Hier ist Rhodus, also hier springe![1]
Heredot von Halikarnassos
490/480 – 424 v. Chr.
Cicero nannte ihn den „Vater der Geschichtsschreibung“. Er berichtete u.a., dass einst Kinder von stummen Ammen in einer Einöde aufgezogen wurden und sie deshalb nur beschränkt sprechen (?) lernten. Er wollte damit wohl beweisen, dass Sprachentwicklung elementar vom kommunikativen Umfeld abhängig ist.
Vgl. auch Barbarossa-Experiment: kleine Kinder wurden in kommunikativer Isolation großgezogen, um zu erforschen, ob sie völlig selbstständig eine Sprache eine Sprache erlernen können
Hic Rhodus, hic salta
Episode, Sprichwort aus der Antike: Ein Fünfkämpfer rühmte sich nachträglich, bei einem Wettkampf auf Rhodus einst einen gewaltigen Sprung getan zu haben. Daraufhin antwortete man ihm: Hier ist Rhodus, hier springe! Also: Beweise deine Worte hier und jetzt!
Hippokrates von Kos
460 – 370 v. Chr.
Der berühmteste Arzt und Psychologe der Antike suchte auch Grundlagen für die Persönlichkeitseinschätzung. Dabei beschrieb er die Temperamente der Menschen mit der Theorie der vier Körpersäfte :
- Blut (Sanguis) – steht für Lebenskraft und Energie, wird mit dem Element Luft assoziiert.
- Schleim (Phlegma) – symbolisiert Ruhe und Ausgeglichenheit, wird dem Element Wasser zugeordnet.
- Gelbe Galle (Cholera) – steht für Leidenschaft und Temperament, entspricht dem Element Feuer.
- Schwarze Galle (Melancholia) – wird mit Nachdenklichkeit und Melancholie verbunden und dem Element Erde zugewiesen.
Aus ihrer Mischung leitete er die vier Temperamente ab:
- Choleriker (leicht erregbar, jähzornig),
- Sanguiniker (heiter, lebhaft, zugänglich),
- Phlegmatiker (träge, schwerfällig, gründlich),
- Melancholiker (schwermütig, einfühlsam, empfindsam).
Selbstverständlich wurde die Wissenschaft seitdem vielfach weiterentwickelt. Aber für das Kommunikationstraining kann das Modell veranschaulichend genutzt werden, z.B. für die Einschätzung eines Kommunikationspartners und den flexiblen Umgang mit ihm.
Beispiel:
- 360°-Übung: Welche Temperamente-Mischung trifft für mich zu? – z.B. überwiegend cholerischer Sanguiniker, der aber auch manchmal melancholisch ist
- Wie gehe ich mit einem Choleriker um, wenn ich selbst vor allem Sanguiniker oder Phlegmatiker bin?
- Was sind die Vor- und Nachteile meiner eigenen Temperamente-Mischung?
Historisches Wörterbuch der Rhetorik
Abgekürzt HWRh – es ist die neueste und wohl bedeutendste deutschsprachige Fach-Enzyklopädie zur wissenschaftlichen Rhetorik (Hrsg. Gert Ueding), welche sowohl die klassischen als auch die modernen Begriffe dieser Disziplin in einem Wörterbuch für Fachwissenschaftler und Studenten erschließt.
Es umfasst zwölf Bände mit über 1.300 Lexikonartikeln, die von mehr als 800 Fachwissenschaftlern verfasst wurden. 2014 erschien der Register-Band und 2015 der abschließende Bibliografieband. [2]
Hochsprache
Darunter ist eine standardisierte, überregionale Sprachvariante zu verstehen, die grammatikalisch korrekt und weitgehend normiert ist. Sie dient als gemeinsame Kommunikationsbasis für Sprecher unterschiedlicher Dialekte und Mundarten, insbesondere für die offizielle Kommunikation in Politik, Verwaltung, Bildung, Wissenschaft, Kunst sowie den Medien.
In dem Sinne ist auch der Ausdruck Hochdeutsch als standardisierte, überregionale Sprachform zu verstehen. Sie unterscheidet sich vor allem von der Alltagssprache und den vielen noch existenten Dialekten und Mundarten sowie sozial geprägten Formen (z.B. Slang).
Typische Merkmale sind:
- einheitlich genormte Grammatik und Rechtschreibung (vgl. z.B. DUDEN),
- Verwendung in offiziellen Schriften und formeller Rede, oft in Nachrichten, Bühnenkunst oder akademischen Texten,
- Abgrenzung von Dialekten und Umgangssprache, die stärker regional geprägt sind.
- hohe Akzeptanz als „korrekte“ oder „gebildete“ Ausdrucksweise in der Gesellschaft
Homer
Über diesen griechischen Dichter, sein Leben und Werk gibt es viele Spekulationen. Sein Geburtsort und seine Lebenszeit sind nicht eindeutig belegt, aber es wird vermutet, dass er im 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. lebte. Einige Quellen behaupten, er sei blind gewesen und wäre als Wandersänger durch Griechenland gezogen.
Die ihm zugeordneten Werke sind „Ilias“ und „Odyssee“. Er gilt als Schöpfer der Rhetorik (im weiteren Sinne) und erste bekannt gewordene Rhetorik-Beispiele von ihm sind Aufzeichnungen von Reden und Gesprächen (Beratungen, Versammlungen).
Ein Beispiel dafür ist die Homer´sche Schlachtordnung. In Erinnerung daran, wie Homer die Schlacht um Troja beschrieb, wird empfohlen, die eigenen Argumente nach dem folgenden Schema gut zu ordnen[3]:
Grundzüge der homerischen Schlachtordnung
- Frontale Aufstellung (Kräfte stehen sich zunächst linear gegenüber)-
- Kampf der Helden (Einzelkämpfe bzw. Schlacht wird durch Zweikämpfe entschieden, nicht durch taktische Überlegenheit)
- Anführer im Zentrum
- lose Gliederung der Kräfte unter Führung durch charismatische Persönlichkeiten
- symbolische Waffenordnung
Für die Rhetorik könnte das heißen:
- starkes Argument am Anfang;
- schwächeres Argument, um zu binden und zu ermüden;
- stärkstes Argument für den endgültigen Durchbruch.
Homiletik
griech. homilia – Rede vor dem Volk, Auslegung der Bibel als Predigt
Als wichtiger Teil der Theologie betrachtet die Homiletik Geschichte, Theorie und praktische Anleitung zur christlichen Predigt.[4]
Predigt – lat. praedicatio – öffentliche Bekanntmachung
Lehre und Studium der Homiletik sind vor allem darauf ausgerichtet, Bibeltexte hörerzentriert, verständlich und motivierend für die Kirchgemeinde vorgetragen werden.
Es ist eine große Zahl von Predigten über die Jahrhunderte schriftlich (Druckschriften, Internet usw.) erhalten geblieben. Die berühmteste dürfte wohl die Bergpredigt von Jesus sein. [5]
Im Internet stehen umfangreich Texte von Predigten zur Verfügung.[6]
Hypophora
rhetorische Figur: Frage, die der Redner sofort selbst beantwortet
Beispiel:
- Könnt Ihr denn das verantworten? Nein, das könnt Ihr nicht, weil …
- Was wissen wir darüber? Wir wissen, dass …
- Was wäre denn die Alternative dazu? Sie wäre gewiss ein schreckliches Chaos.
Vgl. auch rhetorische Frage
Humpty Dumpty
Diese Figur aus einem alten britischen Kinderreim (auch mit Humpelpumpel oder Goggelmoggel übersetzt) wurde durch Lewis Carroll in „Alice hinter den Spiegeln“ aufgegriffen. Alice diskutiert mit der wunderlichen Gestalt über Semantik (Lehre von der Wortbedeutung). Er philosophiert in egozentrischer Sichtweise:
„Wenn ich ein Wort benutze, dann hat es die Bedeutung, die ich ihm zu geben beliebe – nicht mehr und nicht weniger.“[7]
Damit betont er, dass sprachliche Ausdrücke oft subjektive Bedeutungen haben und individuell vielfältig interpretiert werden können.
Diese literarische Darstellung kann als Reflexion über Semantik und Bedeutungszuweisung verstanden werden: Carroll spielt darauf an, dass Sprache flexibel ist und dass Bedeutungen von Wörtern nicht immer festgelegt, sondern im jeweiligen Kontext auch durch individuelle Interpretation geprägt werden.
Humpty Dumpty kann auch als ironische Anspielung auf Willkür von Autorität und Macht im Zusammenhang mit Sprachmissbrauch und „schwarzer“ Rhetorik verstanden werden.
[1] Hier ist Rhodos, hier springe. [Beweise, was du kannst.]
[2] Online-Ausgabe: https://www.degruyter.com/view/db/hwro
[3] Braun, Roman: Die Macht der Rhetorik. Besser reden – mehr erreichen. REDLINE Verlag, München 2018
S. 73f.
[4] Engemann, W.: Einführung in die Homiletik. UTP Verlag, 2020
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Bergpredigt
[6] z.B. https://predigten.evangelisch.de/, https://predigtforum.com/
[7] Carroll, Lewis: Alice im Wunderland. Altberliner Verlag. Berlin 1985, S. 171
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