Ich bin o.k. – Du bist o.k.
Grundformel zur Transaktionsanalyse nach Eric Berne[2]
In der Matrix werden die möglichen kommunikative Grundeinstellungen aufgeführt. Daraus ergeben sich nicht zuletzt auch Konsequenzen für das eigene Verhalten, insbesondere aus rhetorischer Sicht.
Varianten:
- die Übereinstimmung der Partner (ggf. mit Kompromissen),
- die Behauptung der eigenen Meinung,
- das Eingeständnis eines eigenen Fehlers oder
- das Konstatieren der beiderseitigen Fehler
| Ich bin o.k. | Du bist o.k. | Idealzustand win-win |
| Ich bin o.k. | Du bist nicht o.k. | Schuldzuweisung |
| Ich bin nicht o.k. | Du bist o.k. | Schuldübernahme |
| Ich bin nicht o.k. | Du bist nicht o.k. | lose-lose-Situation |
Bei der kommunikativen Bewältigung von Problemen und Konflikten steht die Variante ich bin o.k. – Du bist o.k. im Vordergrund.
Ideale der Rhetorik in der Antike
- Logos (Wort, Logik) – im Sinne von Vernunft durch Rede und Gespräch,
- Ethos (Moral, Gesinnung, Wert) – die Überzeugungs- und Glaubwürdigkeit des Sprechers und
- Pathos (Gefühlsausdruck, Leidenschaft) – das emotionale Ansprechen der Zuhörer.
Die notwendigen Fähigkeiten dafür zu entwickeln ist immer noch eine aktuelle Forderung, zumal die Wirklichkeit voller kommunikativer Mangelerscheinungen ist. Bereits Goethe ließ seinen Studenten Wagner darüber stöhnen: „Allein der Vortrag macht des Redners Glück; ich fühl´ es wohl, noch bin ich weit zurück.“[3]
Diese Ideale der Rhetorik werden, insbesondere bei Berufen wie Politiker, Richter oder Lehrer, sehr häufig vorausgesetzt. Um größer ist die Frustration, wenn ein Politiker lügt, ein Richter parteiisch entscheidet oder ein Lehrer leidenschaftslos seinen Stoff abarbeitet.
Ideologie
griech. idea – Idee, Gedankengebäude, Wissenschaft; logos – Lehre, d.h. Ideenlehre, Weltanschauung
Damit ist im weiteren Sinne eine Lehre von den weltanschaulichen (politischen, rechtlichen, pädagogischen, künstlerischen, moralischen, philosophischen u.a.) Ideen und Konzepten in den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen mit ihren institutionellen Grundlagen gemeint.
Aus klassentheoretischer Sicht beschrieben z.B. Marx und Engels ein „falsches“ Bewusstsein, das zur Sicherung von Herrschaftsverhältnissen in einer Gesellschaft dient.[4]
Ideologien beinhalten bestimmte Anschauungen, die nicht zuletzt auch Macht- oder Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und dementsprechende Verhaltensnormen, Einstellungen und Werte einschließen. Insofern gibt es verschiedene Auffassungen von Ideologie und es wird z.B. nicht nur von politischer, sondern auch von religiöser Ideologie gesprochen.[5]
In der Gegenwart hat sich daraus aber auch zunehmend ein pejorativer (negativ belegter) Kampfausdruck entwickelt[6]
Es werden auch zahlreiche Berührungspunkte zur gesellschaftlichen Kommunikation und zur politischen Rhetorik deutlich.
Beispiele:
- Bleiben Sie doch mal sachlich, und lassen Sie die Ideologie weg. (= Angriff auf unbequeme Argumente der Gegenseite, Vorwurf einer wirklichkeitsfremden Auffassung)
- ideologische Polemik (Hass, Hetze, Verfolgungswahn) und Verschwörungstheorien[7]
Auch der Ausdruck „Schwarze Rhetorik“ kann in diesem Zusammenhang verstanden werden. Sie wirkt bewusst im Sinne einer Ideologie, stützt sich auf falsche Darstellungen und manipuliert.[8]
Ideologische Auseinandersetzungen sind kennzeichnend für unsere gesellschaftlichen Verhältnisse.
Idiom
griech. – feste Redewendung mit einer eigenständigen Bedeutung, aber auch eigentümliche Sprechweise oder Mundart
Beispiele:
- Lieschen Müller wird das wohl nicht verstehen. (= normaler, einfacher Mensch)
- Otto Normalverbraucher (= Mensch mit Durchschnittsbildung)
- Herr/Frau Mustermann (allgemeingültig in Verwaltungsdokumenten)
Damit wird mitunter auch ein ganz speziell mundartlicher Ausdruck gemeint:
- Piefke – österreichische Verspottung für Deutsche/Preußen
- Ich lasse mich doch nicht vergackeiern – sächsisch für hereinlegen
Interjektion
rhetorische Figur – lat. interjectio – Einwurf
in der Grammatik: Empfindungswort, Ausrufewort
Gesprochene Sprache wirkt nicht zuletzt auch durch (kurze) Ausrufe und lautmalerische Gefühlsäußerungen
Beispiele:
- Ah! (Überraschung, Staunen – Ah, das ist aber interessant!)
- Oh! (Verwunderung – Oh, wie schön!).
- Aua! (Schmerzenslaut)
- Pfui! (Ekel, Missbilligung – Pfui, das widerlich!
- Uff! (Erleichterung, Anstrengung)
Inversion
rhetorische Figur -lat. inversio – Umkehrung, Umstellung
Durch Veränderung der Wortstellung oder Vertauschen von Satzgliedern erfolgt ein Hervorheben (Akzent, Betonung, Nachdruck).
Beispiele:
- Hänschen klein
- Dir gebe ich diesen Rat – statt: Ich gebe dir diesen Rat (Subjekt – Prädikat – Objekt)
- Sah ein Knab´ein Röslein steh´n. – statt: Ein Knab´sah …
Interview
franz. entrevoir – einander sehen, sich begegnen, entrevue – verabredetes Treffen, Zusammenkunft zum Informationsaustausch
Ein Interviewer (oft ein Journalist) führt mit einer Persönlichkeit ein mehr oder weniger geplantes Gespräch, um für die Öffentlichkeit Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Wünsche, Einstellungen, Motive usw. zu ermitteln.[9]
Beispiele:
- Zeitungs-, Rundfunk- oder Fernsehinterview
- (forensisches) Verhör
- Vorstellungsinterview (Personalführung)
- Erhebungsgespräch/Exploration (Forschung)
Ein Interview lebt vor allem vom ganz persönlichen Frage-Antwort-Verhalten der Partner.
Induktion
Begriff der Logik: wichtigste Art reduktiver (zurückführender) Schlüsse: Konklusion (logischer Schluss) vom Einzelnen über das Besondere zum Allgemeinen
- aufzählende (vollständige, lückenlose) Induktion
- ausschaltende Induktion
Reduzieren – Zurückführung einzelner Erscheinungen auf ein Allgemeines, eine Gesetzmäßigkeit
Ggs.: deduzieren – Herleitung des Besonderen aus dem Allgemeinen, Beweis
Methode der vollständigen Induktion in der Mathematik:
1. Induktionsanfang: Man zeigt die Behauptung für n = 1.
2. Induktionsschritt: Man nimmt an, die Aussage sei für ein gewisses nichtpräzisiertes n ∈ N wahr und zeigt davon ausgehend die Aussage für n + 1
Beispiele:
- Mathematik: Wenn eine Aussage für die natürliche Zahl n=1n = 1 gilt und bewiesen werden kann, dass sie für nn stets auf die nächstgrößere Zahl n+1n+1 übertragen werden kann, dann gilt sie für alle natürlichen Zahlen.
- Physik: Nach mehreren Experimenten stellte man fest, dass Wasser bei 100°C unter Normaldruck verdampft – das entspricht dann einer allgemeinen physikalischen Regel.
- Alltagsdenken: Wir hatten seit Sonntag bis heute immer schönes Wetter. Das werden wir dann gewiss auch morgen haben.
Invention
lat. inventio – Erfindung
In der Musik kurzes zwei- oder dreistimmiges Klavierstück.
In der Rhetorik handelt es sich um den ersten Entwicklungsschritt (Ideenfindung, ursprüngliche Idee) einer Argumentation bzw. die erste der Erstellungsphasen einer Rede.
Beispiel:
- Lassen Sie mich zu Beginn eine These aufstellen…
Information
Vom Sender gehen, meist auf verschiedenen Kanälen (Gehör, Sehen, Fühlen usw.), Informationen (Mitteilung, Auskunft, These usw.) aus, die für den Empfänger relevante Signale sind.
Unterscheide zwischen:
- Anlass,
- Kanäle,
- Inhalte (Informationen, Nachrichten, Signale) und
- Folgen von Informationen in einem bestimmten Kontext (kommunikative Umgebung)
Vgl. Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver.
Mögliche Formen von Informationen:
- verbal: Ideen, Zitate aus Buchtexten, Artikel, Webseiten
- visuell: Bilder, Diagramme, Karten, Gesten u.a. Körpersignale
- auditiv: Sprachsignale, Musik, Geräusche
- digital: Daten, Bits und Bytes
| Informationen sind die Inhalte von Nachrichten, währenden Signale ihre Art und Weise (Verpackung) sind. | |
Intention
lat. intentio – zweckbestimmte Absicht, zielgerichtetes Vorhaben
Aussageabsicht, die ein Redner (Sender→) entwickelt. Sie ist die vorbereitete oder intuitive (Intuition = Eingebung, ahnendes Erfassen) Voraussetzung für die Konzeption und Umsetzung der Rede.
Intonation
lat. intonare – anstimmen, ausrufen, mit donnernder Stimme
Die Intonation ist eine sinngebende Variation unterschiedlicher Faktoren beim Sprechen wie z.B.
- Stimmhöhe,
- Stimmkraftansatz und Lautstärke,
- Sprechrhythmus (Akzente, Tempo),
- Pausierung des Atmens usw.
Wenn es im Volksmund heißt, der Ton mache die Musik, betrifft das weitergefasst solche Phänomene wie Satzmelodie, Akzentuierung (Sätze, Worte) und sprecherisches Engagement.
Die Intonation kommt besonders in der sprechkünstlerischen Kommunikation zu Ausdruck.
Beispiele:
- Ausdrucksweise der Sprecher (Ansager, Kommentatoren) in Rundfunk und Fernsehen,
- Bühnensprache
- Lyrik (Gedichte).
- Musik (Lieder).
Intuition
lat. intuitio – unmittelbare Anschauung, Eingebung, Ideenfindung
Beispiele:
- Moment, da kommt mir folgende Idee…!
- Wussten Sie übrigens, dass …?
- Da fällt mir doch gerade noch ein …
Ironie
griech. eironeia – erheuchelte Unwissenheit, Verstellung, ausgenutzte Doppeldeutigkeit
lat. ironia – feiner, verdeckter Spott
Das ist eine Aussage, die eigentlich etwas anderes meint, als das tatsächliche Gesagte. Damit wird eine beabsichtigte Aussage bewusst ins Gegenteil verkehrt. Die Absicht dafür kann humorvoll, aber auch böswillig und hinterhältig sein.
Beispiele:
- Das ist aber nett. – Gemeint ist: Das mag ich überhaupt nicht.
- Der feine Herr… – Gemeint ist eine Person, die alles andere als anständig ist.
- Von Ihnen habe ich nichts anderes erwartet.
Isokrates
436 – 338 v.Chr.,griech. Philosoph und Rhetoriker
Von ihm soll die Aussage stammen: „Keine Errungenschaft ist ohne die Mitwirkung der Sprache gelungen. Die Fähigkeit der Rede ist das wichtigste Zeichen menschlicher Vernunft.“
Isokrates hatte im antiken Griechenland großen Einfluss auf die Entwicklung der Rhetorik und das Bildungswesen. Obwohl er selbst möglicherweise weniger als öffentlicher Redner auftrat, verfasste er zahlreiche politische und ethische Schriften. Seine Werke und Lehrmethoden beeinflussten viele seiner Schüler (z.B. Timotheos, Isaios, Ephoros), welche bedeutende Persönlichkeiten wurden.
Er gründet in Athen eine Rhetorik-Schule, in der junge Männer zu praktisch denkenden, staatsbürgerlich verantwortlichen Rednern ausbildet wurden. Seine berühmte Rede Antidosis gilt als eine Art Schulprogramm, in dem er seine pädagogischen Grundsätze darlegte. Dabei stand er in Rivalität mit der Schule Platons.
[1] Die Bibel, Neues Testament, Johannes 1,1
[2] Harris, T. A.; Harris, A. B., S. 60ff.
[3] Goethe, J. W.: Faust. Erster Teil. Insel Verlag, Leipzig 1967, S. 148
[4] Marx, K.; Engels: Die deutsche Ideologie. In Marx-Engels-Jahrbuch 2003
[5] Buchnik, D.: Warum wir Familie und Freunde an radikale Ideologien verlieren – und wie wir sie zurückholen können. Rowohlt Polaris Verlag. Hamburg 2022
[6] Rettler 2018, S. 51
[7] Bock, S.; Schubarth, W.: Basiswissen Verschwörungsmythen. Ein Leitfaden für Lehrende und Lernende. Verlag W. Kohlhammer. Stuttgart 2022
[8] Jachtchenko, Wladislaw: Schwarze Rhetorik. Manipuliere, bevor du manipuliert wirst. Goldmann Verlag, München 2018
[9] Thiele, Christian: Interviews führen. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz/ München, 2013
S. 13
Hinterlasse einen Kommentar