech. epiphora – Nachrede

Bei dieser rhetorischen Figur wird die Eindringlichkeit dadurch erhöht, dass aufeinanderfolgende Wortgruppen immer mit demselben Wort enden. Die Umkehrung heißt Anapher, d.h. aufeinanderfolgende Wortgruppen beginnen immer gleich.

Beispiele:     

  • Ein neues Lied, ein besseres Lied, o Freunde will ich Euch singen (Heine: Deutschland ein Wintermärchen)
  • Ende gut, alles gut. (Sprichwort)
  • Ich bin für den Frieden. Du bist für den Frieden. Alle hier im Saal wollen den Frieden…

Eristik

Eristisch bedeutet konfrontativ, hinterhältig, streitsuchend.

Der Name für die Kunst der Rechthaberei (Wortverdreherei, Schwarze Rhetorik) geht sicherlich auf die griechische Göttin der Zwietracht Eris zurück, nach der man auch den Erisapfel (Zankapfel) nannte.

Schopenhauer beschrieb die Eristische Dialektik damit, immer so zu argumentieren und zu diskutieren, dass man Recht behält, und das mit rechten und unrechten Mitteln (per fas et nefas). Auf die Frage, woher das kommen, antwortete er: „Von der Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts.“[3]

Mit der Gegenreformation entstand in Deutschland eine eristisch-jesuitische Dialektik, mit der in stringenter Weise (Gegen-)Argumentationen trainiert wurden.

Übliche Techniken der eristischen Dialektik sind:

  • Ad-hominem-Angriff (Schopenhauer, Gegenstück: ad rem – zur Sache)[4]
  • Strohmann-Argument – Übertreibung der Position des Gegners
  • Ablenkung: Anführen irrelevanter Themen und abwegiger Beispiele
  • ständige Wiederholung eines Arguments
  • Unterstellung, haltlose Behauptung

Eristik kann in Debatten, Diskussionen, Talk Shows usw. verwendet werden, um selbst Vorteile zu gewinnen, auch wenn die Argumente nicht unbedingt wahr oder logisch sind. Es ist wichtig, diese Techniken zu erkennen, um sich gegen manipulative Argumentationen zu wappnen.[5]

Episode

griech. epeisodion – Einschub, Nebenhandlung, ergänzende Anmerkung, Vorübergehendes, Hinzukommendes

Einschübe (Episoden, kurze Abschweifungen, Witze usw.) beleben das rhetorische Geschehen. Das sollte jedoch nicht übertrieben werden, damit aus der eigentlichen Absicht kein belangloses Geschwätz wird.

Episoden können

  • veranschaulichen,
  • unterhalten,
  • emotional ansprechen,
  • Informationen vertiefen oder
  • Spannungen aufbauen.

Beispiele:

  • Und da ist mir übrigens gestern Folgendes passiert …
  • Nebenbei bemerkt, kann ich da folgende ähnliche Bespiele nennen …
  • Wussten Sie auch schon, dass …

Erstellung einer Rede

In der antiken Rhetorik wurden klare Arbeitsschritte (partes orationes) empfohlen und gelehrt: [6]

Bearbeitungsphasen
Gedanken (res)Sprache (verbum)
Erfindung der Gedanken (inventio)Gliederung der Gedanken (dispositio)Memorieren der Rede (memoria)Sprachliche Darstellung der Gedanken (elocutio)Vortrag der Rede (pronuntiatio)

Erfindung der Gedanken (inventio)[7]

  Erfindung der Gedanken  
Einleitung (exordium)Schilderung des Sachverhalts (narratio)Begründung (argumentatio)Schluss (peroratio)
aufmerksam machen, geneigt stimmen, schmeichelnKürze, Klarheit, GlaubwürdigkeitZeichen, induktive Beispiele und deduktive GründeEntrüstung, Wehklage

Errare humanum est

Diese lateinische Redewendung wird oft verwendet, um menschliche Verhaltensweisen zu relativieren. Vollständig lautet sie: „Errare (Errasse) humanum est.“.[8] – Irren ist menschlich, d.h. es kann immer wieder vorkommen, lügen leider auch.

Erzählung

lat. narrarae – erzählen, narratio – Erzählung 

Es handelt sich um eine gängige Textform in Literatur, Journalismus und Rhetorik. In der Medienpraxis gibt es angrenzte Formen wie z.B. Storytelling (Geschichte zu Werbezwecken) oder Narrativ (narratio – klassisches Gliederungselement der Rede, sinnstiftende Erzählung). Es wird aus subjektiver Sicht und meist in zeitlicher Folge ein Geschehen dargestellt.

Ein Erzähler ist eine vom Autor erfundene/nachempfundene Person/Figur, die aus ihrer Sicht (Erzählersicht) darstellt und wertet. Erzählungen haben in der Regel keinen hierarchischen Aufbau und leben vor allem von szenischen Schilderungen, Rede- und Gegenrede sowie detailreichen Darstellungen von beobachteten Vorgängen.[9]

Sie kann sowohl der Literatur als auch der Rhetorik zugeordnet werden. Seit den 1990er Jahren wird eine sinnstiftende Erzählung als Narrativ bezeichnet, das Einfluss auf die Art hat, wie die Umwelt wahrgenommen wird. In der politischen Kommunikation wird Narrativ häufig auch überhöht dargestellt als die generelle Darstellung einer Situation oder Entwicklung und erhält dadurch nicht selten eine gewisse Doppeldeutigkeit als zu bezweifelnde „große Geschichte“.

„Die Erzählung war die erste bedeutende Informationstechnologie der Menschheit. Sie legte den Grundstein für Kooperation im großen Stil und machte der Menschen zum mächtigsten Tier der Erde. Doch sie hat auch ihre Grenzen.“[10]

Essay

engl. – kürzere schriftliche Abhandlung aus persönlicher Sicht

Essays können in verschiedenen Bereichen geschrieben werden, von Literatur und Kunst bis hin zu Wissenschaft und Politik. Sie bieten eine Möglichkeit, komplexe Ideen auf eine zugängliche und oft unterhaltsame Weise zu präsentieren. In dialogischer Form sind sie etwa vergleichbar mit Podcasts. Erste sind schriftlich, zweitere auditiv. Und trotzdem gibt es einige methodische Gemeinsamkeiten. Zusammenhänge. Beide Formate dienen dazu, Informationen, Meinungen und Geschichten zu vermitteln, und sie teilen einige gemeinsame Merkmale:

Merkmal sind:

  • Subjektivität: Ein Essay spiegelt oft die persönlichen Ansichten und Gedanken des Autors wider.
  • Klarer Fokus: Der Essay konzentriert sich auf ein spezifisches Thema oder eine Fragestellung.
  • Struktur: Obwohl Essays oft eine lockere Struktur haben, bestehen sie in der Regel aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss.
  • Stil: Essays sind oft in einem ansprechenden und lockeren, manchmal sogar literarischen Stil geschrieben.
  • Argumentation: Der Autor bzw. die Partner präsentieren und entwickeln ihre Argumente, oft unterstützt durch Beispiele und Zitate.
  • Podcasts eignen sich allerdings in kreativer Weise besonders dem direkten Dialog.

Ethisch-moralische Prinzipien

Rhetorische Kommunikation verlangt, neben Logos (Sprache, Inhalt) und Pathos (Art und Weise, Engagement) auch eine entsprechende Ethik. Die Ethik als allgemeine systematische Theorie fasst unterschiedliche moralische Einstellungen (ideologisch, religiös, politisch, gerecht usw.) zusammen und systematisiert sie aufgrund ihrer Begründungen und Prinzipien. D.h. Ethik und Moral verhalten sich wie Allgemeines und Besonderes. In moralischer Hinsicht können in der gesellschaftlichen Praxis durchaus auch Differenzen und Irrtümer auftreten.

Ethisch-moralische Prinzipien für die Rhetorik sind:

  • Einheit von Zielen und Aktivitäten;
  • Verantwortung und Einstellung zur Wahrheit (Vernunft);
  • Dualität von Wissen und Gewissen (Gefühl);
  • Integrität der eigenen Persönlichkeit und soziale Zuordnung;
  • Respekt gegenüber Partnern und Abgrenzung gegenüber Gegnern;
  • Gerechtigkeit und Toleranz im kommunikativen Verhalten;
  • Dialog und Nachhaltigkeit als Erfolgskriterien;
  • Transparenz der Informationen und Aktionen.

Quintilian: Der oberste Gott, der Vater aller Dinge und Gestalter der Welt, hat den Menschen durch nichts mehr von den übrigen Lebewesen, wenigstens soweit sie sterblich sind, abgesondert als durch die Redegabe. …Uns gab er deshalb die Vernunft als das vortrefflichste Geschenk und wollte uns darin den unsterblichen Göttern gleichgestellt wissen.“[11]

Nach diesem höchsten ethischen Grundsatz sollten wir aber nicht verabsolutiert glauben, dass ein guter Redner auch immer auch ein guter Mensch sein muss. Durchaus kann auch ein schlechter (?) Mensch ein guter Rhetor sei, allerdings eben ein unmoralischer.

Euphemismus

griech. euphemein – etwas gut reden, Euphorie – Hochstimmung, übersteigerte Heiterkeit

Beschönigende Bezeichnung eines Sachverhaltes oder Begriffes, der ansonsten als unangenehm, unangemessen, anstößig oder gar als Tabu empfunden werden kann

Beispiele:

  • Lord Voltemort – Figur im Roman Harry Potter von Joan K. Rowlings, wird auch bezeichnet als „Du-weisst-wer“ oder „Der-nicht -genannt-werden darf“
  • das Zeitliche segnen statt: sterben
  • kräftig und mollig statt: dick und fett

Ethos

griech./lat. – ethos – Gesamtheit moralischer Lebensgrundsätze

Ethik – Sittenlehre

In der klassischen Rhetorik gehörte Ethos (Besänftigen, Gewinnen) gemeinsam mit  Logik (Belehren, Beweisen) und Pathos (Bewegen, Erregen) zu den grundsätzlichen Aufgaben des Redners (officia oratoris).[12]

Beispiele:

  • Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. (Goethe, J. W.: Das Göttliche)
  • Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. (Luther, M.: Freiheit eines Christenmenschen)
  •  

[1] Prenzel, T.: Fake News. Mpderne Lügen entlarven und entspannt reagieren. Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2019, S. 38

[2] Aristoteles: Rhetorik, S. 9, 228

[3] Schopenhauer, A.: Die Kunst, recht zu behalten. S. 19

[4] Ebenda, S. 36

[5] Jachtchenko, Wladislaw: Schwarze Rhetorik. Manipuliere, bevor du manipuliert wirst. Goldmann Verlag, München 2018

[6] Göttert, K.-H.: Einführung in die Rhetorik. W. Fink Verlag, München 1991, S. 25

[7] Ebenda, S. 26

[8] Cicero: Orationes Philippicae 12,2. Nach: Wiktionary

[9] Fasel, C.: Textsorten. UVK Verlag. Konstanz und München 2013, S. 16

[10] Harari, Yuval Noah: Nexus. Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz. Penguin Verlag, München 2024, S. 58 ff. (2. Kapitel)

[11] Quintilian: Institutio oratoria X. Lehrbuch der Redekunst. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 1974, S. 3

[12] Göttert, K.-H.: Einführung in die Rhetorik. W. Fink Verlag, München 1919, S. 22f.

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