Was soll denn das, Herr Watzlawick?

Wahrheit

Die Übereinstimmung einer Aussage mit dem durch sie behaupteten Sachverhalt[1] nennen wir Wahrheit. Ohne die Wahrheit und ihre unmittelbaren Verwandten -Original, Echtheit, Authentizität – würde dem Leben jede Orientierung fehlen.[2] Allerdings treten in Theorie und Praxis auch immer wieder Unwahrheiten auf: Irrtümer, Fehlschlüsse, unbewiesene Plausibilitäten, bewusste Lügen usw., die es zu entlarven und zu entkräften gilt. Das heißt auch, dass Rhetorik nicht zwangsläufig zur Wahrheit führt. Darauf wies bereits Aristoteles hin und nannte sie die Methode der Überzeugung durch Beredsamkeit.[3]

Ein möglicher, grundsätzlicher Weg zur Wahrheit ist die Einheit von Rhetorik und Logik. Mit Blick auf die Rhetorik lässt sich Wahrheit überzeugend darstellen (Überzeugungsrhetorik) und herbeireden (Überredungsrhetorik). Das stellte vor allem Chaim Perelman in seiner „Neuen Rhetorik“ dar. In ihrem Mittelpunkt steht seine Argumentationstheorie, deren Ziel Vernünftigkeit ist.[4]

Chaim Perelman: „Wir schlagen …vor, eine Argumentation überredend zu nennen [Sic!], wenn sie nur bei einer partikulären Hörerschaft gelten soll, und sie überzeugend zu nenne, wenn sie mit dem Geltungsanspruch auf Zustimmung bei allen vernünftigen Wesen verbunden ist.“[5]

Die [formale] Logik hingegen entwickelt eine Gewissheit, die keiner weiteren Beweisführung bedarf. Logik ist Metadenken, d.h. Denken über Denken. Sie beschäftigt sich mit Begriffen und deren Beziehungen in Form von Schlüssen.

Wahrheitswertetabelle

Die Aussagenlogik verknüpft Aussagen (Prämissen) durch Operationen der formalen Logik und führt sie zu den Gesamtaussagen wahr oder falsch (Wahrheitswerte).

Die daraus aufgestellte Tabelle aller möglichen aussagelogischen Zuordnungen nennt sich Wahrheitswertetabelle.[6]

Das gilt für den Zustand der Konjunktion, d.h. A und B sind wahr. Die Wahrheitswertetabelle lässt sich aber durch weitere Operationen vergrößern wie z.B.:

  • Tautologie (A und B sind immer wahr),
  • Alternative (entweder A oder B ist wahr),
  • Äquivalenz (A ist wahr wenn B auch wahr ist),
  • Postsektion (A ist wahr ohne B),
  • Antilogie (weder A noch B ist) u.a.m.

Anmerkung: Noch tiefer auf die Logik einzugehen, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen.

Wiederholung

Als Stilfigur werden Wiederholung ziemlich häufig angewandt. Die mehrfache, gleiche Nutzung eines Ausdruckes bzw. eines Satzes, soll eindringlich und nachhaltig wirken.

Beispiele:

  • Anapher (Wortwiederholungen am Satz- bzw. Reimanfang),
  • Epipher /Wortwiederholungen am Satz- bzw. Reimende).

Wissenschaft

Rhetorik kann sowohl als Wissenschaft als auch als Wissenschaftsdisziplin gesehen werden.

  • Als Wissenschaft entstand sie bereits in der Antike. Dort wurde sie aus der Kunst der Rede, vor allem durch Aristoteles, zur Theorie der Rhetorik entwickelt, die sich durch die Verknüpfung mit Ethik und Politik zu einer staatswissenschaftlichen Disziplin und einem festem Bestandteil der frühen Hochschulbildung (Septem artes liberales) etablierte.
  • Heute ist die Rhetorik interdisziplinär und multimedial zu sehen (Philosophie, Soziologie, Psychologie, Pädagogik usw.). Sie betrachtet und befördert theoretische und praktische Aspekte in verschiedener gesellschaftlichen Bereichen (Politik, Bildung, Wissenschaft usw.) und dient vor allem zur Optimierung zwischenmenschlicher Kommunikation. Nicht zuletzt ist sie auch mit der Digitalisierung gesellschaftlicher Prozesse bis hin zur künstlichen Intelligenz verbunden.
  • Zur Gegenstandsbestimmung und Zielausrichtung gehören öffentliche Meinungsbildung, Persönlichkeitsentwicklung und Menschenführung sowie politische und unternehmerische Präsentation und Kooperation. Damit ist sie vor allem auch Teilgebiet der Sprachwissenschaft (Sprechwissenschaft, Sprecherziehung) und der modernen Kommunikationswissenschaft.

Witz

Viele Menschen mögen Witze, weil sich damit Spannungen lösen lassen, sich Beziehungen auf humorvolle (komische) Weise entwickeln können und im Rahmen längerer Kommunikationsaufgaben originelle Pausen entstehen. Fröhlichkeit, Esprit und Spott gehen dabei oft gemeinsam einher. Allerdings sollten wir immer aufpassen, nichts zu übertreiben. Witz zu erzählen erfordert meist ein gewisses Talent. Aber sie können auch als rhetorische Trainingsmethode gelten. Kompetente Witzeerzähler sind in er Regel auch gute Redner schlechthin. Aber der Witze haben oft auch eine markante Struktur, wie sie die Rhetorik nun mal verlangt.  Als typischer Aufbau kann gelten:

  • Animation (Anmachen, Auftakt nach dem Muster: „Kennt Ihr den …?“)
  • Narratio (Erzählung nach dem Muster: „Trafen sich drei Radfahrer. Sagt der eine …“)
  • Bonmot, Pointe (Überraschung, Knalleffekt, origineller Schluss), Zote (unanständig).

Nach Sigmund Freud bedient der Witz vor allem das Lustprinzip durch eine, oft sehr spezielle bzw. anspruchsvolle und zugespitzte Erzählweise. Der Erzähler des Witzes möchte im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und die Zuhörer brechen in ein kollektives Gelächter aus. Zudem muss der Witz kurz sein, um die Aufmerksamkeit bis zum entscheidenden Ende zu binden. Das Ganze erzeugt im besten Fall gute Beziehungen und lockere Atmosphäre.

Vorsicht: Witze können in überzogener Weise auch

  • Anwesende verletzen, verunglimpfen bzw. isolieren,
  • Personengruppen diffamieren oder
  • rassistische, antifeministische oder nationalistische Tendenzen unterstützen.

Witze sind in Diktaturen meistens nicht beliebt, weil sie sich über die Obrigkeit lustig machen und den Respekt im Volk ersetzen. Im 3. Reich konnte man dafür hart bestraft werden. Witze sind aber auch stets Formen der politischen Widerständigkeit, vor allem in einer Zeit der Unterdrückung und Angst, wo Humor oft im Verborgenen blieb.

Beispiele:

  • 3. Reich: „Frage: Was gibt es für neue Witze? Antwort: 6 Monate Dachau.“ („Flüsterwitz“)
  • DDR: „Frage: Warum fuhr Honecker nicht mit der Bahn zum Staatsbesuch in die BRD? Antwort: Weil auf den Bahnhöfen immer ausgerufen wird ‚Bitte zurücktreten!‘ “
  • Anfrage an Sender Jerewan: „Stimmt es, dass…? Im Prinzip ja, aber …“

Sigmund Freud analysierte Techniken und Sozialpsychologie des Witzes und begründete ihn mit der „Lust am Unsinn“. [7]

Zu einer entwickelten Witzkultur gehören u.a. folgende Formen:

  • Kabarett, heute: Komödie,
  • Karneval,
  • satirische Filme.

Worte

Sprachwissenschaftlich gesehen ist ein Wort eine selbstständige sprachliche Einheit, die Bedeutung trägt – anders als ein bloßer Laut oder eine Silbe.

Der Plural „Worte“ wird verwendet, wenn es um zusammenhängende Äußerungen oder den Sinngehalt geht: z. B. „offene Worte“, klare Worte“. Der Plural „Wörter“ dagegen bezeichnet einzelne sprachliche Einheiten: z. B. „3000 Wörter im Text“, „Fremdwörter“, „Passwörter“.

„Der deutsche Wortschatz wird im Allgemeinen zwischen 300.000 und 500.000 Wörtern (Grundformen angesetzt. Im Durchschnitt benutzt ein Muttersprachler oder eine Muttersprachlerin etwa 12.000 bis 16.000 Wörter, darunter sind rund 3.500 Fremdwörter. Verstanden wird aber viel mehr. Mit mindestens 50.000 Wörtern ist der passive Wortschatz um ein Mehrfaches größer.“[8]

Wort bzw. Unwort des Jahres

Das Wort des Jahres 2025 wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben – die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)[9] sammelt derzeit noch Vorschläge, und die finale Wahl erfolgt traditionell Ende November.

Allerdings gibt es bereits Bewegung beim Jugendwort des Jahres 2025: Die drei Finalisten stehen fest:

  • „Checkst du?“ – eine Nachfrage, ob das Gegenüber etwas verstanden hat.
  • „Das crazy!“ – eine Floskel für sprachlose oder überraschende Momente.
  • „Goonen“ – ein Slangbegriff mit sexueller Konnotation, der auch kritisch diskutiert wird.

Die finale Entscheidung fällt am 18. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse

Diese Aktion dient als Spiegel der Zeit: Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) wählt Begriffe, die das politische, gesellschaftliche oder kulturelle Leben eines Jahres besonders geprägt haben.

Die Wahl ist nicht wertend, sondern dokumentierend: Es geht nicht um die Häufigkeit eines Wortes, sondern um seine Signifikanz im gesellschaftlichen Sprachgebrauch.[10]

Das Unwort des Jahres ist ein Begriff, der laut einer unabhängigen Jury besonders unangemessen, diskriminierend oder verschleiernd im öffentlichen Sprachgebrauch verwendet wurde. Es soll zur Sprachkritik und Sensibilisierung beitragen – nicht zur Zensur, sondern zur Reflexion.

Die Jury – bestehend aus Sprachwissenschaftlern und Sprachwissenschaftlerinnen sowie Journalisten und Journalistinnen – wählt jährlich ein Wort, das:

  • gegen Menschenwürde oder Demokratieprinzipien verstößt,
  • diskriminierend, euphemistisch oder irreführend ist,
  • und in öffentlichen Diskursen verwendet wurde.

Wortarten

lexigrafisch-grammatische Einheiten

  • Substantiv
  • Verb
  • Adjektiv
  • Adverb
  • Präposition usw.

Vgl. auch Semantik – Lehre von der Bedeutung der Worte

Wortfiguren

Im Rahmen der Vielfaltrhetorischer Figuren beziehen sie sich vor allem auf den speziellen Umgang mit Wörtern.[11]

Beispiele:

  • Wortfolge (Subjekt – Prädikat – Objekt),
  • Wiederholung, Wortketten,
  • Wortspiel – Wortwitz; bewusste Mehrdeutigkeiten
  • Synonyme (verschiedene Wörter mit gleicher bzw. sehr ähnlicher Bedeutung) und Metaphern (geflügelte Wörter, bildhafte Ausdrücke),
  • Sprachspiele: Buchstabenspiele, Schüttelreime, Zungenbrecher, Nonsens-Silben
  • Akronyme (aus dem Angangsbuchstaben mehrerer Wörter neu entstehend),
  • Onomatopoesie (Lautmalerei)

Beispiele:

  • Begegnen sich zwei Fische. Sagt der eine „Hi!“ Fragt der andere „Hai?“
  • Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach.
  • Wer gerne eine Bratwurst brät, hat oft ein Bratwurstbratgerät.
  • Wir essen jetzt den Suppenhahn, den gestern wir noch huppen sahn.
  • dudeldidum, rattattattata

Wortwahl

Entsprechend dem Kommunikationsmodell (Shannon, Weaver) verfügen Sender und Empfänger über eigenständige Zeichenvorräte, aus denen sie Botschaften kodieren bzw. dekodieren können. Im Zentrum stehen dabei die bewusste Auswahl und bedachte Anwendung von treffender bzw. anschaulicher Worten.

Kriterien dafür sind:

  • Zielgruppenrelevanz (z.B. Kinder, Jugendliche, Erwachsene),
  • Verständlichkeit (vgl. Schulz von Thun),
  • Stilistik.

Je nach Eloquenz (Wortgewandtheit), stilistischer Absicht (Status, Höflichkeit, Distanz, Angriff) und sozialem Kontext (Familie, Berufsfeld, Clique) sprechen wir von unterschiedlichen Stilschichten:

  • künstlerisch, poetisch, gehoben,
  • neutral,
  • salopp,
  • dialektal, mundartlich,
  • vulgär,
  • fachsprachlich.

[1] Kondakow, S. 510

[2] Nichts als die Wahrheit? Warum täuschen wir uns und andere. Gibt es akzeptable Lügen? Wie entlarvt man Deep Fakes? F. M. 05/2022. http://www.dhmd.de/fake

[3] Aristoteles, S. 9 f.

[4] Vgl. Kopperschmidt, Josef (Hrsg.): Die neue Rhetorik. Studien zu Chaim Perelman. Wilhelm Fink Verlag.  München 2006, S. 65

[5] Vgl. Kopperschmidt, Josef (Hrsg.): Die neue Rhetorik. Studien zu Chaim Perelman. Wilhelm Fink Verlag.  München 2006, S. 249

[6] https://de.wikibooks.org/wiki/Mathe_f%C3%BCr_Nicht-Freaks:_Wahrheitstabelle

[7] Freud, Sigmund: der Witz und seine Beziehungen zum Unbewussten. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1989, S. 116

[8] Duden. Band 1: Die deutsche Rechtschreibung. 28., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2020, S. 152

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_deutsche_Sprache

[10] Mit Hilfe durch Copilot, 19.09.2025, Stichwörter“ Wort“ und „Unwort“

[11] Weller, Rainer: Sprachspiele. Arbeitstexte für den Unterricht. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1977

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