Manieren
lat. manus; franz. main – Hand, manierlich
Unter Manieren (Art und Weise, Eigenart) versteht man allgemein-gesellschaftlich geprägte Umgangsregeln (Verhaltenskodex für die Öffentlichkeit bzw. in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen (z.B. Beruf, Politik).
Im 18. Jahrhundert gab Freiherr von Knigge eine Sammlung von Verhaltensregeln [1]heraus, die natürlich stark vom Menschenbild und den Standesdünkeln seiner Zeit geprägt war und die heute oft sehr widersprüchlich erscheinen. Der Begriff „Knigge“ ist allerdings noch gebräuchlich, wenn es um ein angemessenes Verhalten geht.[2]
Prinzipien des Grundgesetzes wie Unantastbarkeit der Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichberechtigung, Glaubens- und Meinungsfreiheit bestimmen weitgehend die Beziehungen der Menschen untereinander.
Vgl. Watzlawick: 2. Axiom – Beziehung geht vor Sachebene
Schwerpunkte im Zusammenhang mit der Rhetorik sind u.a.
- zielgruppenorientierte Kommunikationsformen und partnergerechter Stil in Auftreten und Sprache;
- passende Anreden (Duzen, Siezen usw.);
- Grundsätze des gesprochenen Dialogs (Gespräch, Telefon, Videobotschaft usw.) und der Korrespondenz (Brief, Anzeige, E-Mailing, Bloggen usw.);
- angemessenes Verhalten bei Vorträgen und Gesprächen, im Rahmen von Sitzungen, Interviews. Videobotschaften u.a.m.
Im digitalen Informationszeitalter ergeben sich zusätzliche Erfordernisse für den Umgang miteinander, wie z.B. Rückmeldungsgebot bei E-Mails oder das Verbot von Hetze, Lüge (Fake News), Rassismus usw. im Netz. [3]
Beispiele:
- allgemein anerkannte Regeln der Höflichkeit und gegenseitigen Achtung;
- interkulturelle Kommunikation (z.B. Diplomatenstil);
- Corporate Communication (unternehmensspezifische Kommunikation);
- Netiquette (Verhalten im Internet).
Meister Eckhart
Eckhart von Hochheim, der von 1260 bis 1328 in Thüringen lebte, wurde auch Meister Eckhart genannt und war ein spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph, Dominikaner, Mystiker. Wegen angeblicher Abweichungen von der Rechtgläubigkeit (Häresie) wurde er durch die Inquisition angeklagt.
Seine Predigten, von denen über 100 schriftlich überliefert sind, müssen in seiner Zeit auch rhetorisch sehr beeindruckend gewesen sein. [4] Er lieferte zudem wichtige Beiträge zur philosophischen Fachsprache. Ein Beispiel ist das Traktat – Reden der Unterweisung (Erfurter Reden, mittelhochdeutsch):
„Daz kreftigeste gebet und vil nâch daz almehtigeste, alliu dinc ze erwerbenne, und daz aller wirdigeste werk vor allen dingen, daz ist, daz dâ gât ûz einem ledigen gemüete. Ie lediger daz ist, ie daz gebet und daz werk kreftiger, wirdiger, nützer und lobelîcher und volkomener ist. Daz ledige gemüete vermac alliu dinc.“ [5]
Sein wichtigstes Ziel war es, eine konsequent spirituelle Lebenspraxis zu verbreiten.[6]
Ausgewählte Zitate:
- „Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört.“
- „Hast du dich selber auf die rechte Art lieb, so hast du alle Menschen lieb, wie dich selbst.“
- „Gott ist allen Kreaturen gleich nahe.“
Mensch-Computer-Interaktion (MCI)
MCI hat, im Sinne des Kommunikationsmodells (Watzlawick) und der KI-Forschung, Ähnlichkeiten mit der zwischenmenschlichen Kommunikation, obwohl der Mensch in seinen Eigenschaften prinzipiell anders ist als ein Computer.[7]
Vgl. auch Turing-Test, der zeigen soll, ob eine Maschine in der Lage ist, menschliches Kommunikationsverhalten so überzeugend zu imitieren, dass ein menschlicher Gesprächspartner nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit einem Menschen oder einer Maschine spricht.[8]
Im Interesse der Rhetorik zeigen sich zunehmend Berührungspunkte wie
- Texterarbeitung – bzw. – überarbeitung (Verständlichkeit, Stilistik, Storytelling usw.),
- Übersetzungen,
- inhaltliche Recherchen und Quellenforschung,
- Kommunikationstraining und -optimierung usw.
Ein zunehmendes Problem besteht darin, dass Texte und Performances weitgehend technisch nachgeahmt und verfälscht werden können.
Vgl. auch Künstliche Intelligenz (KI; AI).
Mehrabian-Formel
Der iranisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler Albert Mehrabian (geb. 1939) formulierte die Regel, dass 93% der eigenen Kommunikation nonverbal und paraverbal sind. Daraus wurde die teilweise umstrittene Formel für die Nachhaltigkeit in der Rhetorik aus dem relativen Wirkungsverhältnis (Studien 1967/71) von drei Faktoren (visuell, auditiv, verbal) abgeleitet. Demnach sind 55% der nachhaltigen Wirkungen auf den Körperausdruck, 38% auf die Stimme und nur 7% auf den Inhalt zurückzuführen.
Diese inkorrekten Annahmen und ihre Ausdeutung führt in vielen Fällen zu einer starken Überschätzung von Stimme und Körpersprache gegenüber dem Inhalt, wobei in vielen Fällen das Gegenteil einzutreten scheinen.
Zutreffend ist, dass unsere Verständigungsfähigkeit auch in hohem Maße von unseren Emotionen abhängig ist. Und so macht auch dabei der Ton die Musik.
Im Kommunikationstraining wird das Modell mitunter zur Orientierung genutzt.
Beispiele:
- Was sollte ich tun, wenn meine Stimme bei schlechter Raumakustik oder Umgebungsgeräuschen nicht ausreicht? – Mikrophon, Gestik, visuelle Mittel
- Was ist machbar, wenn dem Partner meine Körpersprache nicht sichtbar bzw. schlecht ausdeutbar ist? (Telefonübertragung, Partner ist blind, Raum ist zu dunkel usw.) – langsamer und bewusst deutlich sprechen, Akzentuierung verstärken
Manipulation
lat.. manus – Hand, manipulus – eine Hand voll, etwas in der Hand haben; franz. – geschickte Handhabung, Kunstgriff, Machenschaft, in eine bestimmte Richtung lenken[9]
Die bewusste Beeinflussung von Handlungsweisen durch sprachliche Mittel[10] wird Manipulation genannt. Bereits Aristoteles hat vor der Gefahr gewarnt, die Rhetorik für die Persuasion von Menschen, d.h. die Rede als Überzeugungsmittel, zu nutzen.[11]
vgl. Persuasion→ – Überredung, Überzeugung, Einstellungsänderung durch Kommunikation[12]
Manipulation wird möglich durch
- den Charakter und die speziellen Fähigkeiten des Redners;
- das Anknüpfen an gewisse Stimmungen und Bedürfnisse der Hörer und
- die Rede selbst (durch Beweisen oder scheinbares Beweisen).
Vgl, auch Schwarze Rhetorik[13] als hinterhältige, feindselige, subversive Techniken und das Ausblenden von Logik (Täuschung).
Manuskriptrede
Eine Rede auf Grundlage einer schriftlichen Vorbereitung des Textes (Manuskript), der wortwörtlich und mit dem erforderlichen Pathos vorgetragen (abgelesen, deklamiert) wird.
Andere Möglichkeiten sind
- freie Rede (auf Grundlage von Stichworten, Skizzen usw.) weitgehend flexibel entwickelt und
- Stegreifrede, die in der Situation quasi ohne Vorbereitung improvisiert wird.
Vorteile der Manuskriptrede sind:
- Ausformulierter Text schafft Sicherheit.
- Planbarkeit der Ausdrucksweise, des zeitlichen Ablaufes und der medialen Unterstützung werden möglich.
- Schafft die Voraussetzungen für ein Redner-Training.
- Dass Manuskript kann aufbewahrt und später weiterbearbeitet werden.
Achtung! Goethe lässt in seinem „Faust“ den Mephistopheles sagen: „Was Du schwarz auf weiß besitzt, kannst Du getrost nach Hause tragen“. Das ist und bleibt gerade aus er Sicht der Rhetorik ein „teuflischer“ Ratschlag! Bei schlechter Vortragsweise (stupides Ablesen) nützt auch oft der beste Text oft nicht viel.
Grundsätze:
- Gute schriftliche Vorbereitung braucht auch geeigneten Vortrag (Deklamation, kunstgerechter Vortrag).
- Schriftliche Ausarbeitung kann gut sein, um den Inhalt zu vertiefen. Als ein weiterer Bearbeitungsschritt ist das Umsetzen in Stichworte zu empfehlen.
- Gut lesbarer, optisch zweckmäßig strukturierter Text durch Schriftgröße, Druckschrift, Zwischenüberschriften usw. erleichtert den dynamischen Vortrag.
- Streiche alles, was nicht dringend erforderlich ist. Am Schluss kann eine Reduzierung bis zum Stichwort-Manuskript führen.
- Kürze die Sätze rigoros. Verständlich lässt bei mehr als 15 Wörtern pro Satz deutlich nach.
- Hebe die wichtigen Gedanken hervor durch:
Größe, Fettdruck, Farbe, Position auf der Seite, Einrahmung usw.
- Variiere die Satzmelodie und den Rhythmus. Das kann durch individuelle Zeichen erfolgen: Unterstreichung, farbliche Hinterlegung, Kennzeichnungen zur Pausierung.
- Vermeide nach Möglichkeit komplizierte Fremdwörter, Komposita (zusammengesetzte Substantive), zu viele Namen, Zahlen und Maßeinheiten usw.
- Bei einem Sprechtempo vom 90 – 120 Wörtern pro Minute (deutsche Sprecher) braucht man für eine maschineschriftliche Manuskriptseite etwa 2,5 bis 3,5 Minuten (Vorsicht! Keine „Improvisationshefe“!)
Marshall McLuhan
1911 – 1980 in Toronto
Der kanadische Philosoph und Kommunikationstheoretiker wurde vor allem durch seine Medientheorie bekannt. Sie prägte die Diskussion über Medien und deren Einfluss auf die Gesellschaft maßgeblich.
Seine wohl berühmteste Aussage lautet: “Das Medium ist die Botschaft”. D.h., dass das Medium, über das eine Nachricht übermittelt wird, genauso wichtig ist, wie der Inhalt der Nachricht selbst.
Von ihm stammt auch der Begriff “globales Dorf” (Global Village), der zum Ausdruck bringt, dass die virale Ausbreitung von Nachrichten über Medien einen vernetzten, interaktiven Raum entstehen lässt, in dem theoretisch jeder alle an beliebigen Orten erreichen kann.
So erklären sich auch die Auswirkungen von Medien auf die menschliche Wahrnehmung und Gesellschaft (The Gutenberg Galaxy, 1962) und die Kommunikation des modernen Informationszeitalters.
Medien
lat. medius – in der Mitte befindlich, medium – Mittler, Kommunikationsmittel
Es gibt heute zahlreiche Kanäle und materiell-technische Mittel für die Kommunikation
Die moderne Rhetorik untersucht deshalb nicht zuletzt auch die bestmögliche Nutzung von Medien mit dem Ziel, die Kommunikation unter gegebenen/geschaffenen Bedingungen zu optimieren.
In diesem Sinne sprechen wir von
- der Sprache als Medien menschlicher Kommunikation,
- Übertragungsmedien (z.B. Zeitung u.a. Schriftgut, Internet usw.),
- Veranschaulichungsmedien (z.B. Bilder, Symbole, Fotos, Videos),
- Unterstützungsmedien (z.B. Notizzettel, Mikrofon und Lautsprecher, Projektor),
- elektronisch-technischen Medien (z.B. PC/Laptop/Tablet, Rundfunk, Fernsehen, Film usw.).
Massenmedien, welche die Kommunikation mit großen, oft unüberschaubaren Gruppen von Menschen ermöglichen, nutzen vielfältig:
- Printmedien,
- Funkmedien (Rundfunk, Fernsehen),
- digitale Medien und Internet (E-Mail, Webseiten, soziale Netzwerke, Programme der KI).
Medien für die rhetorischen Nutzung
- Mikrophon und Lautsprecher
- Megaphon (auf Straßen und Plätzen)
- Tafel, Flipchart,
- Laptop,
- Teleprompter (z.B. im Video-Studio)
- Projektor,
- Präsentationssoftware (z.B. Power Point),
- Radio, Fernsehen, Videotechnik (als Übertragung).
Metapher
griech. methaphora – Bedeutungsübertragung, bildhafter Ausdruck, anschaulicher Vergleich
Rhetor. Stilfigur, die Vielfältigkeit, Originalität und Verständlich verbessern soll.
Beispiele:
- Schmetterlinge im Bauch, Sturm im Wasserglas, Haupt der Familie
- Wir müssen die Kuh vom Eis kriegen.
- Er redet wie ein Wasserfall.
Metakommunikative Axiome (nach Paul Watzlawick[14])
Allgemeinste Aussagen, quasi Kommunikation über Kommunikation:
- Wahrnehmung ist elementare Voraussetzung zwischenmenschlicher Kommunikation. Der darauf beruhende wechselseitige Austausch von Mitteilungen ist Interaktion (Verhalten). Deshalb kann man nicht nicht kommunizieren. Es gibt kein Nicht-Verhalten sobald man sich wahrnimmt.
Beispiele:
- Mein Zuhörer schaut mir ins Gesicht und reagiert (unbewusst) mimisch und gestisch auf meine Aussagen.
- Mein Zuhörer blickt versonnen in die „Ferne“. Das kann bedeuten, dass er nicht zuhört und ich ihn meine Aussage nicht interessier.
- Ebenen: Sach- und Beziehungsebene – Kommunikation geht immer zur Sache und baut gleichzeitig eine Beziehung auf. Die Beziehungsebene ist dominant.
Beispiele:
- Mein Freund ist ein Vorbild für mich. Ich folge ihm, auch wenn mir die Sache nicht geheuer erscheint.
- Ich habe kein Vertrauen zu einer Person, und deshalb bleiben mir deren Aussagen zuverlässig.
- Wirkungen: Kommunikation ist die Abfolge von Aktivitäten in der zwischenmenschlichen Kooperation… deren Charakter durch Interpunktionen[15] bestimmt wird.
Beispiele:
- Volksmund: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
- Nachbarn streiten sich solange, bis einer keinen Anlass mehr liefert und klein beigibt.
- Digital (eindeutig, Zahlen) und analog (vergleichend, ausdeutbar) sind die nebeneinander existierenden Grundformen (Modalitäten) menschlicher Kommunikation.[16]
Beispiele:
- 1 + 1 = 2 (digital)
- Ein Mann und eine Frau könnten eine Ehe eingehen (analog), wenn sie sich als Partner verstehen und die Ehe als ihre Lebensbeziehung definieren.
- Rollenverständnis und -akzeptanz: Symmetrisch ist die Kommunikation, wenn die Partner kommunikativ gleichberechtigt sind. Komplementär ist sie, wenn es unterschiedliche Verantwortungen der Partner im Kommunikationsprozess gibt.
Beispiele:
- Patriarchat: Der Vater hat in der Familie das Sagen. (komplementär)
- Vater und Mutter achten sich und haben die gleichen Rechte und Pflichten in der Familie.
Vgl dazu auch das Kommunikationsmodell nach Shannon und Weaver (Sender-Empfänger-Modell).[17]
Miller´sche Zahl 7+/-2
Nach Georg Miller bietet das Kurzzeitgedächtnis nur Kapazitäten für etwa 7 Informationen (Chunks), die gleichzeitig bearbeitet und gespeichert werden können (Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis). Das ist u.a. ein Grund für die Flüchtigkeit der gesprochenen Sprache für den Zuhörer, auf die sich die direkte, interpersonelle Kommunikation einstellen muss.
Unter bestimmten Bedingungen wie z.B. im Journalismus, in der Bildung oder in der Kultur nutzt man deshalb vielfältige Möglichkeiten (Medien) zur besseren Speicherung und Übertragung von Informationen
Beispiele:
- Manuskriptrede,
- Mitschrift der Zuhörer von Reden,
- visuelle Unterstützung von Reden wie Körpersprache, Tafelskizzen, Projektionen.
Eine Gestaltungsgrundsatz für Power-Point-Folien lautet deshalb auch, dass man nicht mehr als 7 Gedanken (z.B. Überschrift – 7 Aufzählungen – Schluss) auf eine Folie bringen soll (9er-Formel).
Metrum
Wiederholt in der Lyrik, aber auch in der Rhetorik, auftretende rhythmische Einheit, durch die Abfolge von betonten und unbetonten Silben (Hebungen [x] und Senkungen [-] als Schema innerhalb von Versen) gekennzeichnet ist.
Beispiele:
- Jambus (x-x-x),
- Trochäus (-x-x-),
- Daktylus (-xx-xx) und
- Anapäst (xx-xx-).
Die Lehre von den Bauprinzipien und Regeln des Verses nennt sich Metrik. [18]
Moderne Rhetorik
In der Antike verstand man unter Rhetorik vor allem die Kunst der Rede, bei der idealerweise Absichten und Ausdruck des Redners übereinstimmen. Dabei kam es vor allem auf die Abhandlung klarer Schritte an:
- inventio – Auffinden des Stoffes,
- dispositio – Anordnung des Stoffes,
- elocutio – stilistische Gestaltung der Rede,
- memoria – Einprägen der Rede,
- actio – Vortragskunst
Als die Säulen der Rhetorik wurden angesehen:
- Pathos (die schöne Rede)
- Ethos (die authentische Rede) und
- Logos (die wahre Rede).
Nach der Antike war Rhetorik bis ins 19. Jahrhundert vor allem die Lehre von Dichtkunst (synonym zu Stilistik, Poetik).[19]
Seit dem 20. Jahrhundert wurde Rhetorik vor allem zur pragmatischen Lehre für die Redegestaltung und Gesprächsführung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, d.h. zur Theorie und Praxis für die Optimierung interpersoneller Kommunikation in Lehre, Beruf, Wissenschaft usw.
Ueding: „Die Rhetorik ist eine Erfahrungswissenschaft, denn man kann die Ursache untersuchen, weshalb die einen Erfolg erzielen auf Grund der Gewohnheit, die anderen durch Zufall; alle möchten aber wohl zugeben, dass etwas derartiges bereits Aufgabe einer Theorie ist.“ – Produktionslehre von menschlicher Rede und zugleich sprachliche Auslegungskunst[20]
Der Ausdruck Rhetorik wird im Alltag oder im Journalismus heutzutage oft negativ bewertet und mit Bezug auf bestimmte Inhalte tendenziell oder sogar falsch ausgelegt. (z.B. Kriegs-Rhetorik, Trump´s Rhetorik, Manipulation, leeres Geschwätz)
Im Duden heißt es „Redekunst, Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung der Rede“.[21] Heute wird sie häufiger als die Theorie und Praxis zur Optimierung der interpersonellen Kommunikation definiert.
Monolog
griech. monos – allein, logos – Rede
Selbstgespräch, bei dem ein Erzähler seine Gedanken und Gefühle darstellt. In der Rhetorik nicht zu verwechseln mit einseitiger Kommunikation (relativ feststehende Sender.-Empfänger-Beziehung), sondern eher als rhetorische Figur bzw. Technik.
Beispiele:
- Und das sagte ich mir: Was soll denn daraus werden? Was kann ich noch tun?
- Faust: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißen Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor…“[22]
Gegensatz: Dialog
Münchhausiade
Dieses Wort bezieht sich auf eine umfängliche Satire gegenüber dem Adel in der Sturm-und-Drang-Literatur im 19. Jahrhundert. Das geht insbesondere auf die umstrittene Person des Freiherrn Friedrich Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) zurück. Die Geschichten über ihn wurden von Rudolf Erich Raspe (1736 – 1794) gesammelt und veröffentlicht, wodurch die Figur des „Lügenbarons“ entstand.[23] Sie ist kennzeichnet durch Schwänke, Schwindeleien sowie ausschweifende und unglaubwürdige Narrative.
Der Name wird noch heute verwendet, wenn jemandem, der zweifellos über Eloquenz und Erzählertalent verfügt, fragwürdig in Erscheinung tritt und ihm bewusste Lügen Aufschneiderei nachgesagt werden können.
Der Begriff Münchhausen-Syndrom bezieht sich auf eine psychische Krankheit, bei der Betroffene Beschwerden oder Krankheitssymptome erfinden und sich damit als sehr dramatisch präsentieren.
Murphys Gesetz
amerik. Shit happens. – „Alles, was schief gehen kann, geht auch schief.“[24]
Diese Aussage geht auf den US-amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy Jr. zurück, der sie in den 1940er Jahren in der Praxis zu erleben glaubte. Das gehäufte und scheinbar folgenschwere Auftreten von Problemen, Pech und Missgeschick wird noch heute sprichwörtlich verwandt und satirisch ausgedeutet.
Diese Erscheinung ist allerdings nicht wissenschaftlich und als allgemeingültige Wahrheit zu belegen. Vielmehr beruht sie auf kognitiven Verzerrungen (Einbildungen), vielleicht weil wir uns besonders an Ereignisse erinnern und glauben, dass da scheinbar ein Gesetz bestätigt wird.
Murphys „Gesetz“ könnte für die Rhetorik lauten: Alles, was ein Redner falsch machen kann, macht er auch falsch.
Beispiele:
- Stichwortzettel vergessen bzw. verwechselt,
- „roter Faden“ gerissen“ = fehlender logischer Ansatz, Blackout,
- Freud`sche Fehler = ungewollt eine oft unbequeme Wahrheit gesagt,
- Kognitive Dissonanz = widersprüchliche Wahrnehmungen,
- Versprecher und Missverständnisse unterschiedlicher Art treten auf,
unbequemer Zwischenrufer
[1] Knigge, A. von: Über den Umgang mit Menschen. Anaconda Verlag, Köln 2011
[2] Der Deutsch-Knigge. Sicher formulieren sicher kommunizieren, sicher auftreten. Dudenverlag, Mannheim-Leipzig-Wien-Zürich 2008
[3] Sack, Adriano: Manieren 2.0. Stil im digitalen Zeitalter. Piper Verlag, München, Zürich 2007
[4] Meister Eckhart: Mystische Schriften
[5] Erfurter Reden – Mittelhochdeutscher Text
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart
[7] Lenke, Nils; Lutz, Hans-Dieter; Sprenger, Michael: Grundlagen sprachlicher Kommunikation. Wilhelm Fink Verlag, München 1995, S. 255 ff. und 303 ff.
[8] Lenzen, Manuela: Künstliche Intelligenz: Was sie kann & was uns erwartet. C. H. Beck Verlag, München 2023, S. 27 f.
[9] DUDEN. Das Herkunftswörterbuch
[10] Rettler, 2019
[11] Aristoteles: Rhetorik, 2. Kapitel, S. 13
[12] Koeppler, S. 2
[13] Bredemeier 2002, Jachtschenlo
[14] Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Neunte, unveränderte Auflage. Verlag Hans Huber, Bern u.a. 1996, S. 50 ff.
[15] Satzzeichen zur Verdeutlichung syntaktischer Strukturen wie z.B.: Punkt, Komma, Semikolon, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Klammern, Apostroph, Asterisk, Auslassungspunkte
[16] Unterscheide digitale Modalitäten der zwischenmenschlichen Kommunikation von digitaler Technik zur Kommunikation (Computer usw.).
[17] Watzlawick, Paul; Beavin, Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Neunte, unveränderte Auflage. Verlag Hans Huber, Bern u.a. 1996
[18] May, Yomb: Literarische Grundbegriffe. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2012, S. 92
[19] Conrad, R. Hrsg.): Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig, 1985, S. 199
[20] Ueding, S. 119
[21] DUDEN. Die deutsche Rechtschreibung. 28. Auflage. Dudenverlag Berlin, S. 956
[22] Goethe, J. W.: Faust. Erster Teil, Insel Verlag, Leipzig 1967, 143
[23] https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Erich_Raspe
[24] Arthur Bloch: Gesammelte Gründe, warum alles schief geht, was schiefgehen kann. Goldmann Verlag, München 1077
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