Zwischenrufe sind angemessen erlaubt

Zahlen

Fakten spielen für die Rhetorik eine wichtige Rolle, gehen wir doch davon aus, dass zwischenmenschliche Kommunikation immer auf der Sach- und der Beziehungsebene gleichzeitig erfolgt und sich dabei analoger und digitaler Modalitäten bedient. Fakten, Tatsachen und Zahlen jedoch bestimmen vor allem die Sachebene und ihr Wahrheitsgehalt und ihre Stimmigkeit festen nicht zuletzt die Beziehungsebene

In der Mathematik werden Zahlen zur Mengen- und Größendarstellung genutzt (z. B. natürliche Zahlen: 1, 2, 3 … n). Damit bilden sie die Basis der Arithmetik (Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Division, Multiplikation).

In der Kommunikationswissenschaft werden sie als digitale (eindeutige) Argumente verstanden (engl. digit – Finger, Ziffer), die in notwendiger Weise analog übersetzt werden müssen.

In diesem Zusammenhang wird auch das 4. Metakommunikative Axiom von Watzlawick verständlich:

„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.

 Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax [Lehre vom Satzbau], aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik [Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen].

Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikationen erforderliche logische Syntax.“[1]

Beispiele:

  • 1 + 1 = 2 (eindeutig)
  • 1 Mann + 1 Frau = 1 Ehe

Die Worte Mann, Frau und Ehe sind keine eindeutigen Begriffe, sondern lassen sich variabel analog interpretieren. Deshalb sind auch die Beziehungen je nach Kontext richtig oder falsch.

Semantisch betrachtet ist digitale Kommunikation direkt zwischen Menschen zur selben Zeit und am gleichen Ort möglich. Aber sie kann auch mit Hilfe von Technologien (Technik, Programme) synchron (zur gleichen Zeit) oder asynchron (zeitlich versetzt) erfolgen.

Parkinson: „Zahlen können nicht lügen. Aber Lügner können zählen.“[2]

Zäsur

lat. – caesura – Einschnitt im Vers bzw. im Text als Unterbrechung des bisherigen Verlaufes.

Innerhalb eines Textes (Manuskripts) ergeben sich gelegentlich Zäsuren durch Kapitelgliederungen, sinngebende oder atembedingte Pausen sowie abgesetzte Bilder.

Zeichensprache

Nonverbale Formen unserer Zeichensprache ergeben sich aus unserer komplexen lautsprachlichen, schriftlichen, bildlichen und körpersprachlichen Kommunikation.

Beispiele:

  • Nutzung von Symbolen, Bildern, Piktogrammen, Schriftzeichen, Zahlensymbole,
  • Gestik zur Unterstreichung und Bedeutungsverstärkung der verbalen Sprache
  • Mimik als Ausdruck unseres Gesichtes und der Augen,
  • Körperhaltungen und -bewegungen sowie Distanzverhalten,
  • Gestaltung unserer äußeren Erscheinung (Kleidung, Kosmetik, Schmuck usw.

Durch die Vielzahl der Zeichen können wir unsere Lautsprache verstärken und unter Umständen sogar ersetzen (z.B. Gebärdensprache, technische Übertragungen).

Zeitbedarf/Zeitplanung

Es gibt vielfältige Anlässe, eine vorgegebene Zeit beim Reden einzuhalten.

Beispiele:

  • im parlamentarischen Plenum (Redezeit nach fraktionellen Proporz),
  • in Konferenzen, Seminaren und Beratungen,
  • in Prüfungen und bei der Verteidigung wissenschaftlicher Arbeiten.

Grundsätze für die Zeitplanung rhetorischer Aufgaben:

  • Das normale, durchschnittliche Sprechtempo liegt im Deutschen bei 90 bis 120 Wörtern pro Minute. Deshalb sollte man gegebenenfalls die Wörter des Manuskriptes zählen. Das Tempo beim (stillen) Lesen kann bis zu 6fach schneller sein). Deshalb sollte man zur Zeitkontrolle mit halblauter Stimme sprechen.
  • Gut verständliche Sätze sollten in der Regel nicht mehr als 16 Wörter beinhalten. Deshalb sollten pro Minute 6 – 8 Sätze genügen.
  • Beim hörerangemessenen Vorlesen von Texten (maschinenschriftlich, Größe 12 Punkte) benötig der durchschnittliche Sprecher 2,5 – 3,5 Minuten pro Seite
  • Bei Präsentationen mit PowerPoint zweckmäßigerweise sollte man sich zweckmäßigerweise für eine Folie (Chart) etwa 3 – 5 Minuten Zeit nehmen. Überfüllte Präsentation sind für die Zuhörer ähnlich belastend wie zu dichte Texte.
  • Eine Präsentations-Folie sollte nicht mehr als 9 grundsätzliche Gedanken, einschließlich Thema und Schluss) beinhalten (9er Formel, Miller´sche Zahl).

Zeitformen (Tempora)

Zeitstufen des Verbes: Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

  • Präsens (Gegenwart): Er liest das Buch.
  • Präteritum (Vergangenheit): Er las das Buch.
  • Perfekt (vollendete Gegenwart: Er hat das Buch gelesen.
  • Plusquamperfekt (vollendete Vergangenheit): Er hatte das Buch gelesen.
  • Futur I (Zukunft): Er wird das Buch lesen.
  • Futur II: Er wird das Buch gelesen haben.

Zeitplanung

  • Worte zählen (vgl. Zeitbedarf) und mit 100 (90 – 120 Worte) dividieren ergibt die annähernde Zeit in Minuten.
  • Anzahl der Präsentationsfolien zählen und im Durchschnitt 2 bis 3 Minuten pro Folie einplanen (oder mehr).
  • Text (halblaut) lesen und ggf. den Zeitbedarf für einzelne Abschnitte festhalten. Beachte: Bei mittlerem Sprechtempo liegt die Sprechzeit beim 6fachen der Lesezeit.
  • Rede nach Abschnitten nach planen wie z.B.

                        Einleitung      – 5 bis 10% der Redezeit

                        Hauptteil        – 80 bis 90% der Redezeit

Schluss         – 5 bis 10% der Redezeit

  • Sätze zählen: Bei mittlerem Sprechtempo liest man 6 – 8 Sätze pro Minute bei einer durchschnittlichen Satzlänge von 15 – 20 Worten.
  • Seitenanzahl x 2,5 – 3,5 Minuten bei mittlerem Sprechtempo

Zeichenvorrat

Vgl. dazu das Kommunikationsmodell nach Shannon/Weaver:

  • Gesamtheit aller sprachlichen (verbal, nonverbal, paraverbal, audiovisuell) Ausdrucksmittel, über die Sender und Empfänger einer Kommunikation jeweils verfügen.
  • Dort, wo die Zeichenvorräte von Sender und Empfänger sich überlappen, ist eine Verständigung weitgehend möglich, vorausgesetzt, dass sie das auch wollen (Motivation, Akzeptanz, psychische Situation usw.) und es im Kontext keine erheblichen Störungen (Lärm usw.) gibt.
  • Der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache wird im Allgemeinen zwischen 300.000 und 500.000 Wörtern (Grundformen) angesetzt.[3]
  • Der Wortschatz ist ein Teil des Zeichenvorrates. Im Durchschnitt benutzt ein deutscher Muttersprachler/eine deutsche Muttersprachlerin etwa 12.000 bis 16.000 Wörter; darunter sind rund 3.500 Fremdwörter.[4] Das nennen wir den aktiven Wortschatz.
  • Der passive Wortschatz ist um ein Mehrfaches größer und kann bis zu 50.000 Wörter umfassen. Das heißt, wir können deutlich mehr verstehen, als wir selbst ausdrücken können.
  • Der aktuelle DUDEN. Rechtschreibung (28. Auflage) enthält rund 148.000 Stichwörter (Grundformen).[5]

Natürliche zählen auch die nonverbalen (körpersprachlichen) und paraverbalen (Stimme, Intonation, Prosodie) Ausdrucksmittel zum Zeichenvorrat einer Persönlichkeit. Dadurch haben die Menschen eine nahezu unbegrenzte Vielfalt und Bandbreite ihrer Ausdrucksmöglichkeiten.

Zelebrieren

lat. caeremonia – religiöse bzw. würdevolle Handlung im feierlichen Rahmen, Feierlichkeit; meist durch Regeln und Etikette vorgegebener Ablauf

Es gibt bestimmte Redeformen, nahe an der sprechkünstlerischen Kommunikation, die durch betonten Vortrag (langsam, hervorhebend artikuliert) feierlich bzw. künstlerisch zu gestalten sind eine Rede betont langsam und künstlerisch zu gestalten sind.

Beispiele:

  • als Bestandteil einer Zeremonie (das Gebet in der christlichen Messe),
  • Eröffnung oder Abschluss einer Festveranstaltung,
  • Laudatio (Lobrede auf eine prominente Persönlichkeit).

Zeugma

griech. – das Zusammengespannte

Stilfigur, die durch bewusste, oft unlogische und sprachwidrige Verbindung von Ausdrücken entsteht (z.B. ein Verb mit mehreren Objekten oder ein Substantiv mit mehreren Verben). Es soll der Verkürzung dienen, aber auch humorvoll wirken.

Beispiele:

  • Er ergriff seine Aktentasche und die heillose Flucht.
  • Ich heiße Dietmar und […] Euch alle herzlich willkommen.
  • Wir gegen, schnaufen, schleppen uns den Berg hinauf.

ZIMBE – Formel

Diese „Formel“ (Akronym, Kunstwort aus Anfangsbuchstaben) ist eignet sich als Schema für eine pragmatische Vorgehensweise zur Kommunikationsplanung (zum Konzipieren rhetorischer Aufgaben wie Reden, Gespräche, Veranstaltungen usw.)

ZIMBE =  

  • Zielgruppe/Ziel
  • Inhalt (Thema, gliedernde Struktur, Wortwahl, Satzbau usw.)
  • Methodik (Techniken, Verfahren, Methoden, Medien)
  • Bedingungen/Organisation (Raum, Zeit, Ausstattung, Publikum, Organisation)
  • Evaluation von Ergebnissen (Erfassung und Fortsetzung des Vorhabens).

Nach Klingberg[6] (ZIMO: Ziel – Inhalt – Methode – Organisation). Abgeleitet aus der Didaktik eignet sie sich diese Vorgehensweise auch für die Rhetorik.

Zitate

Die wörtliche oder indirekte Wiedergabe von Gedanken anderer wird sehr gern als Stilmittel verwendet. Verweise auf Autoritäten bestärken oft die eigene Glaubwürdigkeit und erweitern die Gedankenführung. Allerdings erfordern das auch den exakten Bezug auf en Ursprung bzw. die mehr oder weniger ausführliche Quellenangabe.

Vorsicht! Keine Plagiate! Das schlechte Beispiel der Plagiatsaffaire von Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Dissertation 2011 sollte uns zu denken geben.

Beispiele (zum Thema Rhetorik):

  • Qui tacet, consentire vidicur. – Wer schweigt, erweckt den Anschein, er stimmt zu. (Erlass durch Papst Bonifacius VIII. (reg. 1294 – 1303) in Corpus juris canonici)
  • Schweigen ist feige, reden ist Gold. (Marius Müller-Westernhagen, geb. 1948, dt. Rocksänger und Schauspieler)
  • Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen. (Johann Wolfgang von Goethe: Faust I)

Zuhören

Voraussetzung für das Gelingen der Kommunikation – Sender nimmt ein Signal wahr und konzentriert darauf, um es zu dekodieren.

Bernhard Pörsken:

„Wir hören, was wir fühlen … Im Zuhören, Weghören und Nicht-Hören realisiert sich die Freiheit des Menschen.“[7]

Zwischenrufe

Zwischenrufe kommen bei öffentlichen Vorträgen oder Diskussion nicht selten vor. Sie können akzeptabel und anspornend wirken, aber auch störend und feindselig sein. Es gehört zur Kompetenz des Redners, darauf geschickt einzugehen.

Zwischenrufe können Bindeglieder zwischen den Reden und den Angeordneten im Parlament sein. Das Präsidium setzt sich dafür ein, dass sie gelingen, aber nicht stören.

Beisplele:

  • aufnehmen und weiterführen: Sie haben Recht, aber …
  • aufschieben: Bitte gedulden Sie sich noch eine Weile …
  • ablehnen: Ich verbitte mir diese ständigen Störungen…
  • ignorieren

[1] Watzlawick, Paul; Bevin Janet H.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Verlag Hans Huber, Bern 1969, S. 68

[2] Parkinson, C. Northcote: Parkinsons neues Gesetz. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1984,  S. 47

[3] DUDEN: Die deutsche Rechtschreibung. S. 152

[4] Ebenda

[5] Ebenda

[6] Klingberg, L.: Einführung in die Allgemeine Didaktik

. Vorlesungen. S. 233 ff.

[7] Pörksen, Bernhard: Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen. Carl Hanser Verlag,  München 2025, S. 21 und 25

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