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Tabuworte
Aus zahllosen soziokulturellen und kommunikativen Gründen unterliegen zwischenmenschliche Beziehungen bestimmten Einschränkungen, Normen und Verboten. Es gibt eben Tabus, d.h. Gebote für Verhaltensweisen, derer man sich (unter bestimmten Bedingungen) enthalten sollte.
Aus dem Polynesischen: Tabu – Unantastbares, engl. – taboo, franz. tabou
Sie sind oft kulturell geprägt und die Gründe dafür können rassistisch, ethisch, religiös, politisch, antifeministisch, vulgär, diskriminierend usw. sein.
Aus Sicht der Rhetorik gehören dazu vor allem anstößige, unangemessene, beleidigene, falsch auszudeutende Worte und unangemessene Ausdrucksweise dazu.
Beispiele:
- Gott (in manchen Religionen), dessen Namen wir nicht aussprechen (in Harry Potter – Voldemort), Schimpfwörter/Diskriminierungen: Zigeuner, Kanaken, Nigger
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Tacheles
jidd.: Tachles – Zweck, zweckmäßig handeln bzw, reden
Damit ist gemeint, dass man unverblümt seine Meinung sagt, und meist auch die des Anderen so hinnehmen will, was jedoch nicht immer gelingt.
Beispiele:
- So, Frau Meier; wir reden jetzt mal Tacheles. (Klartext, offen und ehrlich)
- Tacheles heißt, ohne Umschweife und direkt zur Sache zu sprechen.
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Tautologie
griech. tauto – dasselbe, logos – Rede
Durch dieses Stilmittel, durch gleichbedeutende Wörter eine Überfülle des Ausdrucks herzustellen, soll etwas betont oder weiter erklärt werden. Allerdings ist das auch oft gar nicht notwendig, d.h. es entsteht damit eher ein Stilfehler. Manche Tautologien haben sich aber einfach nur eingebürgert, weil sie gut klingen.
Beispiele:
- an Ort und Stelle
- einzig und allein
- immer und ewig
Im Vergleich dazu gibt es auch den Pleonasmus, mit dem durch unnötigen Zusatz und überflüssige Erklärung meist nur eine sprachliche Aufblähung erfolgt.
Beispiele:
- weißer Schimmel
- uralter Greis
- Ich, in meiner Person, bin ganz subjektiv der Meinung, dass…
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Text und Texten
lat. – textus: Gewebe, Geflecht, Verbindung, zusammenhängender Inhalt einer Rede oder Schrift jeglicher Form
Mit einem mehr oder weniger umfangreichen Komplex verbaler und nonverbaler Zeichen, der vom Kommunizierenden (Sprecher/Hörer bzw. Schreiber/Leser) zusammenhängend kodiert bzw. dekodiert wird (gesprochen, geschrieben bzw. gehört, gelesen) erfolgen Äußerungen für den/die Empfänger.
Texte unterliegen meist einer Vielfalt von Regeln zu
- Syntax (Satzlehre, Beziehungen der sprachlichen Zeichen),
- Semantik (Bedeutungslehre) und
- Pragmatik (Lehre vom sprachlichen Handeln, d.h. auch Rhetorik).
Die Textgestaltung kann bewusst oder unbewusst erfolgen. Sie verfolgt jedoch immer bestimmte Ziele gegenüber Zielgruppen, strukturiert Inhalte, bedient sich verschiedener Formen, Methoden, Verfahren und Techniken, muss konkrete Bedingungen berücksichtigen und unterliegt einer evaluierenden Rückkopplung.
Vgl. ZIMBE-Formel
Das Denken und seine sofortige Umsetzung in Sprechtexten sind flüchtige Prozesse und dadurch oft problematisch. Das vorherige Schreiben kann diesbezügliche Probleme und Konflikte weitgehend kompensieren und die weitere Arbeit am Text vertiefen.
Dazu gibt es auch ausreichend strukturierte Arbeitsmaterialien und Hilfsmittel wie:
- Ulrike Scheuermann: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. [Scheuermann, Ulrike: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. Linde Verlag, Wien 2017]
- Tanja Hanika: Arbeitsbuch für Schriftsteller. Leitfäden, Checklisten und Planungsmodelle für Autoren. [Hanika, Tanja: Arbeitsbuch für Schriftsteller. Leitfäden, Checklisten und Planungsmodelle für Autoren. 2019, http://www.tanja-hanika.de]
- Roehreke, Imai-Alexandra: Reden schreiben. [Roehreke, Imai-Alexandra: Reden schreiben. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2002]
Denken, Schreiben und Sprechen bilden eine untrennbare Einheit. Für viele, vielleicht sogar die meisten Sprecher ist es hilfreich, wenn sie die beabsichtigte Sprechtexte zunächst schreibend vorbereiten in Form von
- Stichworten,
- Skizzen,
- Charts (PowerPoint) oder
- Manuskripten.
„Schreiben kann die Flüchtigkeit des Denkens aufheben und zum Denk- und Lerninstrument werden.“ (Prof. Dr. Daniel Perrin) [Scheuermann, Ulrike: Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Verlag Barbara Budrich, Opladen & Toronto 2013]
Ein elementarer Grundsatz für den Zusammenhang von Schreiben und Reden geht auf deutschen Philosophen und Literaturwissenschaftler Ludwig Theodor Vischer (1807 – 1887) zurück:
„Eine Rede ist keine Schreibe.“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Theodor_Vischer]
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Texten mit KI
Mit Künstlicher Intelligenz (KI, AI), d.h. mit Hilfe trainierbarer Computerprogramme (ChatGPT & Co.) ist es längst möglich, Texte zu erstellen, zu überarbeiten und weiterzuentwickeln. [Lenzen, Manuela: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken. Zentralen für politische Bildung. C. H. Beck Verlag, München 2020] Dabei gilt es nach wie vor, die Möglichkeiten, Grenzen und Formen von natürlicher (zwischenmenschlicher) und künstlicher Intelligenz zu unterscheiden.
Meine These: Rhetorik lässt sich durch KI nicht ersetzen, sondern bestenfalls nachahmen.
Seit etwa 2020 wird der Markt zunehmend von Programmen und Literatur zur KI aus vielen Fachgebieten überschwemmt.
Beispiele:
- Stephen Hawking: Kurze Antworten auf große Fragen. (2018) [Hawking, Stephen: Kurze Antworten auf große Fragen. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018]
- Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens (2020) [Precht, Richard David: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens. Goldmann Verlag, München 2020]
- Manuela Lenzen: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken [ Lenzen, Manuela: Künstliche Intelligenz. Fakten, Chancen, Risiken. Zentralen für politische Bildung. C. H. Beck Verlag, München 2020]
- Kai Spriestersbach: Richtig texten mit KI [Spriestersbach, Kai: Richtig texten mit KI. ChatGPT, GPT-4, GPT-3 & Co. mvgverlag, München 2023]
- Christian Rieck;
SchummelnSchreiben mit ChatGPt [Rieck, Christian: Schummeln! Schreiben mit ChatGPT. Texte verfassen mit künstlicher Intelligenz für Schule, Uni und Beruf. Yes Publishing, München 2023] - Rainer Hattenhauer: ChatGPT & Co. [Hattenhauer, Rainer ChatGPT & Co. Wie du KI richtig nutzt – schreiben, recherchieren, Bilder erstellen, programmieren. Rheinwerk Verlag, Bonn 2024]
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TEDTalks
TED bedeutet Technology, Entertainment und Design. Es begann mit jährlich in Kalifornien stattfindenden Innovationskonferenzen und hat sich bis heute zu einer wahrhaft globalen Internetplattform für den Wissensaustausch durch Vorträge entwickelt. Sie sind in über 100 Sprachen verfügbar, können kostenlos gestreamt und heruntergeladen werden. Jeder, der sich zu einem interessanten Thema äußern möchte, kann sich von einer Bühne aus in authentischer Weise und für maximal 18 Minuten an ein anwesendes Publikum wenden.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1984 wurden bei TED Talks mehr als 3.800 Vorträge gehalten. Diese inspirierenden Reden decken eine breite Palette von Themen ab und haben Millionen von Menschen auf der ganzen Welt erreicht. [Copilot 22.06.2024 und https://www.ted.com/]
Näheres dazu findet sich auf der Webseite mit ihrer umfangreichen Themen-Bibliothek und im offiziellen Handbuch. [Anderson, Chris: TED TALKS. Die Kunst der öffentlichen Rede. Das offizielle Handbuch. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main 2017]
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Thema
griech.: thema – das Aufgestellte, der Satz, der abzuhandelnde Gegenstand, tithenai – setzen, stellen, legen
Leitgedanke (Aufgabe, zu behandelnder Gegenstand, Leitmotiv) u.a. für eine rhetorische Aufgabe.
Beispiel:
- Unser heutiges Thema lautet: Sein oder Nichtsein.
- Unter diesem Thema sollten wir die aktuelle Situation betrachten: Krieg oder Frieden?
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Toleranz – Parodoxon
Karl Popper: „Es wird wirksam, wenn eine tolerante Macht aufgrund ihrer Toleranz intoleranten Kräften erlaubt oder ermöglicht, die eigene Toleranz einzuschränken oder abzuschaffen.“ [Popper, K.: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band 1, Franke Verlag, Bern 1957]
Das weist darauf hin, dass und warum in bestimmten Kreisen immer wieder verweigert wird, einen rationalen Diskurs zu führen, stattdessen aber zur Ignoranz oder Gewalt gegen Andersdenkende und Anhänger anderer Ideologien aufgerufen wird.
Beispiele:
- Ablehnung öffentlich-rechtlicher Medien (Phrase: „Lügenpresse“),
- öffentliche Demonstrationen mit Gewaltpotential,
- Hass und Hetze im Netz.
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Traktat
lat. tractatus – Abhandlung, Flug-, Streit-, Schmähschrift
Traktate sind kurze, treffsichere Textformen, die als politische, wissenschaftliche, künstlerisch-kritische Abhandlung veröffentlicht werde. Sie können aber auch Grundlagen für rhetorische Auftritte sein.
Beispiele:
- Traktat über den Hund – Kurt Tucholsky (1927): „Niemanden hasst der Hund so, wie den Wolf…“ [Tucholsky, Kurt: Traktat über den Hund. Glossen. Limbus Preziosen]
- Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus [Wittgenstein, Ludwig: Ein Reader. Philipp Reclam jun. Verlag. Stuttgart 1996, 9 ff.]
- Rettler, Wilhelm: Traktat über Logik und Sprache. [ Rettler, Wilhelm: Traktat über Logik und Sprache. Kömmt Verlag, Wittenberg 2018]
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Trivium
lat. Dreiweg – Bestandteil der Septem artes liberales, die seit der Antike bis in die Neuzeit als inhaltliche Richtlinien für die Hochschulausbildung galten. Ihre Bestandteile waren
- Grammatik (lateinische Sprachlehre),
- Logik (Organon: Lehre der Schlüsse und Beweise) und
- Rhetorik (Redelehre, Didaktik: Gesprächslehre). [Trivium. The classical liberal arts of grammar, logic & rhetoric. Librero Nederland b.v. 2016 in Englisch]
Vgl. Quadrivium (weitere Bestandteile der Septem artes liberales)
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Das sind logische Verfahren, die zu falschen Schlussfolgerungen führen. Im alltäglichen Sprachgebrauch kommt es nicht selten vor, dass ein naheliegender Schluss auf den ersten Blick als richtig erscheint bzw. irrtümlicherweise als „gesunder Menschenverstand“ angesehen wird, obwohl er formallogisch falsch ist. [Rettler, Wilhelm: Traktat über Logik und Sprache. Kömmt Verlag, Wittenberg,2018, S. 42f.20]
Fehlschlüsse können sowohl aus Versehen passieren, aber auch zur bewussten Täuschung oder Überlistung des Gesprächspartners (Betrug) angewandt werden.
Beispiele:
- Erste Aussage: Bei Regen schützt ein Schirm. Nachfolgende Aussage: Ich sehe niemanden mit einem Schirm. Schlussfolgerung: Es regnet nicht.
- Fritzchen hat ein dickes Lexikon. Darin steht, dass auf dem Mond alles leichter ist, als auf der Erde… Dann sagt Fritzchen, wenn auf dem Mond alles leichter ist, sind die Hausaufgaben und die Schule auf dem Mond auch leichter. [ Rettler, Wilhelm: Traktat über Logik und Sprache. Kömmt Verlag, Wittenberg,2018, S. 44]
- Meine Oma sagte immer, dass früher alles besser gewesen wäre.
Vgl. auch Aussagenlogik [Segeth, Wolfgang: Elementare Logik. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin 1973, S. 33ff.], Wahrheitswerteoperationen – mathematische Logik [Kondakow, N. I.: Wörterbuch der Logik. VEB Bibliographisches Institut. Leipzig 1983, S. 510 f., Anlagen]
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Turn taking
Typisch für den Ablauf von Kommunikation ist der Sender – Empfänger – Wechsel (feedback). Bei Reden unterschiedlicher Formen ist es die mögliche wechselnde Rednerübernahme, in Gesprächen erfolgt der Rollenwechsel/Übergabe bzw. Übernahme des Rederechts zwischen Redner und Hörer. [Forgas, Joseph P.: Soziale Interaktion und Kommunikation. Einführung in die Sozialpsychologie. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1999, S. 137]
Dieser Rollenwechsel hängt davon ab, wer in welchem Moment die Dominanz ausübt. Redner ist dominant, kann aber durch Zwischenfragen usw. unterbrochen werden bzw. in seiner Rolle abgelöst werden. Davon leben Gespräche in ganz besonderer Weise, denn Gesprächsbeiträge (turns) werden spontan oder geregelt durch die Gesprächsteilnehmer übernommen bzw. gewechselt (taking).
Paul Watzlawick beschrieb das Turn Taking auch in seinem 5. Metakommunikativen Axiom auch damit, dass Kommunikation symmetrisch (gleichberechtigte Partner: z.B. Kaffeeschwatz) oder komplementär (einseitige Dominanz durch unterschiedliche Rechte der Partner, z.B. Verhör) erfolgen kann. [Watzlawick, 5. Axiom]
Varianten:
- Normalfall, indem Sprecherwechsel problemlos erfolgt und kooperativ wirkt – gewollt bzw. akzeptiert (z.B. am Ende eines Beitrages);
- Überlappung, durch Unterbrechung des Redners während seines Beitrages – nicht gewollt bzw. störend/konfrontativ;
- Einstieg, Rollenübernahme in einer Pause (am Ende eines Satzes) – abgewehrt oder akzeptiert.
Beispiele:
- Alltagsgespräch (ständiger Rollenwechsel);
- Interview (geregelter Wechsel zwischen Interviewer und Interviewten);
- Verhör (erzwungener Wechsel zwischen Kommissar und Verdächtigem);
- TV-talk (Moderator vermittelt den Austausch zwischen den Teilnehmenden).
Das turn taking unterliegt häufig bestimmten Anforderungen der Höflichkeit.
- Erwachsene sind oft bestrebt, Kindern und Jugendlichen gegenüber eine Dominanz auszuüben.
- Der Chef setzt in der Dienstberatung seine kommunikativen Regeln durch.
Beispiel: Unterbrechen eines Redenden/Einwürfe
Gestatten Sie eine Frage? … Nein, nein – das ist falsch! … Hier stimme ich zu. Aber… Und jetzt will ich etwas dazu sagen…
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