Q wie: Quintilian – lebt er noch?

Q in der Umgangssprache

Es ist erstaunlich, wie viele Begriffe es z.B. im Sächsischen gibt, die mit Q beginnen, und sich auf die Rhetorik beziehen. [Vgl. Kleines Sächsisches Wörterbuch. VEB Bibliographisches Institut. Leipzig 1986]

Beispiele:

  • Quengeln – sächs.: jemanden durch wiederholte Fragen und Aufforderungen zu etwas motivieren wollen
  • Quatsch, quatschen – sächs.: Unsinn reden, Gegenteil von Qualität
  • Quark – sächs.: Unsinn, Quatsch
  • Quasseltante – sächs.: ununterbrochen redender Sachse
  • Quattern – sächs.: Quasseln
  • Quergeln, questen – sächs.: sich unruhig verhalten
  • Quietschen und Quäken – sächs.: in höchsten Tönen sprechen oder schreien
  • Quaken – sächs.: rhetorische Kakophonie

Quadrivium und Drivium

In der Antike wurden die „Septem artes liberales“ entwickelt, ein Kanon von Studienfächern, aus denen sich traditionell die Bildung „des freien Mannes“ konstituierte:

  1. Drivium:
  2. Grammatik (lateinische Sprachlehre)
  3. Rhetorik (Rede- und Stillehre)
  4. Dialektik bzw, Logik (Lehre von den Schlüssen und Beweisen).
  5. Quadrivium:
  6. Arithmetik
  7. Geometrie
  8. Musik
  9. Astronomie

Mit einer erneuten Aufwertung in Renaissance und Humanismus im 16. Jahrhundert lassen sich Spuren daraus noch bis ins 19. Jahrhundert finden. Ein Beispiel dafür sind die Fürsten- und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma sowie den späteren Gymnasien, von denen noch Curricula erhalten blieben, lassen sich Hinweise auf die Rhetorik finden. [Arnhardt, Gerhard; Reinert, Gerd-Bodo: Die Fürsten_ und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma. Lebensweise und Unterricht über Jahrhunderte. BELTZ Wissenschaft Deutscher Studienverlag, Weinheim und Basel, 2002, S. 59 ff.]

Allerdings wurde die Rhetorik als selbstständiges Lehrfach immer seltener, indem sie in anderen Lehrfächern, insbesondere wohl in der Philosophie (Logik) und der klassischen Sprachausbildung Griechisch und Latein, aufging. Zudem fanden Disputations- und Deklamationsübungen als „artem dialecticam et rhetoricam“ statt. [Ebenda, S. 62]

Im Lateinunterricht wurden dazu Schriften von Livius, Caesar, Vergil oder Ovid genutzt, im Griechischunterricht waren es vor allem Homer, Sophokles, Euripides, Isokrates und Demosthenes. [Ebenda, S. 89 f.]

Beispiele:

  • Im „Lectionsplan der Königlichen Landesschule zu Grimma 1820“ wird kein gesondertes Fach Rhetorik mehr aufgeführt; ebenso 1870. [Ebenda S. 125 und 155]
  • An deutschen Gymnasien wurde im 20. Jahrhundert Rhetorik nicht als eigenständiges Fach betrachtet. Unterrichtet. Allerdings wurden vor allem im Deutschunterricht Text- und Redeanalysen sowie Stilistik behandelt. Aber auch in Geschichte und Gemeinschaftskunde wurden im Zusammenhang mit politischen Ereignissen, historischen Reden und Persönlichkeiten rhetorische Aspekte aufgegriffen.
  • Erst in jüngster gibt es wieder eine Aufwertung, z.B. im Zusammenhang mit Präsentationen, Argumentationen und Diskussionen in Lehrveranstaltungen. Ein besonderes Beispiel ist die außerunterrichtliche Initiative „Jugend debattiert“. [https://www.jugend-debattiert.de/]

Quaestio

lat. – Frage

Gemeint ist vor allem eine generelle Frage, deren Antwort in der gegebenen Situation auf die Beibehaltung oder Veränderung des Status quo gerichtet ist.

Beispiel:

  • Frage des/der Standesbeamten/in an die Braut bzw. den Bräutigam: … dann antworten Sie jetzt mit „ja“.
  • Frage des Richters an den Angeklagten: Bekennen Sie sich schuldig?
  • Wollen wir an dieser Stelle unser Seminar beenden und morgen fortsetzen?

Quasseln, quatschen

Ugs. für törichtes Zeug reden, plappern, schwatzen.

Es ist allgemein verpönt, ohne Konzeption und oft auch ohne Ziel, aber dafür mit hohem Tempo und in breitem Umfang, ununterbrochen törichtes Zeug zu reden.

Beispiele:

  • Mit eurem Quasseln stört ihr den Unterricht.
  • Hilde ist eine Quasselstrippe.
  • Nichts als dummes Quatschen.

Quelle

So wird die stoffliche Vorlage genannt, die ein Redner/Textautor für eine Rede, einen Gesprächsbeitrag oder eine Fragestellung nutzt.

Beispiele:

  • aktuelle, beobachtete Sachverhalte,
  • Presseinformation,
  • Rundfunk- oder TV-Nachricht,
  • auszugsweise veröffentlichte Literaturveröffentlichung,
  • Brief, E-Mail, Text einer Webseite usw.

Die Quellenangabe unterstützt vor allem den Wahrheitsgehalt und die Bedeutung von Fakten oder Argumentationen. Aber sie beugt Auch dem Vorwurf des geistigen Diebstahls (Plagiat) vor.

Je nach Charakter und Bedeutung der jeweiligen Kommunikationsaufgabe (z.B. Presse-Erklärung, Verteidigung einer Bachelorarbeit oder Anklage vor Gericht) sind Quellenangaben verpflichtend.

Beispiel:

Quellenangabe bei Bezug auf eine Textstelle in einem Buch:

  • Autor (Name, Vorname)
  • Titel
  • Form (z.B. Zeitschrift, Tageszeitung, Fachbuch)
  • Verlag, Erscheinungsort, Jahr
  • Seitenangabe
  • ggf. erläuternde Anmerkungen

Quintilian

Marcus Fabius Quintilianus lebte von 35 – 100 n. Chr. Und war der erste öffentlich bestellte Professor für Rhetorik in Rom (70 n. Chr.). Er schrieb zwölf Bücher über die Ausbildung zum Redner im Sinne des Ciceronischen Bildungsideals: Institutio oratoria.

„Der oberste Gott, der Vater aller Dinge und Gestalter der Welt, hat den Menschen durch nichts mehr von den übrigen Lebewesen, wenigstens soweit sie sterblich sind, abgesondert als durch die Redegabe.“ [Quintilian: Institutio oratoria X. Lehrbuch der Redekunst 10. Buch. Philipp Reclam jun. Stuttgart, 1974, S. 3]

Quod erat demonstrandum

Dieser Spruch (dt. – Was zu beweisen war.) ist vor allem im Mathematikunterricht und in der Argumentationstheorie geläufig. [Euklid: Lehrbuch Elemente]

Das Ergebnis einer logischen oder mathematischen Beweisführung führt auf den vorangestellten Zweck zurück und schließt damit die Beweisführung ab.

Beispiele:

  • In der Geometrie wird die These aufgestellt, dass die Summe aller Innenwinkel eines Dreiecks 180° beträgt. Durch das Messen der Innenwinkel verschiedener Dreiecke kommt man zu diesem Schluss.
  • Ich habe die Behauptung aufgestellt, dass diese Veranstaltung ein großes öffentliches Interesse erzeugen würde. Nun reichen die vorhandenen Stühle im Saal nicht annähernd aus. Ich habe also Recht behalten.
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