Fabel
lat. fabula – Erzählung
Fabel – lehrhaft erdichtete und meist unglaubwürdige Erzählung, Sage
Diese Gattung der lehrhaften Dichtung (z.B. Äsop) findet auch in der Rhetorik Anwendung und dient vor allem zur Auflockerung des Vortrages, zur Anregung des Denkens und zur bildhaften Darstellung. Am Ende wird damit oft eine moralische Lehre vermittelt.
Beispiele:
- Der Fuchs und die Trauben: Ein Fuchs versucht, Trauben zu erreichen, die zu hoch hängen, und behauptet schließlich, sie seien sauer.
- Der Fuchs und der Storch: Ein Fuchs lädt einen Storch zum Essen ein und serviert das Essen in flachen Schalen, aus welchen der Storch nicht essen kann. Der Storch revanchiert sich, indem er den Fuchs zu einem Essen einlädt, das er in hohen, schmalen Gefäßen serviert …
Fabulistik
lat. fabulari – sprechen, schwatzen, plaudern, fantasieren, nachdenklich formulieren
Damit wird scherzhaft die Lehre vom Fabulieren bezeichnet, d.h. vom kunstvoll übertriebenen und fantasievollen Schreiben und Sprechen.
Beispiele:
- Baron Münchhausen (Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, 1720 – 1797): Ihm werden eine Reihe fragwürdiger Geschichten nachgesagt, weshalb er auch als Lügenbaron bezeichnet wurde.
- Geschichten von den Schildbürgern (Schildbürgerstreiche): zeitgenössische Parodie (Glossen, Schwänke) mit Lügengeschichten über die fiktive Stadt Schilda mit dem Ziel, das freie Bürgertum im 16./17. Jahrhundert zu verunglimpfen.
- „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: Eine poetische Erzählung über einen kleinen Prinzen, der von Planet zu Planet reist und dabei tiefgründige Lektionen über das Leben lernt.
- „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll: Die Geschichte eines Mädchens, das in eine fantastische Welt voller skurriler Charaktere und Abenteuer gerät.
Die modernen Fassungen werden Fake News oder Bedrohungslegenden genannt.
Fakes
engl. fake – Schwindel
Im Journalismus und in der Literatur treten Schwindel und künstliche Erfindungen aus dramaturgischen, politisch-taktischen, aber auch anderen böswilligen Gründen ziemlich oft auf. Synonyme dafür sind Märchen, Glosse, Hoax oder Zeitungsente.
Beispiel:
Die Hexe in “Hänsel und Gretel” ist eine der bekanntesten Figuren aus den Märchen der Brüder Grimm. Sie symbolisiert das Böse und die Gefahr, die in der Geschichte lauern. Historisch gesehen gibt es jedoch einige interessante Theorien und Hintergründe:
- Hexenverfolgungen: Die Figur der Hexe könnte von den realen Hexenverfolgungen inspiriert sein, die in Europa, insbesondere in Deutschland, bis ins 18. Jahrhundert stattfanden. Viele Frauen, die am Rande der Gesellschaft lebten, wurden oft als Hexen beschuldigt und verfolgt.
- Eine Theorie besagt, dass die Hexe auf einer realen Person basiert, nämlich der Bäckerin Katharina Schrader, die im 17. Jahrhundert in Hessen lebte. Sie wurde von den Geschwistern Hans und Grete Metzler ermordet, angeblich aus kapitalistischen Motiven.
- Symbolik: Die Hexe und ihr Lebkuchenhaus symbolisieren Versuchung und Gefahr. Ein Haus aus Süßigkeiten lockt die Kinder an, während die Hexe selbst die Bedrohung darstellt, die hinter der verlockenden Fassade lauert.
Diese Elemente machen die Geschichte von “Hänsel und Gretel” nicht nur zu einem spannenden Märchen, sondern auch zu einem Spiegel der gesellschaftlichen Ängste und Realitäten der damaligen Zeit.[1]
Fake News
engl. fake – unecht, gefälscht, news – Neuigkeiten, Meldungen, Nachrichten umgangssprachlich für manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten, die vor allem im Internet und vorrangig viral verbreitet werden[2]
Ziel von Fake News ist es, zu verwirren, politische Gegner zu diffamieren und z.B. in Wahlkämpfen und anderen politischen Aktionen Menschen zu manipulieren[3]
Fake News werden in verschiedenen Medien (Radio, Fernsehen, Presse) und als politisches Schlagwort und Kampfbegriff genutzt. Es entstehen asymmetrische Informationen, bei denen der/die Empfänger sich oft nicht im Klaren ist über die tatsächlichen Wahrheiten/Fälschungen (u.a. Humbug News, Fake News, Cheap Sensation, Zeitungsente, Tatarenmeldung) und ihre realen Folgen sind[4]
Vgl. auch Persuasion→, Lügenpresse Vgl. auch Persuasion→, Schwarze Rhetorik→, Persuasion→, Filterblase→, Persuasion→, Echokammer→ bzw. ugs. schwindeln, schummeln, lügen (Sächs. behumsen, vergackeiern)
Beispiele:
- Emser Depesche,– diplomatisches Schreiben, dass am 13.07.1870 vom norddeutschen Bundeskanzler Otto von Bismarck bewusst missverständlich geändert an die Presse gegeben. Das war Anlass für den Deutsch-Französische Krieg 1870/71.
- Pressekonferenz, Berlin 08. November 1989, Günter Schabowski: historischer Versprecher (ohne Angabe einer Sperrfrist) führte zur spontanen Öffnung der Berliner Mauer: „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen… Das trifft nach meiner Kenntnis, ist das sofort, unverzüglich…“
Feedback
In der zwischenmenschlichen Kommunikation ist der Austausch von Informationen mit Rückkopplung grundsätzlich. Freud postulierte das in seiner psychodynamischen Theorie des menschlichen Verhaltens.[5] Jede Information von einem Sender erzeugt Rückkopplung, indem der Empfänger seinerseits zum Sender wird.
Feminine Rhetorik
In der griechisch-römischen Antike war die Rhetorik ursprünglich eine männliche Domäne. Rhetorinnen waren in der Antike eher Ausnahmen und sind mehr legendär überliefert als sicher belegt. Wenn Frauen dort eindrangen, wurden sie abgelehnt und als mondän oder moralisch zweifelhaft beschrieben.
Beispiele:
- Sappho von Lesbos
- Aspasia von Milet
- Kleopatra VII.
- Aischa
Mit dem Aufkommen des Feminismus im Sinne einer Gleichberechtigung der Geschlechter haben sich Frauen in unserer modernen Zeit zunehmend der Rhetorik zugewandt.
Beispiele:
- Suffragetten (Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts)
- Rosa Luxemburg
- Alice Schwarzer
- Sahra Wagenknecht
An der Martin-Luther-Universität in Halle hat sich in den 80er Jahren u.a. Dr. Rosemarie Jackstel einen Namen als Rhetorikerin gemacht (Bereich Sprechwissenschaft und Phonetik). Sie erarbeitete mehrere Rhetorik-Publikationen[6] und leitete den Arbeitskreis Rhetorik für Hochschullehrer in der DDR.
Filibuster:
franz. filibustier – Freibeuter (Piraten in der Karibik, 17. – 19. Jahrhundert), bekannt durch ihre Überrumpelungstaktiken
Im Senat der USA darf in der Regel jeder so lange reden, wie er will. Daran knüpften mitunter Minderheiten an, um durch Dauerreden oder durch deren Androhung eine Beschlussfassung der Mehrheit zu verhindern oder zu erschweren (= Überrumpelung).
Beispiele:
- Den erstmaligen Rekord für eine Marathon-Rede mit über 24 Stunden (24:18) stellte der Senator Strom Thurmond 1957 auf. [7]
- Am 25. Juni 2013 hielt die demokratischen Senatorin Wendy Davis in Texas eine 13stündige Rede gegen das umstrittene Gesetz zur Verschärfung des Abtreibungsrechtes. Sie hatte sich, neben ihrer inhaltlichen Vorbereitung, mit einem Stützkorsett und rosa Jogging-Schuhen ausgestattet, um den körperlichen Anstrengungen gerecht zu werden. Die Marathon-Läuferin wurde wie eine Heldin gefeiert. Einige Fans ketten sich sogar an der Brüstung der Besuchergalerie an, als sie aus dem Senatsgebäude hinausbefördert werden sollten. Die Sicherheitskräfte sorgten aber letztlich dafür, dass die Abstimmung regulär und gegen sie über die Bühne gehen konnte.[8]
- Den aktuellen Rekord hält der demokratische Senator Cory Booker, der am 31.03./01.04.2025 über 25 Stunden (25:05) aus Protest gegen die Politik von Präsident Trump sprach. [9]
Selbst bei Redezeitbegrenzung ist es möglich, in (oft unfairer Weise) zu taktieren durch
- dauernde, zermürbende Anträge zur Tagesordnung,
- übertreibende Anfragen zur Klärung einzelner, oft belangloser Punkte,
- bewusste Missverständnisse,
- Beantragen von Pausen.
Im Deutschen Bundestag wird sehr auf die Einhaltung vorgegebener Redezeiten geachtet. Für die Durchsetzung ist der Bundestagspräsident bzw. die Bundestagspräsidentin verantwortlich.[10]
Filterblase (vgl. auch Echo-Kammer)
Das Phänomen der Kommunikation (vgl. auch Echo-Kammer, Filter Bubble) beschrieb Eli Pariser erstmals 2011.
Im Zusammenhang mit sozialen Medien, aber auch mit bestimmten politischen Tendenzen (parteipolitische Differenzierungen) „durch Algorithmen gesteuerte Darstellung nur solcher Informationen, die den (angenommenen) Ansichten, Meinungen oder Interessen der jeweiligen Adressaten entsprechen“[11]
Synonym zu Echokammer
Den Nutzern von sozialen Netzwerken, Stammtischrunden oder Hinterzimmer-Veranstaltungen (z.B. Parteiversammlungen) werden immer nur die Nachrichten zugespielt, die ihren Erwartungen bzw. ihrem Weltbild entsprechen. Alles wird weggefiltert, was nicht einer vorgefassten Meinung entspricht. Es können Eingrenzungen, Vorurteile oder radikalisierte Auffassungen entstehen.
Beispiele:
- Die Erde ist eine flache Scheibe – das kann man doch sehen.
- Diese Regierung bringt nichts Vernünftiges zustande.
- Erscheinungen des Rassismus
- Reichsbürger-Bewegung
Flow
engl. flow – fließen, strömen
Damit wird der weitgehend selbstständig verlaufende Denk-Sprech-Vorgang unserer Kommunikation bezeichnet. Je besser wir in der Lage sind, unseren Gedanken freien Lauf zu lassen, desto fließender wird unser Sprechen sein.
Flow ist ein Geisteszustand, in dem Menschen so sehr in eine bestimmte Tätigkeit versunken sind, dass nichts anderes mehr zu zählen scheint und sich ungeahnte Kreativität entwickelt. (Mihaly Csikszentmihalyi)[12] Flow ist demzufolge auch eine wichtige Voraussetzung für freie Rede und Stegreifrede (mehr oder weniger vorbereitete Improvisation).
Voraussetzungen dafür sind
- mentale Gelassenheit und eine gewisse Begeisterung,
- Freiheit der Gedanken und förderliche Gefühle,
- flexible Wortfindung,
- sprechangepasste Atmung.
Probleme können sein
- Befangenheit, Unsicherheit oder Sprechangst,
- Beherrschung des Inhalts,
- Wortfindungsprobleme,
- Stress und Atemnot usw.
Besondere Formen des sprachlichen Flows sind
- der mitreißende Vortrag des begeisterten Redners und das lebhafte Gespräch,
- das Deklamieren gut gelernter Gedichte und anderer Texte (nicht nur durch Schauspieler oder Lehrer),
- das solistische oder chorische Singen.
Ein offenbar besonderes Beispiel wird im neuen Testament geschildert, als die Apostel und Jünger Jesu zu Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes erlebten, d.h. sie waren plötzlich in der Lage, in ekstatisch Weise und in verschiedenen Sprachen, die sie vorher nicht beherrschten, untereinander zu kommunizieren.
Freie Rede
- frei (nach Schwerpunkten, Stichworten) entwickelte Rede, die nicht wortwörtlich ausformuliert und abgelesen wird (z.B. im Parlament, in Lehrveranstaltungen, in Diskussionsrunden)
- Redefreiheit[13] – als Errungenschaft und Voraussetzung der Demokratie (Meinungsäußerungsfreiheit)[14]
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Volkslied: Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?[15]
Freies Sprechen
Auf der Grundlage flexibler Vorbereitungen (logische Struktur, eingeprägte bzw. notierte Gedankenschritte) entwickeln die Redner in spontaner Weise (Einfälle, Weiterführungen, Zurufe usw.) ihre ganz individuelle (freie) Vortragsweise.
Unterscheidungen dazu sind:
- Stegreifrede (in der Situation entwickelt) und
- Manuskriptrede (wortwörtlich schriftlich vorbereitet).
Voraussetzung für freies Sprechen sind
- vorangehende Vorbereitung,
- flexibles Sprech-Denken (freie Assoziation, z.B. nach Fünf-Satz-Strukturen),
- gewisses Talent bzw. Übung zur Eloquenz (lat. eloquentia – kluge Beredsamkeit)
Luther, M.: „Denn das sind die drei Stücke, wie man sagt, die zu einem guten Prediger gehören: zum ersten, dass er auftrete; zum andern, dass er den Mund auftue und etwas sage; zum dritten, dass er auch aufhören könne.“[16]
Grundsatz für das Plenum im Landtag:
- Die Redner sollen grundsätzlich in einem freien Vortrag sprechen. Sie können hierbei Aufzeichnungen benutzen.
- Der Vortrag von im Wortlaut vorbereiteten Reden ist bei Erklärungen der Staatsregierung, Erklärungen der Fraktionen und Berichten ausnahmsweise zulässig.[17]
Vorteile:
Publikumsnähe
Flexibilität des Inhalts
Reaktion in der Situation
Lebendigkeit, Authentizität
Hilfsmittel:
- Stichworte (Zettel, Skizze, PowerPoint-Folien, Tafelskizzen)
- optisch aufbereitete Texte (farbliche Hervorhebungen, Unterstreichungen usw.)
Typisch für freies Sprechen sind Gespräche, Diskussionen und dialogisch gestaltete Vorträge (z.B. Lehrvortrag).
Freiheit der Rede
Freiheit der Rede, auch bekannt als Redefreiheit oder Meinungsfreiheit, ist ein fundamentales Menschenrecht und ein Eckpfeiler jeder demokratischen Gesellschaft. Sie bedeutet, dass jede Person das Recht hat, ihre Meinung frei zu äußern, sei es durch Wort, Schrift, Bild oder andere Kommunikationsmittel – ohne Angst vor staatlicher Verfolgung oder Zensur. Allerdings verbietet das Grundgesetz in diesem Zusammenhang z.B. die Verletzung der Würde des Menschen, Volksverhetzung, Geschlechterdiskriminierung, Aufruf zu Gewalt und Straftaten u.a.m.
Die Freiheit der Rede ermöglicht öffentliche Debatten durch kritische Auseinandersetzungen mit Politik und Gesellschaft. Ohne sie gibt es keine echte Demokratie – denn nur wer sprechen darf, kann auch mitgestalten
Fragen
Diese Kommunikationsaufgaben und -verfahren spielen auch in der Rhetorik eine grundsätzliche Rolle. Es sind Äußerungen, die eine Antwort bzw. anderweitige Äußerungen ermöglichen und/oder verlangen. Damit sind sie Voraussetzungen für den sprachlichen Dialog und eine erforderliche Kooperation.
Geschlossene Fragen engen die Antwortmöglichkeiten von vornherein ein wie z.B.: Haben Sie einen Fahrschein? Antwort: Nein.
Offene Fragen lassen mehr oder weniger weite Antwortspielräume wie z.B. Warum haben Sie denn keinen Fahrschein? Antwort: Ich wollte mir ja einen kaufen, aber…
Fragearten sind z.B.
- Faktenfrage (auf Wissen ausgerichtet): Wie gelange ich zum Bahnhof?
- Problemfrage (lösungsorientiert): Warum wollen Sie denn zum Bahnhof?
- Alternativfrage: Wollen Sie zum Oberen oder zum Unteren Bahnhof?
- Rückfragen (verständnisfördernd): Dann brauche ich wohl immer nur geradeaus zu gehen?
- Rhetorische Frage (kontaktfördernd): Ist jetzt alles klar?
Im Alltag, im Beruf, im Lernprozess oder in Politik, Kultur und Wissenschaft treten Fragen sehr oft auf. Sie sind auf das Engste mit dem menschlichen Denken und Lernen verbunden, mit unseren Wahrnehmungen und mit ihrer Ausdeutung. Auch für die Planung von kommunikativen Aufgaben sind Fragen sehr wichtig. Ganz allgemein verhält es sich mit unserem Frageverhalten wohl ähnlich wie im Monolog von Faust (Goethe), dass wir zwar viel wissen, aber…
Beispiele für paradoxe Fragen:
- Was war zuerst da: Die Henne oder das Ei?
- „Die Antwort auf die Große Frage ,,, nach dem Leben, dem Universum und allem … lautet … ‚Zweiundvierzig‘. ‚Genau!‘, sagte Deep Thought. „Wenn ihr erstmal genau wisst, wie die Frage wirklich lautet, dann werdet ihr auch wissen, was die Antwort bedeutet.“[18]
Beispiele für philosophische Fragen, wie sie Stephen Hawking stellte:[19]
- Gibt es einen Gott?
- Wie hat alles angefangen?
- Gibt es ein anderes intelligente leben im Universum?
- Können wir die Zukunft vorhersagen?
- Was befindet sich in einem Schwarzen Loch?
- Sind Zeitreisen möglich?
- Werden wir auf der Erde überleben?
- Sollte wir den Weltraum besiedeln?
- Wird uns künstliche Intelligenz überflügeln?
- Wie gestalten wir unsere Zukunft?
Beispiele für Fragen zum Verhören:
- W-Fragen: Wann? Wer? Wo? Wie? Was?
- Malefiz-Fragen (auf schwere kriminelle Verfehlung) wie z.B. im Malleus maleficarum (deutsch: Hexenhammer, 1486)[20]
Beispiele für Fragespiegel:
- zur medizinischen Diagnose
- zum Lernen (didaktisch)
- zur journalistischen Recherche
- zu Soziologischen Untersuchungen usw.
Fremdwörter
Insgesamt ist die deutsche Sprache eine faszinierende Mischung aus semantischen und grammatischen Einflüssen anderer Sprachen, die im Verlauf der Geschichte viele Veränderungen erfahren haben. Sie werden üblicherweise Fremdwörter (vgl. auch Lehnwörter) genannt, von denen über 53.000 im DUDEN – Fremdwörterbuch dargestellt und erklärt werden. [21]
Griechisch bildet für den heutigen deutschen Sprachgebrauch wichtige Grundlagen (Greacismen). Als Bespiele aus einer großen Vielfalt können genannt werden Kirche (griech. kyricon), Einsiedler (griech. einchoro), Engel (griech. angelos) und viele mehr. Eine Liste von Greacismen findet sich bei wikipedia.[22] Zwischen dem Griechischen und dem Lateinischen gibt es viele sprachkulturelle Beziehungen.
Beispiele:
- Philosophie,
- Rhetorik,
- Krypta,
- Demokratie.
Lateinisch: Sogenannte Latinismen spielen für die deutsche Sprachentwicklung seit der Spätantike und dem Mittelalter eine wichtige Rolle. Sie sind, neben Greacismem, vor allem in der Wissenschafts- und Fachsprachen (Medizin, Biologie, Religion u.a.m.) gebräuchlich.
Beispiele:
- Karren (lat. carrum),
- Pforte (lat. porta),
- Kaiser (lat. caesar)
Eine Liste von Latinismen findet sich bei wikipedia.[23]
Französisch: Während des 17. und 18. Jahrhunderts hatte Französisch einen großen Einfluss auf die deutsche Sprache, insbesondere im Bereich der Kultur, Mode, Kunst und Diplomatie. Viele Gallizismen, also Wörter und Wendungen mit französischer Herkunft, sind auch heute noch anzutreffen.
Beispiele:
- Balkon, Baguette, Boulevard, Boutique,
- Café, Champagner,
- Déja-vu, Menü, Parfüm, Rendezvous, Konfitüre, Trottoire
Englisch: Obwohl Deutsch und Englisch unterschiedliche germanische Sprachen sind, gibt es viele gemeinsame Wurzeln. Englisch hat einige Wörter und Ausdrücke aus dem Deutschen übernommen, und umgekehrt. Beide Sprachen haben auch ähnliche grammatikalische Strukturen. Im aktuellen Sprachgebrauch und im Zusammenhang mit der wissenschaftlich-technischen Revolution (Digitalisierung) treten Anglizismen und Amerikanismen besonders häufig auf. Sie beeinflussen nicht zuletzt auch die Jugendsprache und werden vor allem durch Literatur und Musik übertragen.
Beispiele:
- Baby, Beat, Boom, Beamen
- E-Mail, Smartphone, Handy (fragwürdige Übernahme),
- Start up, Work-life-Balance, Happy End, Surfen, Twittern, Aerospace, All-in-one, Bluetooth, BMX, Brainstorming, Breakdance
Hebräisch und Jiddisch: Aufgrund einer langen Kulturgeschichte und der Existenz jüdischer Gemeinschaften in Deutschland gibt es auch hebräische und jiddische Wörter im deutschen Wortschatz. Diese stammen oft aus historischen, religiösen oder kulturellen Kontexten.
Beispiele:
- koscher (כשר) – ursprünglich für Speisen nach jüdischem Gesetz, heute auch im übertragenen Sinn für „einwandfrei“
- meschugge (משוגע) – verrückt, durchgeknallt
- Schlamassel (שלמהזל) – großes Pech, Unglück
- Zoff – Streit, Ärger (vom jiddischen „sof“ für „Ende“)
- Ganove (גנב) – Dieb, Gauner
- Kaff (כפר) – abgelegener Ort, kleines Dorf
Slawische Sprachen: In einigen Regionen Deutschlands, insbesondere im Osten, gibt es viele slawische Einflüsse.
Beispiele sind:
- Kohl,
- Grenze,
- Gurke,
- Budike
Aber auch andere Sprachen finden sich im heuten Sprachgebrauch wie z. B.
Arabisch:
- Magazin, Tarif, Tara, Orange,
- Kaffee, Ingwer, Elixier, Balsam, Alkohol
- Algebra, Algorithmus, Ziffer, Almanach, Zenit,
Unterschiede zwischen Fremd- und Lehnwörtern:
Fremdwörter stammen aus anderen Sprachen und wurden in Bedeutung, Aussprache, Schreibweise und Grammatik weitgehend unverändert übernommen.
Beispiele:
- Computer (engl.),
- Rendezvous (franz.),
- Pizza (ital.)..
Lehnwörter kommen ebenfalls aus Fremdsprachen, haben sich aber weitgehend an die deutsche Aussprache, Schreibweise und Grammatik angepasst.
Beispiele:
- Fenster (lat. fenestra),
- Keller (lat. cella),
- Mauer (lat. murus).
Grundsatz für den rhetorischen Umgang mit Fremdwörtern:
Die Verständlichkeit liegt vorrangig in der Fähigkeit der Zielperson/-gruppe, sie zu verstehen. Vor allem bei Fremdwörtern sind folgende Überlegungen angebracht:
- Sind diverse Begriffe, Ausdrücke oder Wörter dem Empfänger ebenfalls geläufig. (Verstehe ich sie selbst?)
- Oder sollten besser die deutschen Entsprechungen gewählt werden?
- Können Fremdwörter angemessen übersetzt werden?
- Sollten komplizierte Wörter vielleicht an die Tafel geschrieben oder buchstabiert werden?
Freud´sche Versprecher
lat. lapsus linguae
Sprachliche Fehlleistung, bei der ein Gedanke, den man eigentlich nicht äußern wollte, unwillkürlich zutage tritt.
Freud meinte dazu, dass dies mehr als ein belangloser Versprecher ist, sondern dass es eine psychische Ursache dafür gibt (in: Psychopathologie des Alltagslebens). Sie resultiert angeblich aus Triebimpulsen, die ansonsten im Alltag verdrängt oder bewusst verdeckt werden sollen
Beispiele:
- Ein Mann erzählt von Vorgängen, die er beanstandet, und setzt fort: “Dann aber sind Tatsachen zum ‘Vorschwein’ gekommen.” Auf Nachfrage bestätigt er, dass er diese Vorgänge als “Schweinereien” bezeichnen wollte. “Vorschein und Schweinerei” haben zusammen das sonderbare Wort “Vorschwein” entstehen lassen.
- Freud beschreibt einen Fall aus seiner Praxis, in dem eine junge Frau über ihre Familie sagte: “Man muss ihnen das eine lassen. Es sind doch einige besondere Charaktere …”. Hier kam unbewusst der Gedanke an sexuelle Vorgänge zum Vorschein, und das Wort “besondere” wurde zu “Vorschwein” verformt.[24]
Forensische Rhetorik
In der antiken Rhetorik benannte man verschiede Redegattungen wie z.B. beratende/politische Rhetorik (genus deliberativum) und die demonstrative Rhetorik (genus demonstrativum), aber auch die Gerichtsrede (genu siudicale).[25].
Letztere ist vor allem vergangenheitsorientiert und behandelt Schuld und/oder Unschuld. Formen sind Anklage, Verteidigung und Plädoyer (Schlussvortrag bei einem Strafverfahren).
Forensik – Sammelbegriff für wissenschaftliche und technische Arbeitsgebiete, in denen kriminelle Handlungen systematisch untersucht werden (vgl. z.B. forensische Linguistik). Häufige Probleme entstehen durch Vorurteile, Irrtümern, Lügen, Unterstellungen, emotionalen Verstellungen und Oberflächlichkeiten.
Im antiken Rom entstand so die Deklamation (lat. declamation – Redeübung, Schulvortrag, lat. declamo – Übungsreden halten, sich im lauten Reden üben) als Form der rhetorischen Bildung.
Zugleich wurden Ergebnisse in die öffentliche Meinungsentwicklung übertragen. Ein forensisch relevantes Thema wurde aufgegriffen (z. B. Tyrannenmord), lehrmäßig diskutiert und als Gesetzesdeklamation in die Öffentlichkeit getragen, um schließlich in der weiteren Politik ihren Niederschlag zu finden.[26]
Auch heute findet forensische Rhetorik noch Anwendung, nämlich als gerichtliche Rhetorik. Dort unterscheiden wir Ankläger, Verteidiger, Zeugen, Gutachter und Richter. Kommunikative Formen sind u.a. Anklagen, Aussagen, Darstellungen Begründungen, Gegendarstellungen, Plädoyer (zusammenfassende Schlussreden) oder Urteile.
Fünfsatz
Die Methode des Fünfsatzes stammt bereits aus der antiken Rhetorik (vgl. Aristoteles→). Er besteht aus drei Schritten:
- Zunächst wird im Einleitungssatz, der den Einstieg in das Redethema und die Aufmerksamkeit der Zuhörer begünstigen soll (Captatio benevolentiae).
- Der Hauptteil besteht in der Regel aus drei Sätzen, welche den eigentlichen Gegenstand der Rede begründen, erläutern und veranschaulichen.
- Im abschließenden fünften Satz kommt es zur Schlussfolgerung aus dem bisher Gesagten und möglicherweise auch zum weiteren Ausblick auf die Sache (vgl. Drach)
- Der Fünfsatz ermöglicht es, quasi Baupläne (Konzeptionen, Gliederungen, Argumentationen) für längere oder kürzere Rede oder im Gespräch zu erstellen, sie sich einzuprägen bzw. weiter auszuformulieren und bewährte Varianten zu nutzen. Vgl. Argumentation→:
parallele Argumentation
- Warum habe ich gerade in Dresden studiert?
- Erstens hat mir hat die Stadt schon immer gefallen, zweitens hat die TU Dresden einen sehr guten Ruf und drittens wollte meine Freundin auch ihr Studium hier aufnehmen.
- Und diese Entscheidung für Dresden habe ich bis heute nicht bereut.
Kettenargumentation
- Zuerst war mir klar, dass ich Informatik studieren möchte.
- Dann zeigte sich, dass das in Dresden angeboten wird.
- Ich habe mich darauf hin schriftlich beworben
- und ziemlich schnell auch eine Zusage erhalten.
- Und im letzten September konnte ich das Studium beginnen.
Vergleichende Argumentation
- Zuerst stand zur Entscheidung, ob ich in Magdeburg oder in Dresden ein Studium aufnehme.
- Dann stellte sich heraus, dass es die Studentenwohnheime in Magdeburg gerade nichts frei hatten.
- In Dresden sah das viel günstiger aus.
- Und deshalb…
Fünfsatzstrukturen eignen sich in besonderer Weise für das rhetorische Training zur freien Rede:
- Fünf Gliederungspunkte lassen sich leicht in einer übersichtlichen Struktur anordnen.
- Sie lassen sich ggf. leicht einprägen oder improvisierend entwickeln.
- Fünfsatz-Darstellungen auf Handzetteln, Tafelskizzen, Power-Point-Charts usw. lassen sich sehr günstig als Grundlagen für die freie Rede nutzen.
[1] mit Hilfe von Copilot erstellt, 07.12.24
[2] Vgl. Duden, 27. Ausgabe 2017
[3] Prenzel, T.: Fake News. Moderne Lügen entlarven und entspannt reagieren. Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2019, S. 17
[4] Schweiger, S. 162 ff.
[5] Watzlawick, S. 29
[6] Jackstel, Rosemarie: Besser sprechen. Urania-verlag, Leipzig-Jena-Berlin 1970
Jackstel, R.; Jackstel, R.: Die Vorlesung – akademische Lehrform und Rede. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1985; JACKSTEL, Rosemarie: Beiträge zu Theorie und Praxis der Redeschulung Erwachsener in der Deutschen Demokratischen Republik (Diss. 1974)
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Strom_Thurmond und https://en.wikipedia.org/wiki/Strom_Thurmond_filibuster_of_the_Civil_Rights_Act_of_1957
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Wendy_Davis_(politician)
[9] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_100662164/usa-filibuster-das-steckt-hinter-der-marathonrede-im-us-senat.html
[10] https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/R/redezeit-868680
[11] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. www.dwds.de/wb/Filterblase (18.02.2024, 10:00)
[12] Ken Mogi: Ikigai. Die japanische Lebenskunst. Dumont Verlag, Köln 2023, S. 79 ff.
[13] Ash, Timothy Garton: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt. Carl Hanser Verlag. München 2016
[14] Vgl. Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5
[15] August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1842
[16] Luthers Predigt über Matthäus 5,1-2. Gehalten in der Stadtkirche zu Wittenberg. Nach: Dem Luther auf das Maul geschaut. Koehler & Amelang Verlag, Leipzig 1982
[17] Geschäftsordnung des Landtages des Freistaates Sachsen. S. 324, § 88
[18] Adams, Douglas: Per Anhalter durch die Galaxis. Wilhelm Heyne Verlag, München 2004 (dt. Erstausgabe 1981), S. 159 ff.
[19] Hawking, Stephen: Kurze Antworten auf große Fragen. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018, S. S. 5 f.
- [20] Werk des deutschen Dominikaners, Theologen und Inquisitors Heinrich Kramer (lat. Henricus Institoris,), das die Hexenverfolgung legitimierte und wesentlich förderte. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer
[21] DUDE: Band 7. S. 416 f.
[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gr%C3%A4zismen (11.05.2024, 16:00)
[23] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_lateinischer_Lehn-_und_Fremdw%C3%B6rter_im_Deutschen (11.05.2024, 16:00)
[24] Wikipedia
[25] Göttert, K.-H.: Einführung in die Rhetorik. Wilhelm Fink Verlag, München 1991, S. 17
[26] Lendon, Jon Edward: Rhetorik – Macht – Rom. Die Kraft der Redekunst im Imperium Romanum. wbg Edition, Darmstadt 2023, S. 58 ff.
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